Trump feierte die Öffnung als großen Erfolg. Teheran drehte um – Ein schnelles Hin und Her im Öl-Nadelöhr der Welt

Wer führt hier wen vor? Iran öffnet die Straße von Hormus – und sperrt sie 24 Stunden später wieder

von Alexander Wallasch (Kommentare: 1)

Wer spielt hier mit wem Katz und Maus?© Quelle: Wikipedia/Iran_relief_location_map.jpg, Pixabay/TheDigitalArtist, Montage: Wallasch

Während Trump-Anhänger in Europa noch den strategischen Meisterstreich lobten, nahm der Iran die kurzzeitige Öffnung der Straße von Hormus bereits zurück. Was als Sieg gefeiert wurde, ist schon am nächsten Tag wieder Eskalation. Eine Chronologie des jüngsten Desasters.

Für oder gegen Trumps und Netanjahus Iran-Desaster: Beide Seiten haben offenbar vergessen, dass die Sperrung der Straße von Hormus nicht der Grund für den Angriff gegen den Iran war. Vor den Bombardierungen bestimmter Ziele im Iran war die Straße von Hormus offen.

Der US-israelische Krieg gegen den Iran begann am 28. Februar 2026 mit Luftangriffen auf iranische Ziele. Die Straße von Hormus ist das wichtigste Nadelöhr der Weltwirtschaft: Hier laufen normalerweise etwa 20 Prozent der globalen Ölversorgung und ein Fünftel des Gas-LNG-Handels durch.

In Zahlen sind das 95 bis 130 Schiffe pro Tag, darunter ca. 55–60 Öltanker täglich. Das entspricht einem jährlichen Volumen von über 30.000 Tankern und rund 20 Millionen Barrel Rohöl pro Tag. Der Verkehr lief bis zum Angriff weitgehend unbehelligt.

Zwischen 28. Februar und 12. April passierten nur 279 Schiffe die Meerenge – statt der üblichen ca. 4.000–5.000 im gleichen Zeitraum. Hunderte Tanker steckten fest, viele Kapitäne drehten um oder warteten außerhalb.

Ab Ende Februar dieses Jahres hatte Iran die Straße teilweise „geschlossen“ erklärt. Trump drohte deswegen mehrmals mit massiven Vergeltungsschlägen, falls die Straße nicht geöffnet wird. Es gab mehrere verlängerte Ultimaten.

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Nach gescheiterten Friedensgesprächen etwa im pakistanischen Islamabad kündigte Präsident Trump Mitte April an, dass die US-Navy selbst eine Blockade der Straße von Hormus durchsetzen wird. Das geplante Ziel: Schiffe von und zu iranischen Häfen stoppen, um die Blockade als Irans Druckmittel zu neutralisieren und Teheran damit zu Zugeständnissen beim Atomprogramm zu zwingen.

Die iranische Führung hat gestern reagiert und die Straße von Hormus für „vollständig offen“ für den kommerziellen Verkehr erklärt. US-Präsident Trump begrüßte das und schrieb: Die Straße sei „completely open and ready for business“.

Aber Trump bestand weiter auf einer Blockade iranischer Schiffe und Häfen.Zu diesem Zeitpunkt freuten sich noch Trump-Anhänger auch in Europa, hier zwei stellvertretende Wortmeldungen via X von den beiden Bestseller-Autoren RA Joachim Steinhöfel und Matthias Matussek.

https://x.com/Steinhoefel/status/2045212177817096266
https://x.com/mmatussek/status/2045162777749119248

Und heute – keinen Tag später – haben die Iraner die Straße von Hormus wieder gesperrt (https://www.tagesschau.de/ausland/asien/iran-hormus-schliessung-100.html) – oder genauer: Sie haben die kurzzeitige Öffnung vom Vortag wieder zurückgenommen und die strenge Kontrolle durch die iranischen Streitkräfte wiederhergestellt.

Begründung: Die USA hätten ihre Blockade iranischer Häfen und Schiffe nicht aufgehoben. Solange die US-Blockade andauere, bleibe die Straße unter „strenger Aufsicht“ der iranischen Armee und sei faktisch nicht frei passierbar. Schiffe brauchen wieder iranische Genehmigung, viele haben bereits kehrtgemacht.

Erwähnenswert an diesem Hin und Her ist noch eine weitere Überlegung von Donald Trump. Anfang April, als die erste Waffenruhe galt und Verhandlungen liefen, hatte der US-Präsident in einem Interview mit ABC News sinngemäß gesagt:

„Wir überlegen, das als Joint Venture mit ihnen zu machen. Das ist eine Möglichkeit, das Projekt abzusichern – auch vor vielen anderen Interessenten. Das ist eine wunderbare Sache.“

Gemeint war, die Straße von Hormus gemeinsam mit den Iranern zu kontrollieren und pro Schiff Millionen Dollar Gebühren zu nehmen – eine Art moderne Piraterie auf Staatsebene. Trump sah darin eine Win-Win-Situation. Statt reiner Konfrontation wollte er aus der Krise ein Geschäft machen, bei dem die USA mitverdienen und gleichzeitig Druck auf Iran ausüben.

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