Corona und Migration – toxischer Cocktail häuslicher Gewalt gegen Frauen

Zwei Drittel aller Frauen in Frauenhäusern mit Migrationshintergrund

von Alexander Wallasch

Es grenzt an doppelter Arbeitsverweigerung der Politik, Gewalt gegen Frauen allein geschlechtsspezifisch abzuhandeln und die Corona-Lockdowns und noch viel öfter die Migrationsproblematik unter den Tisch fallen zu lassen.© Quelle: Freepik.com / reezky11

Zu glauben, die Zunahme häuslicher Gewalt hätte alleine etwas mit den Corona-Maßnahmen zu tun, greift zu kurz. Denn dabei unterschlägt man eine Hauptursache für Übergriffe gegen Frauen und Kinder. Eine Steigerung gab es nämlich schon vor Corona aus ganz anderen Gründen. Aber dazu gleich mehr.

Vorab eine Bestandsaufnahme. Welt am Sonntag (WamS) berichtet aktuell unter Berufung auf Innenministerien und Kriminalämter der Bundesländer, dass die Behörden 2021 „161.000 Opfer von Gewalt durch Partner oder Ex-Partner registriert“ hätten. Das entspräche, heißt es weiter, einem Anstieg um 1,3 Prozent. Also um zusätzliche knapp 2.000 Vorfälle.

Das sind weit über 400 Fälle pro Tag im gesamten Bundesgebiet. Und hier nur solche Fälle, bei denen die Polizei involviert war. Die Dunkelziffer ist in diesem Deliktfeld besonders hoch, weil sich die meisten Opfer nicht trauen, Anzeige zu erstatten.

Das ZDF berichtet, dass nach Auskunft der Opferhilfe „Weißer Ring“ schon 2020 gegenüber dem Vorjahr die Beratungsfälle bei häuslicher Gewalt um 10 Prozent angestiegen seien.

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Der WamS zufolge ist die Gewalt beispielsweise in Thüringen um 24 Prozent, in Niedersachsen um 12,9 Prozent und in Bremen um 9,1 Prozent angewachsen. Insgesamt acht Bundesländer meldeten steigende Zahlen.

Der öffentlich-rechtliche Sender ZDF zitiert die neue Bundesfamilienministerin Lisa Paus, die jetzt versprochen hat, aus Bundesmitteln 120 Millionen Euro mehr in die Hand zu nehmen für den Ausbau von Beratungsstellen und Frauenhäusern.

Und damit sind wir zurück beim eingangs erwähnten Grund für häusliche Gewalt, der nicht auf die Pandemie zurückzuführen ist und in diesen Debatten oft ausgeklammert wird: häusliche Gewalt innerhalb von Familien zugewanderter Migranten und solchen mit Migrationshintergrund.

Ein Blick in die deutschen Frauenhäuser offenbart, dass häusliche Gewalt überproportional bei Familien eine Rolle spielt, die dem muslimischen Kulturkreis entstammen.

Ein Migrationsmagazin, das nicht unter dem Verdacht steht, ausländerfeindlich zu sein, titelte schon 2020: „Zwei von drei Frauen in Frauenhäusern sind Migrantinnen“. Aber das ist nur die Spitze des Eisbergs, denn beispielsweise deutsche Frauen mit Partnern mit Migrationshintergrund wurden hier gar nicht mitgezählt.

Das Magazin erklärt mit Blick auf die Frauen mit Migrationshintergrund, dass diese „nicht über die gleichen sozialen Netzwerke und Ressourcen für alternative Möglichkeiten verfügten“, wie deutsche Frauen. Aber das macht die häusliche Gewalt deshalb nicht ungeschehen.

Wer sich nicht an eine Kritik an der muslimischen Kultur als eine ausschlaggebende Größe für häusliche Gewalt heranwagt, der fischt weiter im Trüben zum Schaden dieser Frauen. Hier muss eine schonungslose Benennung der Ursachen stehen, um diesem Wahnsinn entschlossener, als es im Moment geschieht, entgegenzutreten. Wer stattdessen alles daran setzt, diese Gewalt zu relativieren, indem Männer per se als gewalttätig beschrieben werden, der vergeht sich gewissermaßen ein zweites Mal an den Frauen.

Es grenzt an doppelter Arbeitsverweigerung im Familienministerium bzw. bei der Bundesregierung, die Gewalt gegen Frauen nur geschlechtsspezifisch abzuhandeln, aber die Corona-Lockdowns und noch viel öfter die Migrationsproblematik unter den Tisch fallen zu lassen, weil man hier fürchtet, Corona-Maßnahmenkritikern beziehungsweise Migrationskritikern in die Hände zu arbeiten.

Nordrhein-Westfalens Familienminister Joachim Stamp (FDP) findet die Zahlen „erschütternd“, aber um wie viel erschütternder ist es wohl für die betroffenen Frauen, wenn der kulturelle Hintergrund einfach nicht wahrgenommen wird? Stattdessen entwickelt das Ministerium von Stamp eine „Tarn-App“, die Hilfesuche erleichtern soll, falls die Handys der betroffenen Frauen kontrolliert werden.

Eine Tarn-App? Und hier verrät bereits die Sprachauswahl, an wen sich diese App insbesondere richtet: Die Inhalte sind auch in Türkisch, Arabisch, Ukrainisch und Russisch verfügbar.

Ein von alexander-wallasch.de befragter, in diesem Bereich tätiger Polizist sieht im Alltag allerdings überwiegend deutsche Täter. Die Dunkelziffer sei hier bei Migration wohl noch einmal deutlich höher, als es der überproportionale Anteil sowieso schon ist.

Also sprechen wir mit einer Berliner Mitarbeiterin der Ersten Hilfe, die geschult ist, gerade solche Fälle zu erkennen, die nicht immer zur Anzeige gebracht werden, aber in den Notaufnahmen landen und beispielsweise erklären, gestolpert oder gegen eine Wand gelaufen zu sein. Der Mitarbeiterin steht ein gerichtsverwertbarer Dokumentationsbogen zur Verfügung, der entsprechend ausgefüllt und archiviert wird, bis es zur Anzeige kommt.

Was sie dabei in den letzten Jahren zu sehen bekommen hat, ist eine Zunahme von häuslicher Gewalt insbesondere unter den Lockdowns. Und hier besteht sie darauf, nicht alleine von Gewalt gegen Frauen zu sprechen. Was bei ihr in der Notaufnahme landet, sind zwar mehrheitlich Frauen, aber auch Kinder und zunehmend Alte und Behinderte.

Und was hier ganz oft vergessen wird: Gewalterfahrung führt mitunter auch zu Autoaggression oder zu einer Gewaltspirale, wenn die Opfer selbst zu Tätern werden, weil die Psyche schon so verletzt ist. Des Weiteren kommt auch Gewalt zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern seltener zur Anzeige, ebenso wie solche von Frauen gegen Männer.

Das niedersächsische Gesundheitsministerium erzählt etwas über die hohe Dunkelziffer der Gewalt gegen Frauen:

„Migrantinnen werden nicht nur Opfer von Misshandlung, sondern zum Teil ergeben sich auch kulturelle und rechtliche Barrieren bei der Suche nach Hilfe. Ein Teil der Frauen lebt in Deutschland völlig isoliert vom deutschen Umfeld; sprachliche Schwierigkeiten behindern ihre Suche nach Information und Hilfe. Durch negative Erfahrungen in ihrem Heimatland kann ihnen auch das Vertrauen zu Polizei und Gerichten fehlen.“

Besonders tragisch und ein weiterer Grund für die hohe Dunkelziffer häuslicher Gewalt gegen Migrantinnen:

„Für Nicht-EU-Bürgerinnen kann die Trennung von ihrem Mann wegen häuslicher Gewalt besondere Probleme bedeuten, denn häufig haben sie kein eigenständiges Aufenthaltsrecht.“

Fazit:

Eine Zunahme häuslicher Gewalt insbesondere gegen Frauen ist während der Corona-Maßnahmen und Lockdowns unstrittig. Aber die Lockdowns dürfen nicht als Alibi gelten, insbesondere bei Gewalt gegen Frauen mit Migrationshintergrund. Denn hier spielt der muslimisch-kulturelle Hintergrund eine viel wesentlichere Rolle als die Lockdown-Erfahrung, wie unter anderem die Belegzahlen der Frauenhäuser zeigen.

Ein besonderes Augenmerk bei der Verhinderung häuslicher Gewalt muss zukünftig besonders auch auf Alte und Behinderte gerichtet sein, die sich von allen betroffenen Gruppen am wenigsten gegen diese Gewalt zur Wehr setzen können.

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