Einig sind sich viele: Die woke-grüne Ideologie muss zerschlagen werden – Aber wie?

Warum Sahra Wagenknecht keine Alternative ist und die AfD immer noch Schwimmflügel trägt

von Alexander Wallasch (Kommentare: 20)

Meuthen, Gauland und Weidel pilgerten nach Schnellroda, als stände dort der heilige Gral der AfD© Quelle: Youtube/ Welt Screenshot

Ist die AfD die bessere Wagenknecht, die Original-Opposition? Die AfD gibt sich letztlich systemkompatibel, parlamentarisch und vom Wunsch beseelt, mit einer Union zu koalieren, die jener Union aus der Zeit des kalten Krieges gleicht. Traumtänzerei?

Sahra Wagenknecht bleibt immer höflich, fast aristokratisch vornehm, solche übergriffigen Entgleisungen gegenüber dem politischen Gegner, wie sie etwa Ralf Stegner, dem SPD-Hetzer am linksradikalen Rand seiner Partei, immer wieder passieren, gibt es nicht bei Wagenknecht.

Was man immer wieder in den Sozialen Medien über die konservative Sozialistin liest, ist ein Bedauern, dass sie vieles richtig sagt, aber eben leider Kommunistin sei. Hier vermischen sich so viele Ressentiments und Schubladen noch aus der Zeit des Kalten Krieges, dass man Gestern und Heute kaum mehr auseinanderhalten kann.

So wie Politiker wie Norbert Röttgen (CDU) wohl bis ans Lebensende die Rosinenbomber der US-Amerikaner anbeten, wird Frau Wagenknecht in den USA immer wieder die Kriegstreiber und selbsternannte Weltpolizisten sehen und Russland entsprechend reflexartig verteidigen.

Der Hype um Sahra Wagenknecht hat sich über viele Jahre gut gehalten, jetzt flaut er langsam ab. Den Grund dafür zu finden, ist kein Hexenwerk. Die gesellschaftlichen Verwerfungen sind unter der Ampelregierung so massiv, die Lähmungserscheinungen der Union als Oppositionsführer sind so eklatant, dass die der Ampel kritisch gegenüberstehenden Bürger heute jene Angebote bevorzugen, die Ross und Reiter nennen. Solche Angebote, die sich nicht mehr scheuen, vom polit-medialen Apparat diffamiert zu werden.

Sahra Wagenknecht hat ihr Blatt überreizt. Wer aus taktischen Gründen nicht dahin geht, wo die eigene Klientel zu Hause ist, wer also die neuen oppositionellen Medien meidet wie der Teufel das Weihwasser, der muss sich nicht wundern, wenn mit den gesellschaftlichen Verwerfungen auch das Misstrauen wächst gegenüber jemandem, der immer noch so verzweifelt und konsequent anschlussfähig bleiben will mit den Öffentlich-Rechtlichen und den Alt-Medien.

Aber ist die AfD die bessere Wagenknecht, die Original-Opposition? Sie ist auf jeden Fall nicht die Fundamentalopposition. Die AfD ist systemkompatibel, parlamentarisch und letztlich vom Wunsch beseelt, mit einer Union zu koalieren, die jener Union aus der Zeit des kalten Krieges gleicht. Aber auch das ist eine große Traumtänzerei.

Hatte nicht neulich jemand aus der AfD eine Koalition mit der Union ausgeschlossen als Reaktion auf die Brandmauer von Friedrich Merz gegenüber der AfD? Das wäre ein glaubwürdiger Anfang: Eine eindeutige ernstgemeinte Brandmauer gegenüber den Blockpartien. Isolation versus Anbiederung.

Solche tragischen Figuren wie der ehemalige Parteichef Jörg Meuthen sind Vertreter des Koalitionswunsches gewesen. Und Meuthen kam gar nicht auf den Gedanken, dass der Wunsch mitzuregieren automatisch auch eine Akzeptanz der grünen Ideologie innerhalb der Union bedeutet hätte.

Zweifellos gehört der außerparlamentarische Arm der Partei zu den Problemfeldern der AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag. Und hier muss man den Blockpartien der grünen Ideologie attestieren, dass sie die deutlich besseren Voraussetzungen haben: Sie bestimmen den außerparlamentarischen Diskurs. Diese woke-grüne Diskurshoheit ist Ergebnis eines jahrzehntelangen Marsches durch die Institutionen.

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So, wie Alexander der Große bei seinem gigantischen Eroberungsfeldzug überall seine Soldaten angesiedelt hat, die sich mit dem Einheimischen fraternisierten und vermischten, aber die Verbindung zum Mazedonier nie in Frage stellten, so haben die Grünen auf ihrem Marsch hinauf auf die Regierungsbank überall ihre grün-woken NGO-Vorposten installiert und subventioniert, also gefestigt.

Die AfD hat hier in zehn Jahren nichts gelernt und jubelt entsprechend schon über die Maßen, wenn ein Landrat oder Oberbürgermeister aus ihren Reihen gewählt wird. Die allerdings sind dann nur soviel wert, wie die Vereine und Organisationen in ihrem Umfeld ihnen zuarbeiten.

Die AfD erscheint viel mehr zerrissen zwischen Parlament und außerparlamentarischer Opposition als die grün-woken Blockpartien. Die woke-grüne Dominanz dieser Blockparteien ist sogar direktes Resultat der außerparlamentarischen Aufstellung der Grünen.

Wo die woke-grüne Ideologie die Gesellschaft durchdrungen hat von der Kita bis zum Kegelverein, hat die AfD nichts entgegenzusetzen. Während auf westdeutschen Stadtteilfesten mittlerweile die Antifa-Flagge weht und der Bierstand dazu vom Anzugträger der örtlichen Versicherung oder dem Fleischermeister co-finanziert wird, wird die AfD im Osten nicht gleich in Schimpf und Schande vertrieben und aus nachbarschaftlichen Gründen geduldet – ob nun mit oder ohne öffentliche Sympathiebekundungen.

Die West-Vertreter der AfD nutzen zweifellos weiter bis auf wenige Ausnahmen die Anonymität der Großstädte. Dort, wo die AfD außerparlamentarisch in Erscheinung tritt, ist jedwede Massenkompatibilität von vorne herein unwahrscheinlich.

Bei aller Wertschätzung und Neugierde gegenüber der Nachdenklichkeit und dem bewussten Grenzgängertum von Personen wie Götz Kubitschek oder Martin Sellner, vom Verlag Antaios, Institut für Staatspolitik und Identitärer Bewegung, ist die – zweifellos bestehende – gegenseitige Vernetzung der AfD mit diesen Institutionen das vollkommen falsche Signal.

Wer sich die Bilder rückerinnert, wo Meuthen, Gauland und Weidel nach Schnellroda pilgern, als stände hier der heilige Gral der AfD, der ist dort angekommen, wo die AfD-Führung maximalen Schaden angerichtet hat.

Die Partei muss sich, will sie erfolgreich sein, stattdessen intensiv mit den Bürgern vernetzen, oder jedenfalls den Versuch unternehmen, in den Vereinen, Kirchen, den Universitäten und Schulen Fuß zu fassen.

Den Schulen? Natürlich. Aber nicht als Partei, sondern mit gestalterischen Ideen, wie die Gesellschaft von morgen aussehen soll. Die Grünen, die Linken, die SPD und die grüne Union machen das doch seit Jahr und Tag. Das ist ihr Kerngeschäft. Und sie machen das maximal erfolgreich. Dafür haben sie Vorfeldorganisationen aufgebaut wie beispielsweise die Amadeu Antonio Stiftung, die ihnen diese Arbeit dankend abnimmt. Nein, die Grünen müssen gar nicht mit ihrer Fahne auf den Schulhof marschieren.

Und das war nicht einmal eine Kritik an Schnellroda, die bleiben ja als Thinktank interessant. Aber als unreflektierter geheimnisumwitterter, bald elitär verstandener Wallfahrtsort für eine Bundestagsfraktion sind sie denkbar ungeeignet.

Dieser Ort ist sogar zu bekämpfen, wenn er sich anschickt, so etwas wie eine Volksbewegung sein zu wollen á la „Ein Prozent“, dann nämlich tritt er in Konkurrenz zur AfD, wenn er nicht bei seinen Leisten bleibt und auf seiner Insel ein paar Angebote macht, die man sich dort isoliert beschauen und studieren kann. Verbannung? Nein, denn das ist die natürliche Aufgabe von Thinktanks.

Die AfD muss in der Rolle der Opposition klar und deutlich Kante zeigen, wenn es darum geht, die politischen Fehler der Ampelregierung zu benennen. Und es war nie so einfach, hier Lösungsvorschlage gegenüberzustellen. Denn hier geht es nicht darum, eine neue Ideologie zu verbreiten, sondern im Gegenteil einer verbreiteten woke-grünen Ideologie einen Gesellschaftsentwurf gegenüberzustellen, der bereits bekannt und von vielen Bürgern hoch geschätzt ist: Deutschland in den Werten von 1990. Oder 2000. Oder 1980? So beginnen Debatten.

Welche Rolle Sahra Wagenknecht hier nun einnehmen soll, weiß wahrscheinlich nicht einmal Sahra Wagenknecht. Aber ganz gleich, wie sie es anstellt, sie kann niemals so fundamental Opposition sein, wie es die gesellschaftlichen Verhältnisse gerade erfordern.

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