Große Aufregung: Katar hat als Großaktionär bei Volkswagen sein Veto eingelegt gegen eine Zusammenarbeit von Volkswagen mit Rüstungsindustrie mit einem israelischen Staatsunternehmen der Rüstungsindustrie.
„Bild“ kommentiert: „Anti-Israel bedroht deutsche Arbeitsplätze“. Und die ebenfalls zu Springer gehörende „Welt“ ergänzt:
„Nun steht der Deal offenbar auf der Kippe: Denn Großaktionär Katar ist offenbar nicht willens, eine Kooperation oder ein Joint Venture mit einem israelischen Unternehmen zu billigen.“
Vorab kurz betrachtet, was Katar überhaupt mit dem schlingernden Autogiganten (VW, Audi, Porsche usw.) zu tun hat: Die Verbindung besteht seit über 15 Jahren als strategische Finanzbeteiligung eines Staatsfonds – typisch für Katar, das auch bei anderen großen Konzernen investiert. Qatar Investment Authority (QIA) ist ein Staatsfonds Katars. Er gehört zu 100 Prozent dem Staat Katar und wird direkt vom Emir Scheich Tamim bin Hamad Al Thani kontrolliert.
Die Übernahme von 17 Prozent der Stimmrechte über Aktienkäufe wurde nach Prüfung verschiedener deutscher Behörden 2009 genehmigt und in den Medien breit diskutiert. Die Berichterstattung war vergleichbar mit anderen großen Golf-Investments der Zeit – z. B. in Daimler oder andere DAX-Konzerne. Es war kein Skandal, aber ein großes Wirtschaftsthema.
So zitierte die „Zeit“ im Juli 2009 den damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff: „Wir gehen davon aus, dass Qatar 17 Prozent der Aktien von Volkswagen übernehmen wird“. Hauptkritikpunkte waren der Staatskapitalismus von Katar, der damit bei Volkswagen Einzug hielt.
Aber auch der generelle Ausverkauf der deutschen Industrie. Der „Spiegel“ fragte: Wie abhängig wollen wir uns machen? Katar soll mit den Folgen von Dieselgate mehrere Milliarden Euro verloren haben, aber auch etliche Milliarden an Dividenden erhalten haben – etwa 3,3 Milliarden Euro bis 2023.
Insgesamt soll die Beteiligung an Volkswagen aber nicht zu den lukrativsten Investitionen Katars gehören.
Unter dem Strich kann man sagen, das Engagement Katars bei Volkswagen war damals ein Glücksfall für das Unternehmen, insbesondere mit Blick auf die komplizierte und erfolgreiche Teilfusion von Volkswagen und Porsche. Aber was gewinnt Katar, wenn es jetzt den Deal mit dem israelischen Rüstungskonzern bei Volkswagen verhindert?
Sicherlich geht es auch um ideologische Beweggründe, um die Rolle Katars in der Israel gegenüber feindlich aufgestellten arabischen Welt. Katar gilt als einer der Schutzmächte der Hamas. Wer Katars Haltung jetzt kritisiert, der muss sich fragen, wie es vor 15 Jahren möglich war, dass ein Feind Israels überhaupt in einen deutschen Konzern einsteigen konnte.
Andererseits war Katar lange Vermittler für Israel hin zur Hamas. Es ist kompliziert. Das kleine Emirat am Golf spielt seit Beginn des Gaza-Krieges eine große Rolle: Zusammen mit Ägypten vermittelt es zwischen der Hamas und Israel, „als Hauptstrippenzieher bei den indirekten Gesprächen“. Nicht vergessen hat Katar allerdings den Angriff der Israelis auf Doha, wo Hamas-Büros zerstört wurden. Israelische Kampfjets bombardierten ein Wohngebäude im Diplomaten- und Luxusviertel West Bay Lagoon, in dem sich zu diesem Zeitpunkt ranghohe Hamas-Vertreter aufhielten.
Jetzt also das Veto gegen eine Zusammenarbeit von Volkswagen mit Rafael Advanced Defense Systems, einen Player der israelischen Rüstungsindustrie.
Hier haben die deutschen Medien breit herausgestellt, dass das Unternehmen Hersteller der Iron Domes sei, die Israel vor Raketenangriffen schützen. Aber Rafael ist alles andere als ein reines Defence-Unternehmen. Hier werden in etwa zu gleichen Anteilen auch offensive Waffen hergestellt.
Was in der jüngeren Debatte um diese Zusammenarbeit oft vergessen wird: Volkswagen agiert hier aus der Not heraus. Denn nicht nur Dieselgate hat Volkswagen an die Klippe geführt, hinzu kam das suizidale Werk des Volkswagen-Chefs Herbert Diess, der für massive Absatzrückgänge steht – von ca. 11 Mio. Fahrzeugen 2019 auf deutlich unter 9 Mio. in den Folgejahren. Und das nicht zuletzt als Folge der einseitigen Fokussierung auf E-Mobilität, während der Verbrenner-Markt – vor allem in China und den USA – noch stark war.
„Make America great again“ ist – wir spitzen es hier zu – auch das Werk von Diess über den Atlantik hinweg. Und Diess’ Politik hat Volkswagen zudem vor allem in China geschwächt. Jetzt blockiert Katar den Rüstungsdeal. Medien sehen die Rettung von bis zu 2000 Jobs gefährdet.
Aber was für eine Rettung soll das sein? Retten, indem die industrielle Substanz eines Autobauers final ausgeschlachtet wird mit dem Ziel eines Ausbaus der Rüstungsindustrie? Volkswagen weckt längst unterschiedlichste Begehrlichkeiten mit Blick auf den Ukrainekrieg. Die Zusammenarbeit mit dem israelischen Iron-Dome-Hersteller wäre hier das ideale Einfallstor nach dem Motto: Der Schutz der israelischen Bevölkerung ist doch ein guter Sterbebegleiter für Volkswagen.
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Kanzlerin Merkel erklärte im März 2008 vor der Knesset in Jerusalem wörtlich:
„Diese historische Verantwortung Deutschlands ist Teil der Staatsräson meines Landes. Das heißt, die Sicherheit Israels ist für mich als deutsche Bundeskanzlerin niemals verhandelbar.“
Nun folgt offenbar so etwas wie eine Staatsräson des Volkswagen-Großaktionärs Katar für die Sache der Palästinenser bzw. der Hamas-Terroristen. Kann man das gegeneinander ausspielen? Man kann alles. Aber wenn es das Ziel war, Volkswagen mit dem trojanischen Pferd aus Israel zur Waffenschmiede gegen Russland umzubauen, dann müsste der Protest der Gewerkschaften und Betriebsräte bei Volkswagen noch viel lauter sein.
Zudem hat bisher noch kaum jemand darüber nachgedacht, wem diese Zusammenarbeit wirklich nutzt. Ist es eine Win-Win-Situation oder nur ein Einfallstor der israelischen Rüstungsindustrie hin zu einer Teilhabe an der Aufrüstung gegen Russland? Die ersten Iron Dome für Deutschland sind schon für Milliarden bestellt. Und um dem Steuerzahler diese Bestellung zu verkaufen, muss eine Bedrohung durch Russland erklärt werden. Also werden herumfliegende russische Drohnen behauptet. Die gab es allerdings bisher nicht.
Aber wie lange noch? Nimmt man nämlich die neueröffneten großen Drohnenproduzenten etwa in Berlin und München, dann muss man nicht viel Fantasie aufwenden, um der Bevölkerung eine Bedrohung zu erklären.
Volkswagen unternimmt hier den Versuch, einen schwer angeschlagenen Automobilkonzern in die Verteidigungsproduktion zu bringen – im Kontext der Zeitenwende und des deutschen Sky-Shield-Programms. Deutschland rüstet Luftabwehr massiv auf und Israel hat hier einen Technologie-Vorsprung.
Das alles lässt sich ganz nüchtern zusammenfassen, man muss hier nicht einmal irgendwelchen Weltplan-Verschwörungstheorien folgen:
Volkswagen wurde unter dem Druck insbesondere der Ampel-Regierung unter Volkswagen-Chef Herbert Diess zu einem Produzenten großer Teilmengen von E-Autos. Nach dem Dieselgate-Desaster führte dieses E-Abenteuer einen Weltkonzern an die Klippe, zehntausende sollen entlassen, Werke geschlossen werden.
Und in dieser düsteren Stunde soll Volkswagen nun einen Deal mit dem Teufel eingehen. Nein, damit ist nicht Israel gemeint, sondern die Rüstungsindustrie insgesamt und jene Kräfte hinter Friedrich Merz, die eine Festigung einer Schicksalsgemeinschaft Deutschlands mit der Ukraine anstreben und sich in letzter Konsequenz aus einem großen Krieg mit Russland einen wirtschaftlichen Aufschwung für die deutsche Industrie samt Autoindustrie erhoffen.
The next big war make Germany great again? Das darf niemals passieren! Katar erweist sich hier als Glücksfall. Auch wenn die Beweggründe für das Veto gegen das trojanische Pferd der israelischen Rüstungsindustrie von Katar andere, hier bereits ausführlich genannte Beweggründe hat.
Aber wenn hier schon historische Motive und Verantwortungen herangezogen werden sollen, dann bitteschön auch diese: Volkswagen wurde schon wenige Jahre nach seiner Gründung unter Adolf Hitler „Kriegsmusterbetrieb“. Wehrmacht und SS zogen mit über 60.000 Kübelwagen durch Europa und Afrika. Kurz gesagt: Volkswagen war von Anfang an ein NS-Projekt, das im Krieg nahtlos zur wichtigen Rüstungsschmiede wurde.
Und wenn es für jeden deutschen Bundeskanzler eine Staatsräson für Israel gibt, dann muss Volkswagen jetzt sofort zur Räson kommen oder gebracht werden: Nie wieder! Katar gebührt hier ohne jeden Zweifel Dank. Aber er sollte nur eingeschränkt laut ausgesprochen werden, denn die Entscheidung basiert womöglich auf antisemitischen Beweggründen.
Aber Katar ist nun mal in diese Rolle bei Volkswagen gebracht worden. Und wenn auf diese Weise eine Rüstungsschmiede Volkswagen verhindert werden kann, dann soll es so sein. Oder wie ein arabische Sprichwort sagt: Ma ala l-karim tisharrit – Stelle keine Forderungen an einen großzügigen Mann.
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