Wer Benedikt Kaiser noch nicht kennt, vorab eine Einordnung des „Welt“-Herausgeber Ulf Poschardt:
„Einer der kühlsten Beobachter dieser kulturkämpferischen Illusionen ist @benedikt_kaiser, der vom rechten Rand aus bemerkenswert klug analysiert“.
Benedikt Kaiser hat sich jetzt via X zu den Debatten um Venezuela geäußert:
Nicht einmal die größten Trump-MAGA-Publizisten glauben ja auch nur ansatzweise diese Drogen-Story. (Diese ist nur gedacht für subalterne Westeuropäer, die derlei Showelemente mangels politisch-analytischer Denkweise tatsächlich für bare Münze nehmen.)
Es verhält sich anders: Die Drogen, und das bestätigen ausgerechnet die eigenen offiziösen US-Zahlen, kommen mehrheitlich aus Mexiko und den Anrainern. Nach der „Logik“ müsste man also dort jeweils einfallen. Tut man aber nicht, versteht sich.
Maduro ist ein unbeliebter Oligarch, Kleptokrat usw. Sein Regime? Nicht überlebensfähig, nicht (mehr) volksverankert in der Fläche. Sondern zutiefst mafiös. Keine Frage. Gibt allerdings mehrere solche Fälle auf der Welt; nähme man das Prinzip ernst, gäbe es fortan viel zu tun für MAGA-Weltpolizisten, die einst ihre ersten Erfolge dadurch einfuhren, ebendiese Rolle nicht mehr ausüben zu wollen.
Davon also unabhängig: Was gerade par excellence vorgeführt wird, ist die professionelle, rücksichtslose und dadurch beeindruckende Aktivierung eines unverschleierten, ressourcensichernden „Neokolonialismus“ des 21. Jahrhunderts, endgültig bereinigt von vertrauten menschheitstümelnden Floskeln wie noch bei vergangenen Hegemonialkriegen der USA im Falle von Afghanistan, Irak, Libyen, Syrien usf.
Man kann das alles gut finden oder schlecht, Argumente finden sich sicherlich für alles — aber es gehört eben zur realistischen Lageeinschätzung, sich o.g. Fakten einzugestehen. Es geht folglich nicht gegen den Kommunismus, wie beispielsweise eine geistig im Kalten Krieg der 1950er Jahre beheimatete Frau von Storch fantasiert, und es ist kein Feldzug für die Freiheit, wie die Frauke Petrys und Julian Adrat-Bots propagieren. Es geht um Ressourcen und Macht, schließlich auch: um ein Exempel beispielloser Effektivität und Effizienz in der neuen globalen Realitätswerdung.
Das Problem an Storch, Lucassen, Adrat und Co. scheint mir, daran anknüpfend, dass sie kein gesundes Maß bei der Beschäftigung mit jenen revolutionären Verhältnissen unter dem zweiten Trump-Kabinett kennen. Tatsächlich kann man aus deutscher Sicht die gewonnenen Spielräume durch den Trumpismus 2.0 begrüßen und einzelne Maßnahmen (Anti-Zensur, Anti-Terror-Kampf gegen Lefties, mehr Grenzschutz, symbolische Remigrationspolitik usw.) wohlwollend analysieren. Aber viele hierzulande in der Grauzone zwischen LibKon-Nirvana und AfD-von-gestern können das offensichtlich nicht abwägend-nüchtern. Sondern entscheiden sich für dieses devote, würdelose und pauschal unkritische Trump-Abfeiern. Das nährt eine tendenziell unpolitische bis antideutsche/antieuropäische Agenda, die der AfD auf lange Sicht böse auf die Füße fallen dürfte: spätestens dann, wenn deutscher Patriotismus der Marke AfD nur noch als unreflektierter Trump-Kitsch gelabelt werden kann, Trump aber irgendwann politisch gescheitert oder zumindest überlebt sein wird.
Die AfD und das gesamte patriotische Feld täten gut daran, weder „fünfte Kolonne“ des erneuerten MAGA-Washingtons noch jene des alten Putin-Moskaus darzustellen. Dass dies vielen allzu schwer fällt, zeigt der heutige Tag aufs Neue. Zur Souveränität, mindestens zur geistigen, ist es wohl noch ein langer Weg.
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Benedikt Kaiser, 1987, studierte in Chemnitz im Hauptfach Politikwissenschaft (B.A.) und im Studiengang „Politik in Europa“ (M.A.). Er war Lektor beim Verlag Antaios (2013–2021) und Redakteur der Zeitschrift Sezession (2013–2022). Heute arbeitet er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bundestag und als freier Publizist. Ende 2025 erschien bei Jungeuropa sein neues Buch „Der Hegemonie entgegen“.
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Kommentar von Maria Eing
Beim Lesen dieser Zeilen, breitet sich Erleichterung aus - wie gut.
Vielen Dank, ein diffuses Unwohlsein und nicht in Worte fassen können tauchte in mir auf beim Erleben dieses Szenarios und den Reaktionen darauf.
Es ist gut, diese klaren, differenzierten Worte zu lesen und zu begreifen - darin steckt viel "Wahres".
Nicht nochmal auf einen Erlöser hoffen, auf diesen bauen, der mit einer weiteren Lüge versucht die Welt "heldenhaft zu retten" und dabei weitere verheerende Zerstörung mit allen Beteiligten betreibt.
Was wie eine Rettung erscheint, ist eine weitere tiefe Fallgrube. Illusionen, Täuschungen zu entlarven in diesen Tagen ist ein kluge, souveräne Gabe und lebensnotwendig.
Maria Eing
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Kommentar von SP
Trump ist kein Philanthrop, sondern ein kalt rechnender Geopolitiker. Neben den wirtschaftlichen Aspekten (Venezuela hat mehr Ölreserven als Saudi-Arabien) war das auch ein Signal Richtung Peking und Moskau. Nicht mehr und nicht weniger.
Dass hier en passant ein übler Diktator dran glauben musste, ist ein medial ausgeschlachteter Nebeneffekt.
Ich stimme Herrn Conrad insofern zu, als dass es nicht die Aufgabe der Oppositionspartei in D ist, die Vorgänge in Venezuela zu kommentieren. Allen täte hier etwas Zurückhaltung gut, vor allem bei der Verwendung des deutlich überstrapazierten Begriffs "Völkerrecht", dessen Definition zumindest schleierhaft erscheint.
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Kommentar von Marcus Thiemann
Ich verstehe die Frage von HoNi als von grundsätzlicher Natur.
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Kommentar von T S
Was Kaiser sagt haben andere schon vor Jahren verlauten lassen: Entscheidend ist allein die Frage "Was ist gut für uns?"
Hat nur vor lauter üblicher Hurra-Bejubelung bzw. -Dämonisierung jedesmal nur eine leise Minderheit interessiert oder überhaupt vernommen.
Es gibt keinen Erlöser von außen, hilf dir selbst oder es hilft dir niemand.
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Kommentar von Joseph Conrad
Die linkspatriotische "Phalanx" aus Sevim Dağdelen, Jürgen Elsässer und Götz Kubitschek existiert offenbar tatsächlich, hier vorgetragen durch Benedikt Kaiser aus dem Umkreis von Kubitschek! (In der Weimarer Republik und der BRD hätte man das noch mit dem historischen Begriff "Querfront" benannt.)
Inhaltlich kommt dann aber kaum originelles.
Die Warnung vor dem US-Neokolonialismus tritt lediglich offene Türen ein:
Es wird anderen, nämlich den rechtskonservativen Patrioten ganz einfach unterstellt, dass sie die traditionelle US-Hegemonialpolitik naiverweise für einen Ponyhof halten würden.
Die nicht weiter begründete, nur emotionalisierend behauptete Unterstellung liest sich im Artikel dann so:
"...dieses devote, würdelose und pauschal unkritische Trump-Abfeiern. Das nährt eine tendenziell unpolitische bis antideutsche/antieuropäische Agenda, die der AfD auf lange Sicht böse auf die Füße fallen dürfte: spätestens dann, wenn deutscher Patriotismus der Marke AfD nur noch als unreflektierter Trump-Kitsch gelabelt werden kann."
Die derzeitig einzige deutsche Oppositionspartei ist m.E. nicht dazu aufgerufen, Welt-Moralschiedsrichter zu sein!
Genausowenig wie Deutschland dazu, Welt-Sozialamt zu spielen.
Diese ebenso unangebrachten wie wohlfeilen Moralaufrufe kann man getrost der SED-Nachfolgepartei Linke/BSW überlassen!
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Kommentar von Juliane Merz
Die Diskussion ist verfrüht. Niemand weiß, wie es in Venezuela weiter geht. Von US-Kolonie bis Bürgerkrieg ist alles möglich. Es regiert dort immer noch das Maduro-Regime. Einmischung von außen dürfte den Machthabern in Venezuela im Moment eher nützen als schaden, zumal der Verdacht nahe liegt, dass Maduro geopfert wurde.
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Kommentar von HoNi
Was ist ein Völkerrecht überhaupt wert, wenn in einer Diktatur tausendfacher Mord begangen wird, politische und juristische Willkür, gefälschte Wahlen, Drogenkartelle über zwei Jahrzehnte über ein drittel der Bevölkerung außer Landes treibt? Nun hat Venezuela eine Chance auf Demokratie, Rechtsstaat und auch wieder auf Wohlstand, nachdem es wirtschaftlich völlig fertig gemacht wurde. Ja okay, ein langer und auch unsicherer Weg-aber dieses Volk hat es verdammt nochmal mehr als verdient! Und nochmal: Gibt das sogenannte Völkerrecht eine Antwort darauf, wenn ein Volk von einer brutalen, korrupten Führung geknechtet wird, dass dieses VR überhaupt Sinn macht?
Für mich zählt ein geschundenes Volk mehr, als dessen diktatorische Führung, die sich in Bedrängnis gerne hinters Völkerrecht stellt, nur um an der Macht zu bleiben!
Antwort von Alexander Wallasch
Sie klingen wie ein Propagandaopfer. genau darum ging es doch! Das es Trump und Co scheissegal wäre, wenns da nichts zu holen gebe. Nordkorea? Scheissegal. usw. Make Amerika Great again! ist die Devise, nicht Make Venezuela oder Germany Great again.