Eine Maske tragende Pflegekraft wird plötzlich abgemahnt – Die gleiche Einrichtung, die früher Maskenverweigerer drangsalierte

Caritas Krefeld vollkommen gaga: Erst Zwang zur Maske, dann Jagd auf Maskenträger

von Alexander Wallasch

Maske verboten – Doppelte Verneinung?© Quelle: Pixabay/NFTOddities

Von der Corona-Liturgie zur Häresie in Rekordzeit: Bei den Krefelder Caritasheimen wird die Maske zum Kündigungsgrund – ausgerechnet bei einer leistungsstarken Mitarbeiterin mit Attest. Ein Fall von Willkür, Machtspiel oder schlichter Masken-Metaphysik? Die Klage zeigt, wie schnell aus „Menschlichkeit“ im Leitbild ein Exempel gegen Unbotmäßigkeit wird.

Bei den Krefelder Caritasheimen gGmbH scheint man eine bemerkenswerte arbeitsrechtliche Innovation entwickelt zu haben: Erst wurden in vielen Pflegeeinrichtungen Arbeitnehmer in Deutschland über Jahre moralisch und organisatorisch bis hin zu Kündigung oder Aussperrung unter Druck gesetzt, damit sie Masken tragen.

Jetzt folgt die nächste Phase niederrheinischer Zivilisationsentwicklung: Dort geraten Arbeitnehmer ins Visier, wenn sie Maske tragen. Es ist die alte deutsche Lieblingsdisziplin – nicht Vernunft, sondern Wendigkeit. Rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln, und wer nicht mittanzt, bekommt Abmahnung und Kündigungsdrohung.

Genau das zeigt eine aktuelle Klage gegen die Krefelder Caritasheime. Eine Pflegekraft trägt dort seit Jahren durchgehend Maske. Lange störte das niemanden. Mehr noch: In den Corona-Jahren war das Tragen der Maske der liturgische Vollzug des Guten. Es gab, so der Klagevortrag, sogar Zeiten, in denen Kolleginnen massiven Ärger bekamen, wenn sie keineMaske trugen, sogar noch in 2025. Und dann, plötzlich, kippt die Szenerie. Dieselbe Maske, die gestern noch Fürsorge, Verantwortung und Betriebsmoral bedeutete, wird zur Kündigungsandrohung. So schnell kann aus Hygiene Häresie werden.

Man muss sich das Regelungsgenie, das in Klage und Abmahnung geschildert werden, einmal plastisch vorstellen: Am Patienten gefordert bis erlaubt, aber auf dem Flur nicht. Im stickigen engen Dienstzimmer unerwünscht. Im Haus problematisch. Beim Betreten der Einrichtung fragwürdig. Vielleicht auf dem Klo ideologisch verdächtig. Wer weiß – womöglich braucht man bald einen sakramentalen Lageplan, damit die Belegschaft weiß, an welchem Ort zu welcher Zeit ein Mund-Nase-Schutz (MNS) gerade als zulässiger Gesundheitsschutz gilt und an welchem als arbeitsvertragliche Verfehlung. Das ist kein Hygienekonzept. Das ist Masken-Metaphysik.

Und das alles bei einer Einrichtung, deren öffentlich zitiertes Leitbild lautet:

„Wir pflegen Menschlichkeit. Als christlich geprägte gemeinnützige Organisation setzen wir uns für Menschen ein, die aufgrund von Alter, Krankheit oder anderen Lebensumständen Unterstützung benötigen – unabhängig von Herkunft, Glauben oder Geschlecht. Unser Ziel ist es, Menschen in allen Lebensphasen zu begleiten und ihre Lebensqualität zu erhalten.“

Eine Mitarbeiterin empfindet das als zynisch und klagte. Nun zeigt sich Menschlichkeit nicht in Leitbildern, sondern in Konflikten. Menschlichkeit zeigt sich dort, wo eine Mitarbeiterin sagt: Ich möchte mich schützen, ich möchte meinen schwer kranken Vater vor Infektion schützen, ich habe sogar hierzu ein Attest, ich arbeite weiter, ich störe niemanden. Und die Antwort lautet dann offenbar nicht: Wir suchen eine vernünftige Lösung. Sondern: Wir machen daraus eine Jagd!

Die eigentliche Pointe ist aber noch hässlicher. Laut Klage war die betreffende Mitarbeiterin über Jahre hinweg keineswegs Randfigur, sondern leistungsstark, anerkannt, zeitweise als kommissarische Wohnbereichsleitung tätig und sie wurde von Vorgesetzten sogar zur Bewerbung ermuntert.

Und nach der Bewerbung, nach der Nichtberücksichtigung, nach dem Zurücksetzen begann plötzlich das Drama um die Maske. Gewiss, das kann alles purer Zufall sein. In deutschen Einrichtungen fällt das Unheil häufig ganz zufällig auf Personen, die vorher noch gelobt wurden und danach nicht mehr ins Bild passen. Aber dieser Zufall riecht schon sehr nach Methode.

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So entsteht der unerquicklichste Eindruck von allen: dass die Maske nur Vehikel ist. Es geht nicht um Stoff und Aerosole, nicht um Bewohner, nicht um Arbeitsschutz. Es geht um Unterordnung. Die Botschaft lautet dann: Nicht wir müssen konsequent sein – Du musst gefügig sein. Heute Maske auf, morgen Maske ab, übermorgen wieder auf, aber bitte nur dort, wo die Leitung ihre Laune gerade als „Hygieneregel“ empfindet.

Und wo steht in diesem Schauspiel die Führung? Wo steht die Geschäftsführung der Krefelder Caritasheime, wenn Kolleginnen sogar engagierte Solidaritätsadressen für die betroffene Kollegin formulieren? Steht das Management neben der Mannschaft? Oder steht es längst in jener kalten Funktionärshöhe, aus der man jedes eigene Machtwort für Fürsorge hält?

Solidarität im Team gegen die Führung ist in solchen Fällen selten Zeichen dafür, dass die offizielle Linie überzeugend wäre. Meist ist sie das Gegenteil: das Alarmsignal dafür, dass unten längst jeder merkt, was oben schiefläuft, während oben noch Personalführung simuliert wird.

Geht es wirklich nur um Hygiene? Oder schwingen andere Zuschreibungen mit? Die Klägerin trägt einen muslimischen Namen, ist voll integriert, arbeitet, übernimmt Verantwortung. Kurz gesagt: ein Beispiel gelungener arbeitender Integration im besten Sinne.

Wer tätig ist, Steuern und Sozialversicherung zahlt, gutes Deutsch spricht, engagiert Verantwortung trägt, ist integriert. Punkt. Und wer in einer christlichen-katholischen Einrichtung ausgerechnet an so einer Person ein Masken-Exempel statuieren möchte, sollte sehr genau erklären, wo Kirche heute steht. Wenn eine integrierte Arbeitnehmerin von diesen Strukturen Gebrauch macht, Atteste zum Schutze ihres schwerkranken Vaters vorlegt und Duldung verlangt, wird aus dem Mustermädchen plötzlich ein Störfall.

Die Krefelder Caritasheime hätten sich diese Nummer sparen können. Zumal man heute in kirchlich geprägten Häusern, wenn sie halbwegs im 21. Jahrhundert angekommen sind, längst verstanden hat, dass fachliche Eignung, Führungserfahrung und Loyalität nicht an Konfession, Herkunft oder der Frage hängen, ob jemand im Flur eine Maske trägt, falschen Glaubens ist. Wer das nicht begriffen hat, produziert keine Kultur der Fürsorge, sondern Provinztheater der Kränkung.

Gerade deshalb lohnt sich der Blick über den Tellerrand, etwa zur Katholischen Karl-Leisner-Trägergesellschaft des benachbarten Klinikums Kleve. Dort ist eine moderne Einrichtungen längst weiter: Ein erfolgreicher muslimisch-türkischstämmiger - menschlich überzeugender - Manager ist dort Geschäftsführer.

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