Die Nachricht vor knapp einer Woche war eine Überraschung schon allein deshalb, weil sie so plötzlich kam: Der bisherige „Welt“-Chefredakteur Jan Philipp Burgard legte von heute auf morgen sein Amt wegen eines „schweren körperlichen Zwischenfalls“ nieder, den er in einem Flugzeug erlitten habe und der direkte Versorgung benötigte.
Das klingt dramatisch, da sind die Gedanken beim Betroffenen. Menschen in Führungspositionen sind nicht selten einem besonderen Stresslevel ausgesetzt. Burgard war auch Chef der gesamten sogenannten „Premium-Gruppe“ des Medienkonzerns. Dazu zählen die Marken „Welt“, „Politico Deutschland“ und „Business Insider“.
Erstaunlich an dem Fall war zunächst die Geschwindigkeit der Neubesetzung der Führungsstelle Burgards. Kaum musste er im Flugzeug behandelt werden, gerade erst hatte er angekündigt, sich auf seine Gesundheit konzentrieren und seine Position aufgeben zu wollen, war von Springer mit Helge Fuhst bereits ein Nachfolger bestimmt. Fuhst kommt ebenso wie Burgard von den Öffentlich-Rechtlichen. Beide dienten dort unter WDR-Chef Tom Buhrow.
Der „Spiegel“ berichtete am 14. Januar:
„Der bisherige Chefredakteur der ‚Welt‘-Gruppe, Jan Philipp Burgard, legt seine Funktionen mit sofortiger Wirkung aus gesundheitlichen Gründen nieder. Dies teilte Axel Springer ebenfalls mit. In einer internen E-Mail, die dem SPIEGEL vorliegt, erklärte Burgard seinen Rücktritt mit einem ‚schweren körperlichen Zwischenfall‘.“
Nun passierte allerdings Folgendes: Aus dem direkten „Welt“-Umfeld erfuhr Alexander-Wallasch.de noch am Nachmittag der Bekanntgabe des Rücktritts von Burgard von einem mutmaßlichen Vorfall in einer Tiefgarage, der ursächlich gewesen sei für den Rücktritt von Burgard.
Schon am 10. Januar wurde in verschiedenen X-Beiträgen etwa beim grünen Bundestagsabgeordneten Janosch Dahmen der Hashtag #Tiefgarage zum Fall Burgard veröffentlicht. Der bezog sich auf den Schwund prominenter Mitarbeiter bei „Welt“ wie etwa Robin Alexander, der bisher einer neuen konservativen Linie von Burgard zugeschrieben wurde. Und da heißt es raunend bei dem grünen MdB via X:
„Und gibt es gar noch viel unangenehmere Ursachen, warum so viele Journalistinnen und Journalisten WELT verlassen haben? #Springer #Tiefgarage“
Auch die linksradikalen Aktivisten von Correctiv.org sind mit Andeutungen im Gestus eines schmierigen Boulevard-Blatts bereits am 14. Januar via X online gegangen. Hier vornweg die neue Correctiv-Chefredakteurin Anette Dowideit, die in Ermangelung von verifizierten Informationen schwurbelige Andeutungen macht und via X um weitere Details von Informanten bittet, auch sie mit dem Hashtag #tiefgarage:
„Der @welt-Chefredakteur Jan-Philipp Burgard muss gehen. Über die Hintergründe haben wir bei CORRECTIV in den letzten Tagen intensiv recherchiert. Wir halten euch auf dem Laufenden. Wer Zusatzinfos hat, kann sich gern per DM bei mir melden. #tiefgarage“
Der Hintergrund bei Correctiv: Das Portal hatten schon im November 2024 die Personalie Burgard bei Springer kritisiert und daran erinnert, dass der ehemalige WDR-Angestellte bei den Öffentlich-Rechtlichen gegangen sei, weil es zu einer Degradierung wegen mutmaßlicher Belästigung von Mitarbeiterinnen beim WDR gekommen sei.
Correctiv titelt dazu mit Blick auf Julian Reichelts (ehemaliger „Bild“-Chef, heute „Nius“) ehemalige Tätigkeit bei Springer und die Debatte um seinen Abgang: „Was bei Axel Springer kein Karrierehindernis ist“.
Und dann plaudern die Politaktivisten munter drauf los, wie das letzte Schmierenblatt unter dem Ladentisch, versehen mit einer Art Alibi-Vorbemerkung:
„Was wirklich passiert ist, können wir von CORRECTIV mit den Mitteln der Recherche nicht abschließend ermitteln.“
Und dann heißt es unter anderem:
„Dann aber gab es jenen Vorfall, und zwar Mitte 2020. Eine Frau fühlte sich von Burgard bedrängt. Die Betroffene war ebenfalls Journalistin, früher Hospitantin beim WDR, stand jedoch in keinem Abhängigkeitsverhältnis zu Burgard. Der Vorfall soll sich auf offener Straße abgespielt haben, nach einem Abendessen mit anderen Leuten, das bestätigen beide. Es soll ein Flirtversuch von Burgard gewesen sein. Erst danach gehen die Schilderungen laut vertraulichen Dokumenten auseinander. Sie sagt, sie sei bedrängt worden und er habe versucht, sie zu küssen. Er sagt, ja, er habe versucht, sie zu küssen, aber das sei kein Übergriff gewesen, sondern eben ein Flirtversuch.“
Burgard habe den Grund für seinen späteren Wechsel zu Springer nicht bei Springer erwähnt, moniert Correctiv, um gleichzeitig zu erklären, dazu bestehe arbeitsrechtlich auch keine Verpflichtung. Correctiv reicht hier ein strafrechtlich nicht angezeigtes bzw. relevantes und bald fünf Jahre altes Ereignis nach. Die Motivation ist eindeutig: Es geht darum, den bei Correctiv als rechts geltenden Jan Philipp Burgard zu beschädigen.
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Correctiv hatte also schon vor Monaten versucht, Burgard mit einer älteren Geschichte zur Strecke zu bringen. Und erinnerte sich jetzt unter dem Raunen von #Tiefgarage, den das Portal teilweise selbst produziert, wieder an diesen Fall, sah sich offenbar als besonders prädestiniert, die Geschichte fortzuschreiben.
Gestern dann die Eskalation: Keine Geringere als die New York Times nimmt sich des Falls an, das US-amerikanische Interesse ist schon aus Causa Julian Reichelt bekannt. Springer ist seit 2021 Besitzer des in den USA erscheinenden Portals „Politico“.
Die New York Times (NYT) schrieb gestern unter anderem, Springer habe Anfang Januar eine interne Untersuchung gegen Jan Philipp Burgard eingeleitet. Initial sei eine Medienanfrage zu Burgards Verhalten auf einer alkoholreichen Weihnachtsfeier des Unternehmens im Dezember vorausgegangen.
Wieder geht es um einen angeblichen Kussversuch Burgards. Wieder sei Alkohol im Spiel gewesen. Die NYT berichtet weiter, Springer selbst habe Burgard zum Rücktritt aufgefordert. Dann folgte der besagte Rücktritt auch verbunden mit dem von Burgard geschilderten medizinischen Vorfall im Flugzeug. Nun schließt das eine das andere nicht aus. Die existentiellen Folgen der unbestimmten Ereignisse rund um die Weihnachtsfeier können bei Burgard auch schwere gesundheitliche Folgen ausgelöst haben.
Die New York Times hatte sich 2021 schon mit Julian Reichelt beschäftigt. Auch darauf bezieht sich der Burgard-Artikel der NYT und schreibt (übersetzt):
„Die New York Times berichtete 2021, dass Herr Reichelt eine Beziehung zu einer Praktikantin hatte, die während einer unabhängigen rechtlichen Untersuchung aussagte, dass er sie 2018 zu Sex in ein Hotel in der Nähe des Büros bestellt hatte.“
Auch im Fall Burgard hat es keine Strafanzeigen gegeben. Springer folgt hier den internen „Code of Conduct“, wo es unter anderem heißt:
„Wir dulden keine sexuelle, diskriminierende oder andere Form von Belästigung, Mobbing oder Einschüchterungen am Arbeitsplatz – weder durch Äußerungen noch durch andere Verhaltensweisen. Wir treten für ein kollegiales Arbeitsumfeld ein und jeglicher Art von Belästigung entschieden entgegen. Dabei übernehmen wir Verantwortung, indem wir ganz konkret Fehlverhalten ansprechen und uns gegenseitig unterstützen.“
Wer tatsächlich oder vermeintlich gegen diesen Passus verstößt (sexuelle Belästigung, Mobbing, diskriminierende Äußerungen), verstößt damit fast immer zugleich gegen arbeitsvertragliche Nebenpflichten. Das reicht in der Regel für eine verhaltensbedingte Kündigung nach Abmahnung oder bei schweren Fällen auch fristlos. Darüber entscheidet dann die Unternehmensführung intern. Erst via Klageweg kann hier die Rechtmäßigkeit überprüft werden.
Im Raum steht also die Behauptung gegen Burgard, er habe alkoholisiert versucht, eine Kollegin zu küssen, die das nicht wollte. Der Hashtag #tiefgarage deutet zudem darauf hin, dass die Behauptung im Raum steht, dies sei in einer Tiefgarage passiert. Später wird bekannt, dass dort die Disco der Weihnachtsfeier untergebracht war.
Viele bleibt unbestätigt. Es wurde hier nur zusammengefasst, um die Gerüchteküche abzubilden, die sich um diesen Fall geschlungen hat – inklusive der Vernichtungsfantasien von Correctiv.
Aber auch im Fall von Jan Philipp Burgard gilt: Im Zweifel für den Angeklagten. Im selben Maße muss aber auch der Schutz von Frauen insbesondere etwa in Tiefgaragen gewährleistet sein. Tiefgaragen, die in der Regel auch deshalb mit speziellen Frauenparkplätzen nahe der Ausgänge und Kameraüberwachung ausgestattet sind. Aber gilt das auch, wenn dort eine Disco untergebracht wird?
Chefredakteur Jan Philipp Burgard ist bei Springer von seinen Posten zurückgetreten. Damit ist er offenbar einer Entscheidung von Springer zuvorgekommen. Bisher ist nichts über irgendwelche Klagen von einer oder beiden Seiten bekannt.
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Kommentar von winfried Claus
"Sexuelle Belästigung" - ist eine inhaltslose Politphrase! Ein Augenrollen? Ein Nasenwackler? Ein Kompliment?
Das Schöne ist an dieser Phrase ist, das sie nur von Frauen bedient wird. Wann zeigen eigendlich Männer, hässliche Frauen an? Sollten Männer überhaupt in einem Zimmer mit Frauen sitzen? Im Fahrstuhl fahren?
In Schweden ist eine Vergewaltigung schon dann erfolgt, wenn kein Kondom benutzt worden und in einem anderen kleinen Land reicht es schon, wenn ein "Rassendelikt" begangen wurde. Die Beziehunganbahnung wird zerstört, mit politischer Absicht. Es geht nicht um Feminismus sondern um Macht. Zu keiner Zeit gab es eine Männerherrschaft, es war die Herrschaft der Väter und Feminismus will die Herrschaft der (unfähigen) Frauen und nicht der Mütter. Dies wäre dann Matriachat!
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Kommentar von Detlef Piel
Der angebliche "Versuch eines Kusses" als Angriff auf die Sicherheit einer Frau. Da ist er wieder der böse, toxische weiße Mann.
Ähnliches erlebt man heuer beim HSV. 2023 gab es in Spanien nach der Frauenfußball-WM eine Kußaffäre, die keine war.
"Es gilt natürlich die Unschuldsvermutung" Dennoch heizt man die Gerüchteküche vorsorglich schonmal kräftig an.
Der Umstand, daß die verbale sexuelle Nötigung eine Erfindung der Feministen ist um unliebsame Männer entfernen zu können. Man kann verbal nicht belästigt werden, genauso wie man nicht beleidigt wird. Man fühlt sich beleidigt oder belästigt. Das ist aber was komplett anderes. Gefühle haben weder in der Politik, noch in der Justiz etwas zu suchen.
Es gab mal Zeiten, da klärten die Personen sowas unter sich. Das war aber bevor die Linken die Political Correctness erfanden.