Die verspätete „Enthüllung“ eines „Welt-Investigativteams“: Weimer und die 300.000 Euro

Welt „entdeckt“ Weimer-Skandal – fünf Monate nachdem wir ihn aufgedeckt haben

von Alexander Wallasch

Exklusiv? Während Springer den Kopf in den Sand steckte und Weimers Sohn in der Chefetage Kaffee kochte, hatten wir schon alles.© Quelle: Youtube/Weimer Media Group, Screenshot

Ein „WELT-Investigativteam“ feiert sich heute für eine angeblich brandneue Enthüllung zum fragwürdigen Weimer-Deal in Hessen. Die bittere Wahrheit: Alexander-Wallasch.de hatte exakt dieselben Informationen – inklusive der 300.000 Euro – bereits am 27. November 2025 veröffentlicht. Die „Welt“ kommt mal wieder fünf Monate zu spät.

Ein „WELT-Investigativteam“ hat heute eine „exklusive“ Weimer-Enthüllung veröffentlicht – die alexander-wallasch.de allerdings bereits vor knapp einem halben Jahr gebracht hatte. „Welt“ titelte heute: „Hessens fragwürdiger Deal mit der Weimer Media Group“. Dort heißt es, zwei Landesregierungen seien im Zuge der Weimer-Affäre unter Druck geraten.

„Welt“ datiert die Weimer-Affäre auf November 2025. Allerdings hatte Alexander-Wallasch.de bereits im November 2025 eine umfassende Chronologie der Weimer-Affäre samt aller von uns recherchierten Skandale veröffentlicht – beginnend mit den ersten Veröffentlichung Mitte Oktober 2015 und gipfelnd in einer aktuellen Stunde am 12. November 2025 im Deutschen Bundestag. Dort versuchte der CDU-Abgeordnete Pascal Reddig eine Weimer-Verteidigung, indem er unsere Webseite im Plenum diffamierte und Alexander Wallasch als „fünfte Kolonne Moskaus“ zu diskreditieren versuchte.

All das findet bei „Welt“ nicht statt. Die Aufdeckung des Hochstaplers Wolfram Weimer ging an der „Welt“ quasi komplett vorbei. Oder sie ließen es wie drohendes Ungemach einfach an sich vorbeiziehen. Eine der größten Redaktionen des Landes steckte den Kopf in den Sand, während Valentin, der Sohn Weimers als Chief-of-Staff in der Springer/Welt-Chefetage dem Boss den Kaffee servierte – offenbar regelmäßig mit reichlich Schaum obendrauf.

Wolfram Weimer ist ein notorischer Hochstapler. „Welt“ unterschlägt den Skandal und steigt ein halbes Jahr später ein, weil der Redaktion nach Selbstbekunden „nun erstmals mehr als 250 Seiten interne Akten aus der Staatskanzlei in Wiesbaden“ vorliegen würden.

Dazu ist zweierlei zu sagen: Zum einen hat die hessische Staatskanzlei von Ministerpräsident Boris Rhein dahingehende Anfragen der AfD-Fraktion einfach nicht beantwortet oder Antworten verzögert. Zum anderen begibt sich die „Welt“ hier in schwer kontaminiertes Fahrwasser. Denn Springer selbst ist einer der größten Akteure – von bis zu 500 Millionen Umsatz im Jahr ist hier die Rede –, wenn es darum geht, Politikerkontakte zu vermarkten. Dem trägt auch der Artikel Rechnung. Dazu muss man nur zwischen den Zeilen lesen, wen es da fast rechtfertigend für das eigene Tun heißt: „Dass Verlage Konferenzen veranstalten und Tickets für die Vernetzungsevents verkaufen, ist üblich.“

Klar, jede Kritik an Weimer kann hier schnell zum Schuss ins eigene Knie werden. Zudem sind Medien grundsätzlich an guten Kontakten zum Kulturstaatsminister interessiert, das liegt in der Natur der Sache. Hilfreich hier: Wolfram Weimer war selbst einmal zwei Jahre lang Chefredakteur der „Welt“.

Aber was hat das „Investigativteam“ von „Welt“ nun herausgefunden, das in der besagten dicken Akte der hessischen Staatskanzlei stehen soll? Im Kern geht es darum, dass Hessen Weimer nicht nur mit 30.000 Euro gesponsert haben soll, sondern ursprünglich 300.000 Euro im Gespräch gewesen sein sollen. Die „Welt“:

„Doch die Akten zeigen: Die Staatskanzlei von Boris Rhein (CDU) plante sogar lange, rund 300.000 Euro für das Event zur Verfügung zu stellen.“

Schreibt die „Welt“ heute am 26. April 2026 in einem Investigativ-Bericht des „Investigativteams“. Aber was daran soll investigativ, neu oder aufregend sein?

Weiterlesen nach der Werbung >>>

Ihre Unterstützung zählt

Mit PayPal

Alexander-Wallasch.de titelte vor fünf Monaten am 27. November 2025: „Weimer-Wahnsinn ohne Ende: In Hessen waren Dreihunderttausend Euro im Gespräch!“ Wir hatten berichtet, weil die Verflechtungen zwischen der Weimer Media Group und der hessischen Landesregierung Ende November im Wirtschaftsausschuss (WVA) im hessischen Landtag debattiert wurden. Die Sitzung wurde insgesamt weder schriftlich noch mündlich aufgezeichnet. Allerdings gab es eine ganze Reihe schriftlicher Notizen zum öffentlichen Teil der Sitzung, die alexander-wallasch.de schon damals exklusiv vorlagen.

Befragt wurde die Landesregierung damals auch vom Abgeordneten Robert Lambrou (AfD) – 21 Fragen waren von ihm vorab eingereicht worden. Und Robert Lambrou erfuhr damals von Ulf Homeyer, dem Leiter der Abteilung 5 der Staatskanzlei, dass ursprünglich anstatt der Förderung von 30.000 Euro für die Weimer Media Group die zehnfache Summe im Gespräch gewesen sein soll.

Eine Auskunft, welche ein „Investigativteam“ der „Welt“ nun aus einer ihr „exklusiv“ vorliegenden Akte exklusiv herausgefunden haben will. Kurioserweise erwähnt der Artikel den Wirtschaftsausschuss im November sogar. Aber kein Wort zu den 21 Fragen des AfD-Abgeordneten und kein Wort dazu, dass dort die 300.000 Euro längst erwähnt wurden.Alexander-Wallasch.de schrieb damals:

„Warum die Zahlung von 300.000 Euro am Ende nicht zustande kam, konnte die Befragung nicht endgültig klären. Begründet wurde es von Homeyer/Abteilung 5 damit, dass man ein internationales Großevent zeitlich nicht mehr in trockene Tücher bringen konnte.“

Aber was sagt das nun über dieses „Welt“-Team, wenn Alexander Wallasch an seinem Schreibtisch im Büro seiner Privatwohnung längst veröffentlicht hat, was „Welt“ fünf Monate später investigativ herausgefunden haben will – zudem auf Basis von exklusiv erhaltenen Akten?

Ob Drohnen oder die Vermarktung von Kontakten zu Politikern. Wenn man überall die Finger mit drin haben will, überall Kohle abbauen will, dann entstehen Interessenlagen, die eine Nachricht am Ende um Monate zurückhalten, die dann aber trotzdem als Exklusivmeldung verkauft wird. Merkt ja keiner. Wir haben es bemerkt.

Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) als Schirmherr für Weimer

Ausschnitt aus YouTube/Weimer Media Group

Ihre Unterstützung zählt

Mit PayPal

Einen Kommentar schreiben

Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen. Aufgrund von zunehmendem SPAM ist eine Anmeldung erforderlich. Wir bitten dies zu entschuldigen.