Venezuela und die „Aktivierung eines unverschleierten, ressourcensichernden „Neokolonialismus“ des 21. Jahrhunderts“

Warum Ulf Poschardt recht hat: Das Klügste kommt wieder von Benedikt Kaiser

von Alexander Wallasch (Kommentare: 7)

"Maduro ist ein unbeliebter Oligarch, Kleptokrat usw. Sein Regime? Nicht überlebensfähig".© Quelle: Youtube/Tagesschau, Benedikt Kaiser, Montage: Wallasch

Der Autor Benedikt Kaiser fordert Teile der Rechten in Deutschland auf, beim Blick auf Trumps Venezuela-Coup wieder zur Besinnung zu kommen. Das sei alles zu devot – eine neue „geistige Souveränität“ müsse her. Das sei aber noch ein langer Weg.

Wer Benedikt Kaiser noch nicht kennt, vorab eine Einordnung des „Welt“-Herausgeber Ulf Poschardt:

„Einer der kühlsten Beobachter dieser kulturkämpferischen Illusionen ist @benedikt_kaiser, der vom rechten Rand aus bemerkenswert klug analysiert“.

Benedikt Kaiser hat sich jetzt via X zu den Debatten um Venezuela geäußert:

Nicht einmal die größten Trump-MAGA-Publizisten glauben ja auch nur ansatzweise diese Drogen-Story. (Diese ist nur gedacht für subalterne Westeuropäer, die derlei Showelemente mangels politisch-analytischer Denkweise tatsächlich für bare Münze nehmen.)

Es verhält sich anders: Die Drogen, und das bestätigen ausgerechnet die eigenen offiziösen US-Zahlen, kommen mehrheitlich aus Mexiko und den Anrainern. Nach der „Logik“ müsste man also dort jeweils einfallen. Tut man aber nicht, versteht sich.

Maduro ist ein unbeliebter Oligarch, Kleptokrat usw. Sein Regime? Nicht überlebensfähig, nicht (mehr) volksverankert in der Fläche. Sondern zutiefst mafiös. Keine Frage. Gibt allerdings mehrere solche Fälle auf der Welt; nähme man das Prinzip ernst, gäbe es fortan viel zu tun für MAGA-Weltpolizisten, die einst ihre ersten Erfolge dadurch einfuhren, ebendiese Rolle nicht mehr ausüben zu wollen.

Davon also unabhängig: Was gerade par excellence vorgeführt wird, ist die professionelle, rücksichtslose und dadurch beeindruckende Aktivierung eines unverschleierten, ressourcensichernden „Neokolonialismus“ des 21. Jahrhunderts, endgültig bereinigt von vertrauten menschheitstümelnden Floskeln wie noch bei vergangenen Hegemonialkriegen der USA im Falle von Afghanistan, Irak, Libyen, Syrien usf.

Man kann das alles gut finden oder schlecht, Argumente finden sich sicherlich für alles — aber es gehört eben zur realistischen Lageeinschätzung, sich o.g. Fakten einzugestehen. Es geht folglich nicht gegen den Kommunismus, wie beispielsweise eine geistig im Kalten Krieg der 1950er Jahre beheimatete Frau von Storch fantasiert, und es ist kein Feldzug für die Freiheit, wie die Frauke Petrys und Julian Adrat-Bots propagieren. Es geht um Ressourcen und Macht, schließlich auch: um ein Exempel beispielloser Effektivität und Effizienz in der neuen globalen Realitätswerdung.

Das Problem an Storch, Lucassen, Adrat und Co. scheint mir, daran anknüpfend, dass sie kein gesundes Maß bei der Beschäftigung mit jenen revolutionären Verhältnissen unter dem zweiten Trump-Kabinett kennen. Tatsächlich kann man aus deutscher Sicht die gewonnenen Spielräume durch den Trumpismus 2.0 begrüßen und einzelne Maßnahmen (Anti-Zensur, Anti-Terror-Kampf gegen Lefties, mehr Grenzschutz, symbolische Remigrationspolitik usw.) wohlwollend analysieren. Aber viele hierzulande in der Grauzone zwischen LibKon-Nirvana und AfD-von-gestern können das offensichtlich nicht abwägend-nüchtern. Sondern entscheiden sich für dieses devote, würdelose und pauschal unkritische Trump-Abfeiern. Das nährt eine tendenziell unpolitische bis antideutsche/antieuropäische Agenda, die der AfD auf lange Sicht böse auf die Füße fallen dürfte: spätestens dann, wenn deutscher Patriotismus der Marke AfD nur noch als unreflektierter Trump-Kitsch gelabelt werden kann, Trump aber irgendwann politisch gescheitert oder zumindest überlebt sein wird.

Die AfD und das gesamte patriotische Feld täten gut daran, weder „fünfte Kolonne“ des erneuerten MAGA-Washingtons noch jene des alten Putin-Moskaus darzustellen. Dass dies vielen allzu schwer fällt, zeigt der heutige Tag aufs Neue. Zur Souveränität, mindestens zur geistigen, ist es wohl noch ein langer Weg.

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Benedikt Kaiser, 1987, studierte in Chemnitz im Hauptfach Politikwissenschaft (B.A.) und im Studiengang „Politik in Europa“ (M.A.). Er war Lektor beim Verlag Antaios (2013–2021) und Redakteur der Zeitschrift Sezession (2013–2022). Heute arbeitet er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bundestag und als freier Publizist. Ende 2025 erschien bei Jungeuropa sein neues Buch „Der Hegemonie entgegen“.

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