Nicht geschwärzte NLM-Mail enthüllt, wie Pressefragen bei der NLM „bearbeitet“ werden – mit Zwinkersmiley

Was Wallasch-Akte enthüllt – Medienanstalt lacht über Presseanfrage: „Bei Frage drei habe ich versucht zu framen“

von Alexander Wallasch (Kommentare: 1)

Der mit hunderttausenden Euro zwangsgepuderte NLM-Direktor Christian Krebs und die E-Mail des Grauens.© Quelle: Akte Wallasch, Youtube/medien.recht.einfach/Screenshot, Montage: Wallasch

Der „Rundblick“ stellt eine kritische Frage zur Pressefreiheit. Die Reaktion in der Landesmedienanstalt? Statt einer klaren Antwort wird intern „geframed“. Eine Mail aus der Wallasch-Akte zeigt, wie Behörden ihre eigene Darstellung steuern – kollegial, entspannt und mit einem lachenden Smiley.

Der „Rundblick“ ist ein renommiertes Politikjournal für Niedersachsen, welches fünfmal in der Woche in Hannover erscheint und schwerpunktmäßig über die niedersächsische Landespolitik berichtet.

Offenbar schätzt man dieses Journal auch bei der Niedersächsischen Landesmedienanstalt. Zu den Abonnenten zählen vor allem Parlamentarier, Verbände, Behörden und Kommunen. Das Journal wird demnach im Landtag und den Ministerien gelesen. Da will man mutmaßlich nicht negativ dargestellt werden.

Jedenfalls sorgte am 28. Januar 2026 eine Anfrage des Rundblicks von Christian Wilhelm Link, Chefredakteur Wirtschaft, für Aufregung nicht nur in der Kantine der Landesmedienanstalt, auch im Schlafsaal wurde Licht angemacht. Woher wir das wissen? Eine Reihe ungeschwärzter Seiten der Wallasch-Files hat den Blick auf die Geschehnisse freigegeben.

Bereits zwanzig Minuten nach Eingang der Anfrage schreibt mutmaßlich Direktor Christian Krebs selbst an seine Kollegen – in einer internen Mail aus Hildesheim:

„Moin aus Hildesheim, anbei eine Presseanfrage vom Rundblick zu Wallasch - könnt ihr ein paar Infos zusammentragen und mir zusenden? Werden denen auch ein Hintergrundgespräch anbieten. Schon mal als Info. DANKE euch.“

Man duzt sich kollegial auch Hierarchie übergreifend. Aber diese Kumpanei verlangsamt schon mal den Prozess. Der Chef bekommt seine Antworten erst zwei Tage später. An dieser Stelle sind in den Wallasch-Files mehrere Namen und Passagen geschwärzt:

„Hallo – anbei (oder hier: [geschwärzt]) findest du mal einen ersten Aufschlag von [geschwärzt] zum Rundblick. Schau doch gerne mal drüber und schick es dann am besten weiter an [geschwärzt] (hier auch schon in CC). Liebe Grüße“

Herr Direktor ist flotter als seine Schlafmützen, er bekommt aber auch deutlich mehr Geld ins Homeoffice überwiesen. Seine Antwort kommt bereits nach 1,5 Stunden:

„Hallo zusammen, vielen Dank für den sehr ausführlichen Entwurf! Ich habe ein paar wenige Anmerkungen eingefügt.“

Erwartungsgemäß dauert es dann erneut länger – dieses Mal sogar drei Tage –, bis sich die Angesprochenen den Schlaf aus dem Homeoffice gerieben haben. Die Antwort lautet (Hervorhebungen AW):

„Moin zusammen, vielen Dank für eure geniale Vorarbeit. Ich habe es ein bisschen angepasst und gekürzt - gibt es Einwände? Bei Frage drei habe ich versucht zu framen, anstatt den Vorwurf zu bestätigen (Lach-Smiley) DANKE! LG“

Jetzt mal ganz langsam. Lese ich richtig? Die Presse stellt also Fragen und im internen Verteiler der Landesmedienanstalt Niedersachsen erklärt ein Sachbearbeiter, er habe bei Frage Nummer 3 des Chefredakteurs Wirtschaft des Rundblicks „versucht zu framen, anstatt den Vorwurf zu bestätigen“ – mit Zwinkersmiley?

Schon nach drei Tagen eine Antwort? Das geht dann einem weiteren Mitarbeiter deutlich zu schnell, der antwortet 30 Minuten später jedenfalls:

„Mach in Ruhe, morgen früh reicht.“

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Hier nun die Frage 3 des Rundblicks, welche die Landesmedienanstalt nach Selbstauskunft zu einem Framing veranlasst hatte:

„In der öffentlichen Debatte wird mitunter der Vorwurf erhoben, Maßnahmen der Medienaufsicht könnten als Eingriff in die publizistische Freiheit wahrgenommen werden. Wie begegnet die NLM solchen Vorwürfen und wie grenzt sie ihre Aufsicht klar von inhaltlicher Einflussnahme ab?“

Auch die Antwort (nicht in den 1200 Seiten schweren Wallasch-Files oder geschwärzt) liegt uns mittlerweile vor.

Die offizielle Antwort – die geframte – der NLM ist eine klassische Behörden-Standardformulierung: Man betont den „Schutz der freien Meinungsbildung“, erklärt die Aufsicht für „meinungsneutral“ und zitiert den Gesetzgeber. Es gehe nicht um Inhalte oder Wahrheit, sondern nur um „Handlungspflichten bei Recherche und Präsentation“. Die publizistische Freiheit gelte eben „nicht uneingeschränkt“.

Was an dieser Stelle eigentlich hätte stehen müssen, wäre eine ehrliche, konkrete Auseinandersetzung: Warum wird gerade Alexander-Wallasch.de mit einer Sonderkommission aus fünf Landesmedienanstalten überzogen? Warum werden genau drei Artikel aus mehreren Tausend beanstandet? Und warum finden sich echte Sorgfaltsverstöße bei etablierten Leitmedien offenbar nie im Visier der Aufsicht? Stattdessen folgen nur allgemeine Beteuerungen, gesetzliche Zitate und Worthülsen.

Ja, diese Mail ist ein interner Vorgang. Aber sie ist noch viel mehr als das: Sie belegt, dass die Landesmedienanstalten nicht nur Aufsicht ausüben wollen, sondern zugleich ihre eigene Rolle und ihre selektive Praxis aktiv verteidigen und schönreden.

Wer nämlich Kritik mit Framing statt mit Transparenz begegnet, untergräbt genau das, was er vorgibt zu schützen: den freien, unverzerrten Meinungsbildungsprozess. Der Fall Wallasch wird damit immer mehr zum Lehrstück, wie staatliche Medienaufsicht in der Praxis funktionieren kann.

Diese frech grinsende, weitgehend ungeschwärzte Mail ist zudem mehr als ein interner Schlampigkeitsschnitzer.  Sie belegt, dass die Landesmedienanstalten eben nicht als neutrale Aufsichtsbehörde agieren, sondern aktiv ihre eigene Darstellung und Deutungshoheit verteidigen.

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