Am Nachmittag am Brandenburger Tor lief die Kundgebung der Initiative „Gen Z regelt“ weitgehend so ab, wie angekündigt: friedlich. Die Polizei zählte in der Spitze rund 5.000 Teilnehmer.
Schüler, Azubis und Studierende forderten mehr Geld für Schulen, Maßnahmen gegen steigende Lebenshaltungskosten, soziale Gerechtigkeit und Klimaschutz – sie lehnten Wehrpflicht und mehr Überwachung ab.
Wir waren vor Ort: Außenreporter Gregor Leip filmte viele Jugendliche mit ihren selbstgemalten Schildern, Halloween-Kostümen und Forderungen nach einer lebenswerten Zukunft.
Dann kam der Abend. Am Rosenthaler Platz startete um 17:30 Uhr die Demonstration „Gen Z hat genug!“. Ursprünglich waren nur 500 angemeldet worden. Der Zug wuchs dann aber rasch auf einige tausend Teilnehmer.
„Jugend, Zukunft, Sozialismus“ und „Ganz Berlin hasst die Polizei“ – auch die Slogans klangen hier schon ganz anders, als am Brandenburger Tor.
Mitorganisiert wurde das von Young Struggle, der Jugendorganisation der türkischen Marxistisch-Leninistischen Kommunistischen Partei (MLKP), die der Verfassungsschutz als linksextremistisch beobachtet und der Roten Jugend, ebenfalls im Visier der Schlapphüte.
Vor Ort zeigte sich dann eine überrascht funktionale Abstimmung der Organisatoren mit der Polizei an der Spitze des Zuges. Die Polizei stoppte den Zug vorzeitig in Absprache mit dem Veranstalter. Das spricht zunächst für erfahrene, handlungsfähige Strukturen hinter der Anmeldung – Strukturen, die Versammlungsrecht beherrschen und in der Lage sind, den Ablauf zu steuern und bei Eskalation wieder herunterzufahren.
Trotzdem gab es Verletzte bei den Einsatzkräften und viele Festnahmen. Palästina-Flaggen, Antifa-Parolen, Pyrotechnik, Flaschen- und Eierwürfe prägten das Bild.
Weiterlesen nach der Werbung >>>
Ihre Unterstützung zählt
Die offizielle Initiative „Gen Z regelt“ hatte sich im Vorfeld klar distanziert: Die Kundgebung am Brandenburger Tor sei die ihre, der Abendzug hingegen nicht. Aber Flyer für den Abendzug wurden auch am Nachmittag am Brandenburger Tor verteilt.
Bereits im Vorfeld hatte die taz über die Beteiligung linksradikaler Gruppen an der Mobilisierung berichtet. Neben „Sozialismus von unten“ und „Kommunistischer Aufbau“ wurde auch Young Struggle genannt. Aber die Leitmedien und die Öffentlich-Rechtlichen scheint das bis dato nicht zu interessieren.
Struggle (YS) ist die 2010 gegründete, europaweit aktive sozialistische und internationalistische Jugendorganisation der türkischen Marxistisch-Leninistischen Kommunistischen Partei (MLKP). Der Verfassungsschutz ordnet sie dem linksextremistischen Spektrum zu.
Die Gruppe ist besonders aktiv in antifaschistischen, antiimperialistischen und propalästinensischen Kontexten und nutzt Themen wie Nahost-Konflikt, Militarisierung oder Wehrpflicht zur Mobilisierung – auch von Jugendlichen ohne Migrationshintergrund.
Auf Flyern zur Abenddemo tauchte der Benutzername von Young Struggle Berlin (Süd/Nord) auf. Auch eine Verantwortliche im Sinne des Presserechts wurde genannt – eine rechtliche Pflicht für Druckschriften. Es bezeichnet nicht automatisch den Anmelder der Versammlung.
Die offizielle „Gen Z regelt“-Bewegung trifft hier also auf bestehende Strukturen aus dem linksradikalen und antiimperialistischen Spektrum, die seit Monaten zu Themen wie Wehrpflicht mobilisieren. Ein Vorbereitungstreffen Mitte Oktober in Berlin – unter anderem mit Neuköllner Jugendorganisation der Linken, im Gebäude der Jungen Welt – zeigt die Schnittstellen.
Wir waren vor Ort und haben beide Veranstaltungen gesehen. Der Unterschied zwischen dem friedlichen Nachmittag und dem Abendzug war nicht nur die Beleuchtung. Er lag auch an den Akteuren. Am Abend hatte Young Struggle eine entscheidende Rolle bei der Mobilisierung und Prägung der Demonstration. Und wir haben die Bilder.
Einen Kommentar schreiben
Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen. Aufgrund von zunehmendem SPAM ist eine Anmeldung erforderlich. Wir bitten dies zu entschuldigen.
Zur Anmeldung