Prof. Homburg löscht Post, Jürgen Elsässer feiert „Helden“ und Julian Adrat wird als Pädophilenschützer diffamiert

Warum die Naidoo-Demo so kontrovers diskutiert wird: Wer nicht für uns ist, ist pädophil

von Alexander Wallasch (Kommentare: 1)

Naidoo-Demo in Berlin© Quelle: Wallasch

Gelöschte KI-Bilder, „Menschenfresser“-Thesen und pauschale Pädophilen-Vorwürfe gegen jeden Kritiker: Xavier Naidoos Kundgebung an der Siegessäule vermischt echte Sorge um Kindesmissbrauch mit raunender Hysterie und Verschwörungsrhetorik.

Prof. Stefan Homburg, Ikone der Corona-Maßnahmenkritik, ein kluger Kopf und kühler Denker hatte gestern noch mit sich gerungen. Seine Solidaritätsadresse für Xavier Naidoo und die Demo für Kinder war aller Ehren wert.

Prof. Homburg schrieb unter anderem: „Große Kinderschutz-Demo heute in Berlin. Eigentlich eine tolle Sache! Rotgrün und Antifa diffamieren sie leider als „Verschwörungs-Demo““.

Aber irgendwann am späteren Abend oder in der Nacht hat Stefan Homburg seinen Post gelöscht. Er hatte ein KI-Bild quasi als Beleg dafür geteilt, wie viele Menschen sich vor der Siegessäule versammelt hatten. KI ist ZDF, also hat Homburg seinen Post konsequent entfernt. Das ist gut, das ist nicht egal, das ist Homburg anzurechnen.

Irgendwo stand gestern noch, das KI-Bild sei im Vorfeld als Illustration bei „Compact“ entstanden, das könnte erklären, wie es zustande kam. Compact-Herausgeber Jürgen Elsässer schrieb gestern Abend via X:

„Naidoo ist ein Held. Er hat heute die Lethargie durchbrochen, die dieses Land lähmt. Jetzt kann es weitergehen. Die Epstein-Herrschaft wird fallen.“

Welche Epstein-Herrschaft nochmal? Aber dazu gleich mehr.

Elsässers Kommentar wurde nicht von ihm gelöscht. Ebenso wenig wie Kommentare und Memes, die alle beschimpften, die sich kritisch zu dieser Demo äußerte wie etwa jener Kommentar: „Nur Pädophile schützen Pädophile.“

Das ist im höchsten Maße dreckig und perfide, denn es unterstellt jedem Kritiker pauschal, sich selbst gegen Kinder zu vergehen. Bzw. gemeinsame Sache mit jenen zu machen, die sich an Kindern vergehen. Diese Muster kennen Corona-Maßnahmen- und Impfkritiker nur allzu gut aus den Corona-Jahren: Wer sich kritisch gegenüber der Regierung verhält, ist ein Schwurbler, ein Nazi und Feind der Gesellschaft.

Die Medien haben das zusätzlich befeuert, etwa „n-tv“-Politikchef Nikolaus Blome schrieb, man solle mit dem Finger auf sie zeigen. Und da sind wir schon bei dem ersten von einer ganzen Reihe von Problemen bzw. Fragen im Kontext mit der Naidoo-Demo: Die Medien haben sich gegen diese Demo gewandt und Naidoo erneut im Chor kritisiert bzw. verunglimpft. Aber hat Naidoo deshalb automatisch recht, ist, was er sagt deshalb automatisch unantastbar?

Nicht erst seit Oliver Twist wissen wir, dass die Kinder das schwächste Glied in der Kette sind. Kinder sind als Erste die Opfer von Erwachsenen, von Indoktrination und Missbrauch. Über die Indoktrination hatte gestern auch der Autor, Influencer und AfD-Politiker Julian Adrat berichtet. Er war nämlich sowohl bei der Naidoo-Demo vor Ort, als auch auf einer weiteren Demo vor dem Brandenburger Tor, wo er Kindesmissbrauch meinte festzustellen und im Bild festhielt, wie dort Kinder politisch instrumentalisiert wurden.

Julian Adrat schrieb zu dieser parallel verlaufenden Demo:

„Unerträglich: Kinderschutz gibt’s nur wenn’s gegen die AfD geht: „Eine Armlänge Abstand“, „für immer mein Bereich“, „mein Körper, der ist mein“ Omas gegen Rechts, das Bündnis „PRÜF“, die Grünen – sie klatschen begeistert, während sie gestern schwiegen als ein Afghane Bewährung bekam, nachdem er ein Kind missbraucht hat, die klatschen begeistert, aber zum täglichen Spießrutenlauf unserer Jüngsten schweigen sie. Nur wenn es gegen die politische Opposition geht, dann werden plötzlich Kinder auf Bühnen gestellt. Inakzeptabel!“

Empörung kassierte Adrat hingegen für folgenden Satz:

„Es gibt keinen Grund, die Demo-Teilnehmer um den durchgeknallten Xavier Naidoo tollwütig mit der Nazikeule niederzuprügeln, wie es die Altmedien im Akkord tun.“

Hätte Adrat auf „durchgeknallt“ verzichtet, wäre er bei einer bestimmten Klientel nicht in Ungnade gefallen. Nun muss man nicht lange suchen, zu finden, wie Adrat zu diesem Urteil über den Megastar gekommen ist: Naidoo hatte vor Jahren ein Video veröffentlicht, wo er unter Tränen von Kindesmissbrauch spricht, später hatte er – wohl unter Druck – widerrufen. Und jetzt mit Veröffentlichung der Epstein-Akten erneut Anklage erhoben.

Die Videos einer vorausgegangenen Demo vor dem Kanzleramt mit wenigen hundert Personen zeigten einen Xavier Naidoo, der in die Kameras erklärt, es werden Kinder gegessen. Wir lebten unter Menschenfressern, die uns ebenfalls zu Menschenfressern machen wollen, indem sie etwa Menschenfleisch zu Gewürzen verarbeiten und über Chips heimlich verabreichen.

Das fand Adrat durchgeknallt. Viele andere übrigens auch. Und sie fanden es nicht deshalb durchgeknallt, weil sie etwa zu feige gewesen seien, sich vorliegenden Fakten dazu zu nähern.

Naidoo blieb auch gestern vor der Siegessäule leider eine konkrete Verifizierung schuldig. Deshalb, weil man eine Indizienkette nicht konkret erklären kann? Auch im Journalismus ist das durchaus legitim, man nennt es Verdachtsberichterstattung.

Aber das Wesen der Verdachtsberichterstattung ist nun mal, dass anschließend weiter nachgeforscht und nachgefragt wird. Da reicht es nicht, wütend auf die Epstein-Files zu verweisen, wie gestern vielfach passiert, und wütend Fragende zu beschimpfen etwa mit den Worten: Hast du denn die Epstein-Files nicht gelesen?

Der veröffentlichte Teil soll übereinander gelegt einen Papierstapel ausmachen, so hoch wie der Eiffelturm. Prof. Homburg hatte sich in mehreren Sendungen auf Youtube mit dieser Datenmenge befasst und in gewohnt angenehm ruhigem Ton erklärt, wie man sich ihr annähern kann. Hilfreich! Auch ihm ging es darum, eine Leerstelle in Worte zu fassen. Nämlich über solche Aussagen hinauszugehen, die entrüstet fragen: Hast Du die Epstein-Files nicht gelesen?

Dazu muss man wissen: Die Epstein-Akten sind kein großes Gerichtsurteil. Sie sind eine gigantische Datenmenge welche ursprünglich der Strafverfolgung des mittlerweile verstorbenen Sexualstraftäters Jeffrey Epstein sowie weiterer Personen aus seinem sozialen Umfeld dienten, die daran beteiligt waren, wie es heißt: Frauen und minderjährige Mädchen systematisch zu vergewaltigen und sexuell zu missbrauchen. Viele der Opfer wurden dafür verschleppt, unter anderem auf Epsteins Insel Little Saint James in der Karibik.

Die Dokumente sind keine durchgehend ausermittelten Ergebnisse von Fahndungen, sondern dort findet sich einfach alles, was zusammengetragen wurde bis hin zu jedem einzelnen Anruf oder jeder E-Mail, die dieses oder jenes zum Thema kommentierte. Von einer durchgehenden Verifizierung kann hier keinesfalls nicht die Rede sein.

Und das macht es so besonders schwierig, mit dem Epstein -Files richtig umzugehen. Über eine Suchmaske des US-Justizministeriums kann jeder Bürger, der Internetzugang hat, jeden x-beliebigen Suchbegriff eingeben und bekommt ein Ergebnis. Viel seltener passiert, dass es gar kein Ergebnis gibt. Aber der Nutzer bekommt dann zu seiner Abfrage keine wirkliche Einordnungshilfe. Das Potenzial für Verwirrung und Fehleinschätzungen ist hier gigantisch.

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Zurück nach Berlin zur Siegessäule und zur Naidoo-Demo. Die trug den etwas kryptischen Titel: „Transparenz, Rechtsstaat und Schutz von Minderjährigen – Aufklärung im Kontext möglicher deutscher Bezüge im internationalen Epstein-Komplex“.

Hier schwingt zunächst die Behauptung mit, dass Kindesmissbrauch von staatlichen Stellen und der Gesellschaft gedeckt sei und es keinen Schutz für Kinder gebe. Weiter kann man ableiten, dass die Epstein-Files das alles zu Tage gefördert haben, aber die Bundesregierung trotzdem Pädophile schütze.

Naidoos jüngste Aussagen mitgedacht heißt das dann: Menschenfressende Eliten essen Kinder, die Bundesregierung weiß davon, deshalb müssen die mutigsten Zehntausend vor das Kanzleramt marschieren und Transparenz und Gerechtigkeit für die Schutzlosen einfordern. Und wer das kritisch hinterfragt, ist automatisch ein Schwein und ein Helfershelfer der Kinderschänder.

Die Beschimpfungen etwa gegen Julian Adrat, der es gewagt hatte, Naidoo wegen seiner raunenden Thesen „durchgeknallt“ zu nennen, sind eine eigene Berichterstattung wert. Adrat hat sie alle stehen lassen, nicht geblockt, man kann sie bei ihm via X nachlesen.

Aber was wollte nun diese Demo bezwecken, was nicht schon jeder weiß oder ahnt? Wir wissen um den jahrzehntelangen – man kann auch sagen jahrhundertelangen – Missbrauch der Kirche, die sich als Institution extrem schwer damit getan hat und noch tut, Gerechtigkeit herzustellen. Und die mehr damit beschäftigt war, diese Verbrechen zu decken, als sie offen zu legen. Aber all das ist keine Erkenntnis aus den Epstein-Akten.

Wir wissen um die gigantischen Kinderschänderringe, wir wissen um deutsche Politiker wie Edathy (SPD), der angeklagt wurde, kinder- bzw. jugendpornografisches Material besessen zu haben, sein Verfahren wurde gegen eine Zahlung von 5000 Euro eingestellt. Die Liste ließe sich beliebig verlängern. Der Staat ebenso wie Kinderschutzorganisationen haben noch jede Menge Arbeit liegen.

Der Berg ist hoch. Aber die Gesellschaft ist auch aufmerksamer geworden. Pädophile und ihre Ringe haben nicht mehr so leichtes Spiel wie noch vor Jahren. Nein, es ist nie genug.

Aber auch der Staat macht sich diesen Missstand zunutze: Wenn es um Kontrolle des Internets geht, wird immer wieder der Kampf gegen diese Ringe erwähnt, aber es klingt nicht immer überzeugend nach echtem Ermittlungswillen, vielmehr nach dem Motto „Mittel zum Zweck“.

Die monströsen Epstein-Akten müssen jetzt für all das herhalten. Sogar der Iran-Krieg soll ein Ablenkungsmanöver gewesen ein. Und wehe, jemand bezweifelt das! Dann ist er sofort Helfershelfer eines gigantischen Rings von Menschenfressern.

Und auch die Tränen einer bekannten rechts-konservativen Influencerin gestern auf der Naidoo-Demo suggerierten: Es ist schon fünf nach zwölf und wir sind die letzte Chance, dieses unendliche Leid der Kinder, welches von der Bundesregierung gedeckt wird, zu beenden.

Das Raunen könnte kaum größer sein, der Pulverdampf kommt aus Millionen von Aktenbergen. Aber gegen was konkret richtet sich diese Demo, was über die Arbeit etwa des Kinderschutzbundes und viele weitere Organisationen für die Rechte von Kindern hinausgeht? Alle unterwandert?

Was sind die konkreten Forderungen an die Bundesregierung, die hier unter dem Generalverdacht gestellt wird, ein angeblich durch die Epstein-Files bekanntgewordenes gigantisches Monster an Kindesmissbrauch und Kannibalismus zu decken? Welche Ermittlungen, die noch nicht aufgenommen wurden, sollen hier beginnen?

Prof. Homburg hatte vor zwei Wochen ein weiteres Video zu den Epstein-Akten veröffentlicht. Dieses Mal ging es auch um deutsche Namen wie Philippa Sigl-Glöckner oder die bereits zurückgetretene Nicole Junkermann. Prof. Homburgs Sendung nimmt Sigl-Glöckner (SPD) und ihre Verbindung zu Jeffrey Epstein und dem BND ins Visier.

Frage an Grok: „Gibt es Ermittlungen im Zusammenhang mit den Epstein-Files gegen Philippa Sigl-Glöckner und Nicole Junkermann?“ Teil der Antwort: „Die Epstein-Files belasten mehrere Deutsche, aber offizielle Schritte (z. B. durch FBI oder deutsche Behörden) werden nicht berichtet.“ Nachfrage an Grok: „Warum wird nicht ermittelt?“ Antwort: „Es gibt keine Belege für Beteiligung an Epsteins Kernverbrechen (Sex-Trafficking, Missbrauch Minderjähriger, Rekrutierung von Opfern). Die Inhalte wirken eher wie Networking, Karrierehilfe und private Chats – unangenehm und rufschädigend, aber nicht automatisch strafbar.“

Steckt Grok mit den Pädophilen und Menschenfressern unter einer Decke? Sind die genannten Frauen Verbrecherinnen? Gilt hier automatisch eine Kontaktschuld zu Epstein?

Gegen Epstein wurde ermittelt wegen Missbrauchs von Jugendlichen und weiteren Delikten. Nicht wegen Menschenfresserei, nicht wegen der Tötung von Babys.

Darüber wurde bisher nichts Verifizierbares aus den Epstein-Files extrahiert. Kann ja noch kommen? Das FBI hat das absichtlich unterschlagen, geschwärzt oder zurückgehalten? Ja, das kann alles sein! Aber es bleibt ein großes, nicht selten hysterisches Geraune, das dem Kampf gegen Pädophile und Kindesmissbrauch mehr schaden kann, als es echten Kinderschützern lieb ist.

Jeder Mensch auf Erden sollte ein Anwalt der Kinder sein. Aber es verbietet sich, den Schutz von Kindern zu instrumentalisieren gegen einen verhassten Staat, weil der etwa ein Corona-Regime verantwortet hat oder Kriege führt. Hier soll dann folgender Kontext hergestellt werden: Das sind nicht nur Corona-Verbrecher, die schützen auch Pädophile und Menschenfresser. Das ist idiotisch. Und die Erde ist eine Scheibe.

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