Jetzt verweigert auch Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) die Solidaritätsadresse gegenüber Kulturstaatsminister Wolfram Weimer. Dessen Media Group wurde mitten in der Weimer-Affäre zwar zunächst noch von Rhein abgeschirmt, aber der CDU-Landesvater hat als Schirmherr der „Frankfurt Finance & Future Summit“ 2025 kalte Füße bekommen.
So kalt sogar, dass seine Presseabteilung in der Staatskanzlei in Hessen in den voreiligen Winterschlaf gefallen scheint. Die nette Dame am Pressetelefon klang zuletzt schon ganz verzweifelt. Ja, sie werde auch dieses Mal wieder ausrichten, dass der Journalist Wallasch angerufen habe, um erneut nachzufragen, wann endlich eine Antwort auf seine simple Frage komme.
Die Verzweifelte beschwichtigte Anruf für Anruf – bald ist das Dutzend voll –, sie sage sofort Bescheid, der Sprecher melde sich dann ganz bestimmt zurück.
Aber niemand schreibt, niemand ruft an, die Einsamkeit wäre umfassend, jedenfalls dann, wenn man bei Alexander-Wallasch.de nicht tausend andere Dinge abzuarbeiten hätte. Auch per E-Mail fragen wir freundlich nach: „Hallo, wann ungefähr kann ich mit einer Antwort rechnen? Herzlichen Dank.“
Die offenbar unmögliche Frage, die in Wiesbaden in der Staatskanzlei für so viel Aufregung sorgte, dass man sie unmöglich beantworten konnte, lautete:
„Die Bayerische Staatsregierung hat eine Compliance-Überprüfung ihrer Beteiligung am Wolfram-Weimer-Ludwig-Erhard-Gipfel eingeleitet. Markus Söder tritt bisher als Schirmherr des Ludwig-Erhard-Gipfels am Tegernsee auf.
Wird MP Boris Rhein bzw. die hessische Staatskanzlei ähnlich verfahren, was die Schirmherrschaft von MP Rhein bzw. das Sponsoring der Veranstaltung der Weimer Media Group in Frankfurt angeht?“
Was für eine Last hat sich Ministerpräsident Rhein da von Wolfram Weimer aufbürden lassen, die jetzt so schwer drückt? Die Hauptaufgabe besteht darin, durch die Übernahme der Schirmherrschaft moralische Unterstützung zu leisten und den Anlass zu adeln.
Die Aufgabe von Rhein wird von den Weimers unter anderem so beschrieben:
„Unter der Schirmherrschaft des Hessischen Ministerpräsidenten Boris Rhein erleben die Gäste in Frankfurt am Main fünf Events der Extraklasse an zwei Tagen. Am 22. und 23. Oktober 2025 werden in der Main-Metropole Top-Entscheider aus Politik, Wirtschaft, Finanzen, Wissenschaft, Sport und Medien erwartet. Die Gäste erleben die Formate in drei exklusiven Locations: im Städel Museum, Kap Europa und Gibson Club.“
Fast genau vor einem Monat beschrieb Alexander-Wallasch.de bereits ausführlich, was jetzt als Korruptionsskandal hochkocht:
„Heute in Frankfurt sitzt der hessische Ministerpräsident mit im Boot, wenn die Weimers bei Ticketpreisen von Tausenden Euro ‚Vordenker, Vormacher und Innovatoren aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik‘ zusammenführen, wie es in ihrer Eventbeschreibung heißt.“
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Zusätzlich hatte Rhein 30.000 Euro als Sponsoring der Steuerzahler an das veranstaltende Unternehmen vom Tegernsee überweisen lassen, damit alles noch glatter läuft.
Und ja, die Hessische Staatskanzlei ist grundsätzlich verpflichtet, Journalisten Auskunft zu geben. Diese Verpflichtung ergibt sich aus dem Hessischen Pressegesetz. Aber wer will da schon Klagen anstrengen, wenn wir die Antwort jetzt brauchen?
Warum hat Boris Rhein seine Pressestelle angewiesen, zu seiner Schirmherrschaft und dem Sponsoring der Weimer Media Group so eisern zu schweigen?
Der Ministerpräsident und die hessische Staatskanzlei schauen ängstlich hinüber nach München, was Markus Söder da macht. Der hatte nämlich schnell den richtigen Riecher, sich formal von Weimer abgesetzt und eine Compliance-Überprüfung angesetzt. In Wiesbaden scheint man abwarten zu wollen, was in München passiert.
Und alle gemeinsam warten nun auf was? Darauf, dass sich das Problem Weimer von selbst erledigt? Etwa so, wie sich die Ordensverleihung des bayerischen Landtags für Frau Götz-Weimer erledigt hat, von der sie heute zurückgetreten ist?
Das beharrliche Schweigen des Sprechers des Ministerpräsidenten zur Schirmherrschaft erzählt jedenfalls mehr über die aktuelle Stimmung innerhalb des hessischen Freundeskreises des Kulturstaatsministers, als den Beteiligten lieb sein dürfte.
Der Hochstapler in den eigenen Reihen ist aufgeflogen und mit ihm sein Networking im Schneeballprinzip gewissermaßen – oder wie auch immer man es beschreiben mag, wenn man jemanden in seiner Mitte aufgenommen hat, der mit tollen Kontakten glänzte, aber einen Schweif aus schwerwiegenden Problemen hinter sich herzog.
Ministerpräsident Boris Rhein muss sich rasch entscheiden. Denn noch konzentriert sich alle Kritik auf die Weimer-Sause am Tegernsee, aber in Frankfurt am Main ist das Beben schon als aufsteigendes Grollen zu hören.
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Kommentar von Eichelhäher
Als ich das las, gingen bei mir sofort die Warnleuchten an. Mutmaßlich wurde der Skandal noch nicht vollständig aufgedeckt. Da schlummert wohl noch etwas unter der Oberfläche.
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Kommentar von T S
Handelt die Pressestelle wirklich auf Anweisung so? Oder aus Überforderung, weil es keine konkreten Vorgaben gibt und der Hausherr auf Zeit spielt, möge der Kelch an ihm vorrübergehen und die Sache irgendwann auf dem Popopattex ausgesessen sein?
In der grassierenden Verantwortungslosigkeit von heute tippe ich eher auf Letzteres, auch wenn das im Ergebnis keinesfalls besser ist.
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Kommentar von Carl Peter
Wahrheitswidriges Schweigen...
...Im Haus der Lüge.
Also nicht wie im Coronawahn die wahrheitswidrige Empörung im deutschen Bundestag über Ungeimpfte - da hätte man sich besser wahrheitsgemäß informiert, vorallem die Bevölkerung wahrheitsgemäß informiert und nicht eine bedauernswerte Emilia Fester vorgeschickt, um sich auf ihre Kosten raushalten zu können: „Wenn Sie und Ihre Freund:innen der Freiheit sich einfach hätten impfen lassen, als die meisten von uns so vernünftig waren und diesen einfachen Schritt gegangen sind, dann wären wir jetzt wieder frei“- darauf muss man erstmal kommen, wenn man die Impfpflicht zur Freiheit fordert.
Eigentlich müsste man die Löschdecke über ganz Deutschland werfen, es schwelt überall - in dieser erstickenden Atmosphäre tut man am besten so, als wäre alles und man selbst feuerfest.
Schon wieder Fahrenheit 451, wenn die, die löschen, Feuer legen - am besten bleibt von der Affäre Weimer nur Asche, bevor man auf die tatgemeinschaftliche Brandursache kommt und nicht mehr weglaufen kann.
Wie fordert man für die Selbstvernichtung Deutschlands Schadensersatz - am Ende ist dann wieder keiner Deutscher gewesen, außer den strafausgebürgerten.
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Kommentar von Charlotte Hinterhuber
Das ist aber auch wirklich lästig. Nach meinem Eindruck konzentriert sich die hessische Regierung gerade auf ihre Denutziations Portale.
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Kommentar von Karen-Steffi Wellinger
Welch eine Posse erleben wir hier! 😁 Jeder neue Artikel, jeder Aufdecker amüsiert mich nur noch königlich. Herr Wallasch, Sie haben meinen größten Respekt, und auch Apollo-news und Nius leisten gute Arbeit. Hätten wir eine flächendeckende Presse mit Ihren Qualitäten und der ihr eigentlich angedachten Aufgabe als 4. Macht, dann sähe es ganz anders aus in diesem Land.