In den ersten fünf Novembertagen erreichten nach Angaben der staatlichen spanischen Seenotrettung Salvamento Marítimo und des zuständigen kanarischen Ministeriums mehr als 3.200 Personen die Kanarischen Inseln. In anderen Berichten ist sogar von 4.800 und fünfzig Booten die Rede.
El Hierro, die mit etwa 11.400 Einwohnern kleinste und westlichste Insel, trägt den Großteil. Allein dort kamen in diesen Tagen über 2.300 Menschen an. In den vorangegangenen Wochen waren es nach lokalen Angaben mehr als 7.000 bis 8.000 illegale Zuwanderer.
Regionalpräsident Fernando Clavijo bezeichnete die Lage als „absolut untragbar“ und warnte vor einer weiteren Verschlechterung. Reuters berichtete heute unter dem Titel (übersetzt) „Anstieg der Migranten auf den Kanarischen Inseln Spaniens ist untragbar, sagen Behörden“ über die anhaltende Überlastung.
El País schrieb am selben Tag von mehr als 3.200 Ankünften allein in den ersten Tagen des Monats und betonte die Konzentration auf El Hierro.
Dazu muss man wissen: Die Atlantikroute war nie wirklich stillgelegt. Nach den Rekordzahlen von 2023 und 2024 mit über 46.000 Ankünfte in einem Jahr gingen die Zahlen 2025 und in der ersten Jahreshälfte 2026 zurück, stiegen aber im Oktober wieder auf rund 6.200 – den höchsten Oktoberwert seit 2023.
Woher kommen die Illegalen? Viele Boote kommen derzeit aus dem Senegal. Es gibt Todesfälle, Frauen, Minderjährige und Säuglinge unter den Ankommenden.
Die Inseln dienen als Einfallstor in die EU. Der Weitertransport aufs spanische Festland und darüber hinaus gehört seit Jahren zur Praxis. In früheren Hochphasen wurde über gecharterte Busse und organisierte Weiterreisen über Spanien und Frankreich nach Deutschland berichtet.
Auch aktuell gibt es regelmäßige Fähren- und Flugtransfers, um Plätze auf El Hierro freizumachen. Ein Euronews-Bericht vom 5. November beschrieb die Oktoberzahlen und den erneuten Anstieg.
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Der folgende Exklusiv-Bericht rund um die jüngsten Ereignisse stammt von einem Reisenden, der sich zu touristischen Zwecken auf Teneriffa und El Hierro aufhielt und die Vorgänge direkt beobachtete. Er möchte anonym bleiben. Es handelt sich um persönliche Wahrnehmungen. Die Hintergründe und Motive der Beteiligten kann er nicht beurteilen.
Am 4. November 2026 benutzte ich die Fähre von Los Cristianos auf Teneriffa nach El Hierro, Puerto de la Estaca. Beim Einstieg auf die Fähre in Los Cristianos wurde eine Gruppe afrikanischer Personen aus der Fähre herausgeführt und in bereitstehende Busse verbracht. Nach meiner Einschätzung handelte es sich um etwa 150 bis 200 Personen. Vor Ort sprach ich mit einem Mitarbeiter des Fährunternehmens (Fred Olsen), der zuvor meinen Pass kontrolliert hatte. Auf meine Frage, wie häufig sich solche Vorgänge ereigneten, antwortete er, dies sei sehr unterschiedlich, komme aber mindestens einmal pro Woche vor. Außerdem empfahl er mir, während der Überfahrt nach El Hierro in Richtung Afrika Ausschau zu halten. Dort würden immer wieder Holzboote mit Afrikanern auftauchen.
Am 5. November 2026 fuhr ich zu touristischen Zwecken mit dem Bus in das kleine Fischerdorf Puerto de La Restinga und stellte Folgendes fest: Auf dem Kai gegenüber der Strandpromenade war durch das Rote Kreuz eine Zeltstraße aufgebaut worden. Vor dem Kai im Wasser schwammen vertäut mindestens zehn typische westafrikanische Langboote sowie zwei moderne spanische Rettungsschiffe (Salvamento Marítimo).
In den Zelten des Roten Kreuzes befanden sich Sanitäter, die sich kurz zuvor noch auf der gegenüberliegenden Seite in einem Café aufgehalten und dort gefrühstückt hatten. Plötzlich wurde es unruhig, und es entstand der Eindruck, dass sich etwas ereignet hatte. Eines der spanischen Schiffe fuhr daraufhin hinaus auf das offene Meer und kehrte nach etwa einer halben Stunde zurück. Es hatte ein weiteres westafrikanisches Langboot im Schlepptau.
Auf dem Langboot befanden sich nach meiner Einschätzung etwa 80 Personen. Diese wurden nach ihrer Ankunft ausgeladen und unmittelbar in die vorbereitete Zeltstraße gebracht. Dort erhielten sie Wasser und Decken. Einige wenige Personen wurden, soweit ich dies aus einer Entfernung von etwa 100 Metern erkennen konnte, ärztlich versorgt. Nach meinem Eindruck handelte es sich dabei möglicherweise auch um etwa acht Frauen, die offensichtlich schwer gezeichnet waren. Ich konnte mich nicht des Eindrucks erwähren, dass sie während der Überfahrt oder bereits zuvor erhebliche Gewalt erfahren haben könnten. Sie konnten jedenfalls kaum laufen und mussten gestützt werden.
Am Ende der Zeltstraße wurden die Personen aufgestellt und anschließend direkt in einen bereitstehenden Bus eingeladen und weggefahren. Nach meinem Eindruck sollte dieser Bus die Personen zum Fährhafen von El Hierro bringen, von wo aus sie vermutlich weiter nach Los Cristianos auf Teneriffa transportiert wurden. Zwischen Ankunft des abgeschleppten Langbootes und Abfahrt des Busses vergingen etwa 30 Minuten.
Ich kann nicht beurteilen, ob es sich bei diesem Vorgang um einen einmaligen Vorfall oder um einen regelmäßig ablaufenden Vorgang handelte. Allerdings sprach aus meiner Sicht einiges gegen einen völlig unvorbereiteten Einzelfall. Die Aufnahme, Versorgung und der Abtransport der Personen wirkten vollständig organisiert.
Auffällig war, dass keine polizeilichen Ermittlungsmaßnahmen zu erkennen waren, insbesondere keine Maßnahmen im Hinblick auf den mutmaßlichen Führer des Langbootes, der ja diese Menschen in Lebensgefahr gebracht hat bzw. Teil der Menschenhändler ist. Auch haben vor Ort keine Ermittlungsaktivitäten im Hinblick auf mögliche Straftaten zu Lasten der Frauen stattgefunden.
Nach meinem persönlichen Eindruck handelte es sich bei dem beobachteten Vorgang nicht um eine klassische Rettungsaktion. Vielmehr entstand bei mir der Eindruck, dass das Langboot die spanischen Einsatzkräfte über seine Position informiert haben musste und diese daraufhin hinausfuhren, um das Boot dann am benannten oder vereinbarten Ort in Schlepptau zu nehmen und die dort befindlichen Personen an Land zu bringen.
Ich betone, dass es sich hierbei um meine persönliche Wahrnehmung und Bewertung handelt und ich die Hintergründe nicht aus eigener Kenntnis beurteilen kann. Gleichwohl entstand der Eindruck einer strukturierten und wiederkehrenden Vorgehensweise, die zumindest den Verdacht einer Beteiligung oder Unterstützung organisierter Schleusung begründet. Alles war perfekt organisiert.
Die spanischen Rettungsboote vor Ort, die vorhandene Zeltstraße des Roten Kreuzes, der bereitgestellte Transportbus, die Geschwindigkeit des Abtransportes. Die Helfer, die offensichtlich nicht überrascht und überfordert waren, sondern ihre Arbeit professionell und zügig ausgeführt haben.
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