Gestern waren Duma-Wahlen in Moskau beziehungsweise in Russland. Dennoch weiß man derzeit weniger über das Wahlergebnis als über den ukrainischen Angriff: In der Nacht zum 20. September 2026 flogen zahlreiche ukrainische Drohnen in Richtung Moskau. Vor allem in den sozialen Medien kursierten Bilder von Bränden und großen Rauchsäulen, die unter anderem von der Moskauer Ölraffinerie in Kapotnya stammen sollen.
Der Krieg ist damit tief nach Russland hineingetragen worden – jener Krieg, den Russland mit dem Angriff auf die Ukraine begonnen hatte, der sich nicht nur gegen die östlichen Provinzen mit einem hohen russischsprachigen Bevölkerungsanteil richtete, sondern von Beginn an auch Kiew zum Ziel hatte.
Der Drohnen- und Raketenangriff auf die Region Moskau wirft zahlreiche Fragen auf, unter anderem nach einer möglichen deutschen Beteiligung – etwa im Zusammenhang mit der Finanzierung der Ukraine oder mit Blick auf die eingesetzten Waffensysteme. Präsident Selenskyj veröffentlichte später über X eine Auflistung der eingesetzten Systeme, was in Moskau als demonstrative Zurschaustellung ukrainischer Fähigkeiten verstanden werden kann und möglicherweise auch eine weitere Eskalation des Konflikts zwischen Moskau und dem Westen befördert.
Der Bürgermeister von Moskau sprach von einer der schwersten Drohnenattacken auf die Hauptstadtregion. Das US-amerikanische Institute for the Study of War bezeichnete den Angriff als das größte kombinierte ukrainische Angriffspaket gegen die Moskauer Region seit Beginn der russischen Invasion. Über den aktuellen Stand des Krieges selbst ist dagegen vergleichsweise wenig zu erfahren. Russland scheint zuletzt kaum Boden verloren zu haben und konnte in einigen Abschnitten sogar Geländegewinne erzielen.
Nach russischen Angaben wurden seit dem 19. September mehr als 1.600 Drohnen abgefangen, davon rund 450 auf dem Anflug in Richtung Moskau. Diese Zahlen stammen allerdings aus russischen Quellen und lassen sich unabhängig nur teilweise überprüfen. Nicht alle Flugkörper erreichten ihre Ziele, da die Moskauer Region inzwischen über eine umfangreiche Luftverteidigung verfügt.
Gerade darin liegt eine weitere Erkenntnis dieses Krieges: Die Ukraine setzt zunehmend auf eine neue Form der Kriegsführung, bei der große Mengen unterschiedlicher Drohnen und Flugkörper eingesetzt werden, um die russische Luftverteidigung zu überlasten und anschließend einzelne strategische Ziele anzugreifen.
Bestätigt beziehungsweise durch Bildmaterial plausibilisiert sind unter anderem Brände an der Gazpromneft-Raffinerie in Kapotnya sowie an einem Logistikkomplex. Die Bilder von Feuer und Rauch verbreiteten sich in der Nacht rasch über die sozialen Medien. Berichtet wurde zudem von mehreren Toten und Verletzten sowie von Evakuierungen aus einem Hochhaus.
Auffällig ist das Verhältnis zwischen der sichtbaren Zerstörung und den vergleichsweise geringen Opferzahlen unter der Zivilbevölkerung. Auch dies zeigt eine Besonderheit moderner Drohnenkriege: Angriffe können gezielt auf einzelne Anlagen oder Anlagenteile konzentriert werden. Anders als bei klassischen Bombenangriffen muss nicht zwangsläufig eine große Fläche zerstört werden. Drohnen können direkt in oder auf ein bestimmtes Ziel gelenkt werden.
Die Raffinerie in Kapotnya ist für Moskau von besonderer Bedeutung. Sie versorgt den Großraum der Hauptstadt mit erheblichen Mengen an Treibstoff und ist deshalb ein strategisch wichtiges Ziel. Die ukrainische Armee greift seit Monaten gezielt russische Raffinerien, Treibstofflager und andere Anlagen der Energieinfrastruktur an.
Der Angriff auf Moskau steht damit beispielhaft für eine Entwicklung, die den Charakter des Krieges verändert: Nicht unbedingt die möglichst großflächige Zerstörung ist das Ziel, sondern die Ausschaltung einzelner kritischer Punkte. Ein Treffer auf eine zentrale Produktionsanlage kann dabei wirtschaftliche und logistische Folgen haben, die weit über den unmittelbar sichtbaren Schaden hinausgehen.
Christian Witt war an diesem Tag in Moskau, zur Wahl. Den Bericht dazu haben wir veröffentlicht: Der Morgen begann mit Angriffen und Rauchsäulen im Netz. Am Nachmittag der Schlag auf die Raffinerie im Süden. Im Zentrum, sagt Witt, bekam man davon fast nichts mit. Volle Fußgängerzone, Straßenmusik, junge Leute, Konzerte. „Gar nichts. Ich bin hier im Zentrum, man bekommt das gar nicht mit.“ Veteranen träfe man eher in der Transsib als am Roten Platz. Moskau sei eine Blase.
Witt nennt die Attacke einen Eingriff in den Wahlkampf: „Hier will jemand Putin die Faust zeigen.“ In der Krise halte man zusammen. Kritik schwinge mit, sichtbar werde sie nicht. Den Deutschen in Russland sei die Rolle Berlins oft klarer als vielen Bürgern in Deutschland: Sie kennten das Eingebundensein und den fehlenden Entscheidungsspielraum besser als mancher Bundesbürger selbst. Putin stehe im Zugzwang, aber nicht im luftleeren Raum. Es komme auf die Bedingungen an. Vom Westen, sagt Witt, sei ein Ende des Konflikts noch nicht wirklich gewünscht.
Selenskyj stellte den Schlag via X als Antwort dar. Getroffen seien ein zentrales Ölunternehmen und ein Logistikobjekt, „Milliarden Dollar, die die Kriegsmaschine am Laufen halten“. Dann die Systeme: FP-1, RZ-100, MICH-2000, Palianytsia, Vendetta, Liutyi, Bars, Flamingo, Sichen und Pelican. Beteiligt laut Kiew: SBU, Unmanned Systems Forces, Spezialeinheiten, HUR und Auslandsgeheimdienst. Das US-amerikanische Institute for the Study of War schreibt zugleich, einzelne Systemnamen dieser Nacht seien nicht unabhängig geprüft. Die Aufzählung ist also Behauptung und Botschaft in einem.
Gerade deshalb fällt auf, wie tief Berlin in dieser Reichweite steckt.
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Liutyi, auch An-196: Der Spiegel und die Welt berichteten 2025 von deutscher Finanzierung in dreistelliger Millionenhöhe, über 100 Millionen Euro, für mehrere hundert Drohnen mit 1.200 bis über 2.000 Kilometern. Das Verteidigungsministerium bestätigte der Welt, Berlin finanziere „die Produktion weitreichender Waffen in der Ukraine“, ohne Typen zu nennen.
Bars: Am 8. Juli 2026 unterzeichneten Pistorius und Außenminister Andrij Sybiha in Ankara die gemeinsame Produktion des jetgetriebenen Mini-Marschflugkörpers. Deutschland zahlt die erste Phase, die Systeme gehen an die Ukraine. 2025 lag Bars schon mit Liutyi in einem Paket von rund 400 Millionen Euro.
Fertigung in Deutschland soll demnächst anlaufen, erste Lieferungen werden für Oktober 2026 genannt.
FP-1 und Flamingo stammen von Fire Point. FP-1 ist die Langstreckendrohne, Flamingo der Marschflugkörper mit behaupteten 3.000 Kilometern. Fire Point steht in den Vereinbarungen „Build with Ukraine“ vom 14. April 2026. Diehl Defence schloss im April ein Technologieabkommen und sprach im Juni über Fertigung des Flamingo in Deutschland. Chef Helmut Rauch sagte, das könne „wirklich passieren“.
Deutschland gehörte schon zuvor zu den Staaten, die ukrainische Langstreckendrohnen nach dem dänischen Modell finanzierten. wird mit Fire Points ballistischer Rakete FP-7 verknüpft. Öffentliche Reichweite: 200 bis 300 Kilometer. Ob sie die Raffinerie selbst erreicht hat, bleibt offen. Fire Point arbeitet mit Hensoldt am Abwehrprojekt Freyja und mit Diehl an Lenktechnik.
Palianytsia, Vendetta, Sichen, RZ-100, MICH-2000: keine belegte deutsche Fertigung. Palianytsia ist ein ukrainischer Drohnen-Marschflugkörper. Sichen eine ältere Langstreckendrohne. MICH-2000 eine SBU-Waffe mit bis zu 2.000 Kilometern. Fehlt der deutsche Stempel, fehlt er. Vorhanden ist er bei genug anderen Typen.
Eine zweite deutsche Spur steht nicht auf Selenskyjs Liste. Bei München fertigt Auterion Airlogix mit deutschem Geld die Langstreckendrohne Anubis, bis 1.500 Kilometer, Auftragswert rund 300 Millionen Euro.
Pistorius kündigte im Mai in Kiew gemeinsame unbemannte Systeme bis 1.500 Kilometer an. NSATU in Wiesbaden koordiniert Material, Ausbildung und die Finanzierung ukrainischer Firmen, die weitreichende Drohnen herstellen.
Für diese eine Nacht fehlt der öffentliche Beweis, dass deutsche Stellen Ziele in Moskau auswählten oder Koordinaten lieferten. Bewiesen ist etwas anderes: Seit zwei Jahren zahlt, entwickelt und fertigt Deutschland an Systemen mit, die genau solche Schläge möglich machen. Und es sind deutsche Milliarden, die ukrainische Gegenschläge mitfinanzieren.
Moskau liest das als Teil des Krieges. Das Verteidigungsministerium kündigte intensivere Schläge auf militärische Ziele in Kiew an. Das bleibt im alten Muster. Die nächste Stufe muss so nicht bleiben. Sie kann hybrid gegen westliche Unterstützer laufen. Dann hätten deutsche Stellen plötzlich das, was sie bei anderen Anlässen so mühevoll zu einem Angriff auf Deutschland hochziehen – Leipzig ist das Stichwort, das in Berlin jeder kennt.
Witt hat vor Ort gesehen, was Lageberichte oft weglassen. Die Raffinerie brennt. Der Alltag im Zentrum läuft weiter, bis zur Straßenmusik. Die Wahl fand statt. Die Straßen sind voll. Selenskyjs Liste soll trotzdem wirken. Sie sagt: Wir kommen durch. Sie sagt den Partnern: Euer Geld fliegt ins Ziel. Und sie sagt nach Moskau: Seht, wer alles beteiligt ist, wenn wir tief ins russische Hinterland gehen. Kiew will die Unterstützer enger binden und Russland als gemeinsamen Feind festziehen. Ob das Diplomatie unter Druck setzt oder den Ausweg zumacht, entscheidet nicht die Zahl der Drohnen.
Druck braucht jede Verhandlung. Eine Grenze, hinter der noch geredet werden kann, auch. Liutyi finanzieren, Bars bauen, Flamingo in Deutschland denken – das ist keine klassische Verteidigungshilfe mehr. Witt sagt aus Moskau dasselbe kürzer: Es kommt auf die Bedingungen an. Und darauf, ob der Westen ein Ende überhaupt will.
Nach dieser Nacht bleibt deshalb die Frage an Berlin. Nicht nur, wie viele Flugkörper Russland abgefangen hat. Sondern ob die Regierung Merz noch verhandeln will – oder bereits mittendrin ist, den Krieg industriell zu verlängern. Dass Merz nach dem CDU-Desaster in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern nicht zurücktritt, mag ein weiterer Beleg dafür sein, dass er mit Blick auf die Ukraine gar nicht anders kann oder solche Entscheidungen längst nicht mehr in seiner Hand liegen.
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Kommentar von Pete
Merz arbeitet nicht für das deutsche Volk, sondern immer noch für seinen ehemaligen Arbeitgeber Black Rock. solange er Deutschland nicht vollkommen ruiniert hat, indem er viele Firmen in den Konkurs treibt damit es sein Arbeitgeber samt der Patente günstig aufkaufen kann, wird er sich mit Händen und Füssen gegen einen Rücktritt wehren.
Um den Rücktritt hinauszuzögern braucht er den Krieg gegen Russland. Auch wenn er nicht zu gewinnen ist. Deshalb hilft er der Ukraine finanziell und mit Waffen um eine Provokation von Russland zu erreichen bis diese zu einer Reaktion genötigt werden.
Nur so kann er Kanzler bleiben, denn der Druck auf ihn ist Emmens hoch.
Das ist nur meine Meinung wenn ich 1 und 1 zusammenzähle.