Ab heute trainiert Russland den Einsatz nuklearer Waffen – nur Tage nach der abgespeckten Siegesparade

Warnung an den Westen: Russland trainiert den Atomkrieg – Säbelrasseln oder ernstzunehmende Eskalation?

von Alexander Wallasch (Kommentare: 4)

Atomare Drohkulisse mitten im Ukraine-Konflikt© Quelle: Pixabay/geralt

Während der Ukraine-Krieg weiter tobt, führt Russland umfangreiche Manöver mit strategischen und taktischen Atomwaffen durch – inklusive Übungen auf belarussischem Territorium. Offiziell „planmäßig“, doch der Zeitpunkt und die offene Abschreckungsrhetorik wirken wie eine klare Drohung an NATO und Westen: Wollt ihr wirklich für Kiew einen nuklearen Konflikt riskieren?

Die russische Nachrichtenagentur TASS mit Hauptsitz in Moskau ist das Sprachrohr der Putin-Regierung. Was hier veröffentlicht wird, sollten die Gegner Russlands aufmerksam lesen und analysieren.

Heute wurde dort ein umfangreiches Manöver rund um die Atomwaffen des Landes angekündigt. Knapp zwei Wochen nach der im Vergleich zu früheren Durchgängen stark abgespeckten Parade zum 81. Jahrestag des Sieges über Nazi-Deutschland führt Russland vom 19. bis 21. Mai großangelegte Atomkräfte-Übungen durch, heißt es bei TASS.

Offiziell handelt soll es sich um „planmäßige“ Manöver handeln. Die wahrscheinlichere Lesart mit Blick auf die Ukraine: Ein bewusstes nukleares Säbelrasseln, das den Westen beeindrucken oder gar einschüchtern und die weitere Unterstützung für die Ukraine eindämmen soll.

Wenn die Angaben stimmen – und frühere Durchgänge deuten drauf hin – werden bei dem Manöver 64.000 Soldaten, mehr als 7.800 Waffensystemen, über 200 Raketenstartern, 140 Flugzeugen, 73 Überwasserschiffen und 13 U-Booten – darunter acht strategische Atom-U-Boote – teilnehmen. Moskau zeigt der Welt hier die Vorbereitung und den Einsatz seiner nuklearen Streitkräfte. Denn natürlich werden die westlichen Dienste diese militärischen Bewegungen Aufmerksam beobachten.

Gleichzeitig wird hier demonstriert, dass auch während des kräftebindenden Ukrainekrieges noch Militär zur Verfügung steht, so eine Übung durchzuführen.

Ein zentraler Schwerpunkt, so der Bericht aus Moskau, soll auf gemeinsamen Vorbereitungen und dem möglichen Einsatz von auf belarussischem Territorium stationierten Atomwaffen liegen. Weißrussland soll bereits gestern eigene Übungen zum kampfmäßigen Einsatz von Atomwaffen begonnen.
Zum Einsatz sollen tatsächlich genau jene modernen nuklearfähigen und strategischen Systeme kommen, die bei der Siegesparade am 9. Mai auf dem Roten Platz nicht gezeigt wurden. Wohl auch aus Furcht vor ukrainischen Drohnenangriffen hatte Moskau erstmals seit fast 20 Jahren auf jede Zurschaustellung schwerer Militärtechnik verzichtet. Jetzt führt Russland dieselben Kapazitäten nur Tage später in voller Einsatzstärke vor.

Das russische Verteidigungsministerium spricht laut TASS-Bericht offen von der Einübung von Abschreckungsmaßnahmen gegen einen potenziellen Gegner. Und wer kann hier anderes gemeint sein, als der Westen und die NATO. Militärisch ist das sicher real, aber politisch und propagandistisch überhöht.

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Ein Manöver wie eine einzige Frage: „Wollt ihr wirklich für die Ukraine einen Atomkonflikt riskieren?“

Der Kreml betrachtet jede weitere qualitative Steigerung westlicher Waffenlieferungen als potenzielle existenzielle Bedrohung. Aber wann war das in den vergangenen vier Jahren nicht so? Wo ist der Kipppunkt und eie kann ihn der Westen erkennen? Wann wird aus psychologischer Kriegsführung der atomare Ernstfall und wer gibt hier im Westen die Prognose?

Der Weltbestseller-Autor Christopher Clark schrieb in „Die Schlafwandler“ über die Vorgeschichte des ersten Weltkriegs:

„Sie waren wachsam, aber blind, von Alpträumen geplagt, aber unfähig, die Realität der Gräuel zu erkennen, die sie in Kürze in die Welt setzen sollten.“

Wichtig zu beachten: Belarus wird gerade systematisch zur nuklearen Vorfeldstellung ausgebaut, nur wenige Hundert Kilometer von NATO-Grenzen entfernt. Die psychologische Kriegsführung zielt darauf ab, die Ukraine zu demoralisieren und den Westen zu spalten.

Nun reagieren Militärs seit jeher berechenbar. Säbelrasseln wird in der Regel mit Säbelrasseln beantwortet. Aber was macht der Westen? Trump kündigt einen Rückzug von US-Truppen aus Europa an.

Der Krieg in der Ukraine ist längst kein regionaler Konflikt mehr. Er trägt schon länger das Risiko nuklearer Eskalation in sich. Aber offenbar hat die Dauer des Krieges auch einen einschläfernden Effekt: Die Alarmstimmung aus den ersten Monaten 2022 mit Blick auf Atomwaffen ist verpufft.

Das Ganze nochmal abschließend in Zahlen: Insgesamt verfügt Russland über etwa 5.400 Sprengköpfe im Gesamtinventar), die USA über etwa 5.000. Das klingt mit Blick auf eine gelungene gegenseitige Abschreckung ausgeglichen, wäre da nicht eine klare Überlegenheit der Russen bei taktischen Atomwaffen. Während der Westen – und hier vor allem die USA - nur etwa 100–200 taktische Sprengköpfe hat, verfügt Russland über schätzungsweise 1.500–2.000 solcher Waffen – also rund 10-mal mehr.

Noch nie war Diplomatie so wichtig wie heute. Hatte man 2022 den klaren Eindruck, dass Russland den Waffengang vorzieht, sieht es aktuell so aus, dass das sich das westliche Bündnis um die Ukraine herum auf einen Krieg mit Russland schon eingestellt hat. Und Trump, der der den krieg einmal in 24 Stunden beenden wollte, der sich dazu mit Putin und Selenskyj traf, zieht sich gerade aus Europa zurück.

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