Sascha Rauschenberger und Gregor Leip berichten für Alexander-Wallasch.de aus Köln und Berlin

Zehntausend Berliner Jugendliche demonstrieren gegen Merz und für Palästina und Sozialismus

von Alexander Wallasch

WallaschVorOrt in Köln und Berlin: Noch fehlt der Funken, der alles zum Explodieren bringt© Quelle: Gregor Leip

In Köln sortiert sich die Polizei erst, während Pyro gezündet wird und die Wasserwerfer laufen. In Berlin am Brandenburger Tor sammeln sich mit Einbruch der Dunkelheit Zehntausend – überwiegend Schüler und Jugendliche, die gegen Merz und für Palästina skandieren. Gregor Leip und Sascha Rauschenberger sind für uns vor Ort und beschreiben, warum es hier noch gesitteter zugeht als in Paris – und warum das Fass trotzdem nur noch wenig braucht, um überzulaufen.

Gregor Leip schätzte, dass sich mit Einbruch der Dunkelheit bestimmt an die 10.000 Leute an einer Stelle positioniert hatten. Er beobachtete den Vorbeimarsch und versuchte, eine Zahl zu finden – waren es 8.000 oder doch 15.000? Genau weiß man es nicht. Auf jeden Fall kam es auch zu Körperkontakt. Die Polizei setzte Fäuste ein. Dabei war es egal, ob es ein Mädchen, ein Junge, eine Frau oder ein Mann war – sie wurden weggewischt, damit etwas Ordnung reinkommt.

Man könnte sagen: Mit Paris kein Vergleich. Darum geht es ja. Deutschland und die deutschen Jugendlichen wollen zeigen, was sie können. Sie wollen zeigen, dass sie auch ein bisschen Paris sind. Dafür braucht es allerdings die entsprechenden Milieus. Die gibt es hier in dieser Stärke noch nicht. Deshalb war es doch irgendwie gesitteter – viel Pyro, etwa so, als wenn Eintracht Braunschweig gegen Hannover spielt und die Randale verzehnfacht wird. Trotzdem war es, wenn man die Polizeieinsätze anschaut, nicht an jeder Stelle unter Kontrolle. Man hat das Gefühl, es fehlt nur noch wenig – etwas mehr Aufregung, vielleicht ein bisschen mehr Armut oder fehlende Zukunftsperspektiven, drohender Krieg, was auch immer –, um das Fass hier zum Explodieren zu bringen.

Wenn man weiß, wie die Polizei in Berlin sowieso schon unter Beobachtung steht, wie jeder Beamte nach seiner politischen Grundhaltung durchleuchtet wird, wie hier häufiger Deeskalationsseminare stattfinden als Schießtraining und direkter Körperkontakt, dann kann man sich ungefähr vorstellen, was mit diesen Leuten im Einsatz passiert und wer dann überhaupt noch Lust hat, hier in irgendeiner Form aktiv zu werden.

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Wir waren heute an zwei Standorten im Einsatz. In Köln berichtete Sascha Rauschenberger für uns, lieferte die Bilder und schätzte die Lage ein. In Berlin war Gregor Leip wie immer für Alexander-Wallasch.de unterwegs. Wir haben mit Köln begonnen.

In Köln gab es zunächst Sortierungsprobleme. Die Polizei wusste nicht recht, wo es langgehen sollte. Die Hundertschaften mussten sich erst noch formieren. Rechts der Rhein, links die Polizei, davor mehrere Tausend Demonstranten. Es gab ordnende Schwierigkeiten. Die Polizei musste erst Raum schaffen, damit die Demonstration gesittet ablaufen konnte. Vom Rheinufer kamen weitere Demonstranten dazu, dann wurde Pyro gezündet. In Köln setzt man in solchen Situationen gleich die Wasserwerfer ein, um Brände und Ähnliches zu verhindern. Man hält einfach für den Moment drauf. Sascha Rauschenberger hatte alles im Bild.

Anschließend schalteten wir direkt nach Berlin zum Brandenburger Tor. Dort war noch alles ruhig. Gregor Leip berichtete von etwa 80 Prozent Jugendlichen, dazu ein paar solidarische Ältere und vereinzelt Migranten, die noch etwas sondierten und schüchtern schauten, was hier eigentlich los ist.

Schüler skandierten auf der Bühne für Palästina, für den Klimaschutz und gegen Merz – den „eierlosen Merz“, wie es immer wieder heißt. Merz ist offensichtlich eines der großen Hassobjekte, auch auf den Plakaten und Bannern, die gezeigt werden. Es wurde dunkel, die Dämmerung setzte ein. Eine weitere Demonstration war angemeldet, die in Richtung Prenzlauer Berg zieht – keine stehende, sondern eine ziehende Kundgebung. Angemeldet waren nur 500 Personen. Hier sammelte sich jedoch alles, was irgendwie Hoffnung auf Randale hatte.

Es waren tatsächlich überwiegend Jugendliche und nicht, wie oft behauptet wird, Ältere. Es handelte sich größtenteils um Schüler, Jugendliche und junge Leute. Wer glaubt, es wären überwiegend Migranten, die hier randalieren, irrt. Es entspricht einfach dem üblichen Anteil von Migration und Migrationshintergrund in dieser Altersklasse – der in Berlin bald die 50-Prozent-Marke erreicht. Sie sind gemeinsam auf der Straße. Es braucht nur wenige Anführer, die skandieren: „Jugend, Zukunft, Sozialismus.“ Es gibt hier Opinion Leader, die offensichtlich von der Linkspartei instruiert, unterstützt und finanziert werden. Die Linkspartei ist in Berlin die stärkste Partei geworden; ihr Vorbild ist auf der Straße unterwegs und organisiert offenbar die Krawalle.

Die Palästinaflaggen haben die Regenbogenfahnen mittlerweile deutlich überholt. Deutsche Fahnen sind naturgemäß überhaupt nicht zu sehen. Dann passierte, was passieren musste: Der Block lief vorneweg – das kennt man schon von den G20-Ausschreitungen in Hamburg. Dahinter formierten sich diejenigen, die einfach folgen, die Randale wollen, etwas erleben und sehen wollen, die zeigen wollen, dass sie nicht einverstanden sind, und die ihre Protest Haltung auf die Straße tragen – oder einfach nur Spaß haben und etwas erleben wollen.

(Quelle:Leip/Rauschenberger)
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