Welt-Artikel prangert sexuelle Umerziehung der Kinder durch ARD und ZDF an

Absolution nicht erteilt: Springer-Chef Mathias Döpfner kniet vor Regenbogenflagge

von Alexander Wallasch (Kommentare: 1)

Kann es denn überhaupt darum gehen, dass ein adäquater schwuler Anteil an Mitarbeitern von einem Unternehmen quasi wie eine Ersatz-Regenbogenfahne geschwenkt wird?© Quelle: Pixabay / YouTube / Bildmontage Alexander Wallasch

Der Journalist Mathias Döpfner ist ein einflussreicher Mann. Er ist Chef des Axel Springer Verlages und er soll sogar schon zum erlesenen Kreis der kaum mehr als 150 Milliardäre in Deutschland gehören. Umso bemerkenswerter, wenn so ein Mann öffentlich Abbitte leistet oder meint, leisten zu müssen.

Was ist passiert? Die Welt veröffentlichte hinter der Bezahlschranke – also nur für Abonnenten – einen Artikel mit der Überschrift „Wie ARD und ZDF unsere Kinder indoktrinieren“. Im Artikel wird ein Problem thematisiert, welches nicht erst seit gestern für Aufregung sorgt: Es geht um den von den Autoren des Gastartikels behaupteten Einfluss eines ideologischen geprägten Trans-Hype an Kitas und Schulen. Unter anderem heißt es da:

„Es geht um Mädchen, die sich chirurgisch Brüste und Gebärmutter entfernen lassen, und um den Einsatz von Pubertätsblockern, die vorübergehend verhindern, dass sich die primären und sekundären Geschlechtsmerkmale entwickeln. Die möglichen, teils irreversiblen körperlichen und psychischen Folgen solcher Maßnahmen werden nicht geschildert.“

Noch am Erscheinungstag hatte alexander-wallasch.de ausführlich berichtet. Aber vor allem haben wir uns über die Welt gewundert. Denn schon nach kurzer Recherchezeit war klar, dass es sich hier nicht um einen „Gastartikel“ handelt.

Nein, bei besagtem Text in der Welt handelte es sich um einen Forderungskatalog. Um eine Art öffentlichen Beschwerdebrief von über einhundert Wissenschaftlern an den öffentlich-rechtlichen Rundfunk (ÖRR). Worüber beschwert man sich? Der ÖRR möge endlich mit der „Transgender-Ideologie“ aufhören. Der Artikel in der Welt beginnt mit dem Satz „Transgender-Ideologie in der Sendung mit der Maus".

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Eine der Initiatorinnen dieser Beschwerde ist die Grüne Eva Engelken. Eine Grüne? Ja, Engelken hat aber schon reichlich Gegenwind aus ihrer Partei bekommen: Sie ist wohl in der Transgender-Debatte, was Thilo Sarrazin bei der SPD in der Zuwanderungsdebatte war – nur ohne je ein relevantes Parteiamt bekleidet zu haben.

Die Welt hat einen offenen Beschwerdebrief veröffentlicht. Aber sie hat es versäumt, diesen für den Leser so wichtigen Hintergrund vernünftig zu kennzeichnen. Der Artikel ist im Grunde genommen die leicht umgestellte Wiedergabe des Briefes. Aber warum hat Welt den Brief nicht einfach als solchen abgedruckt und zur Diskussion gestellt? Es ist kurios.

Kurios auch, dass die Autoren des Artikels gleichzeitig auch Initiatoren des Beschwerdebriefes sind. Aber es gibt bei Welt keine hervorgehobene Info, die das gegenüber dem Leser explizit aufklären würde.

Stattdessen wird im Nachspann die wissenschaftliche Reputation der Autoren hervorgehoben. Eine der fünf Autorinnen ist Dr. Antje Gulaschka, ebenfalls ein grünes Parteimitglied wie Eva Engelken, was Welt erwähnt, wohl als eine Art Legitimation für einen Artikel, der Springer-Chef Mathias Döpfner zwei Tage später zu einem Kniefall vor der Regenbogenfahne nötigen wird. Also nur mit einem Knie irgendwie, aber dazu gleich mehr.

Frau Gulaschka muss man via veröffentlichter E-Mail anschreiben, wenn man ebenfalls Unterzeichner des Beschwerdebriefs werden will.

Warum sich kein Welt-Redakteur in einem eigenen Artikel mit dem Beschwerdebrief auseinandergesetzt hat, der bei Welt in das Gewand eines Artikels eingekleidet wurde, bleibt ein Rätsel. Man kann nur dahingehend mutmaßen, dass auch Faulheit im Spiel war.

Warum Faulheit? Weil es nicht nur den Beschwerdebrief gibt, sondern ein umfangreiches Dossier von fünfzig Seiten, in dem die Beschwerdeführer Beispiele der angeblichen Trans-Ideologie beim ÖRR gesammelt haben. Dieses Dossier hätte man durcharbeiten müssen, um angemessen darüber zu berichten oder sich in einem Meinungsartikel über diese aktivistisch zu nennende Aktion zu äußern.

In seinem Artikel fragte alexander-wallasch.de explizit nach dem Hintergrund der Autoren und erwähnte ein Interview eines der Initiatoren für die katholische Tagespost. Nun ist ein Interview dort nicht mit einer Kontaktschuld behaftet, warum auch? Aber es könnte ein Hinweis sein, dass hier nicht nur grüne Frauenrechtlerinnen gegen eine Trans-Ideologie opponieren. Womöglich geht es hier ja auch um einen christlichen Background der versammelten grün-katholisch-freikirchlichen Wissenschaft. So etwas wenigstens zu recherchieren oder auszuschließen, hätte eine Aufgabe der Redaktion sein können.

Kommen wir zum eingangs erwähnten Mathias Döpfner. Der wandte sich in der Sache Tage später in einem Brief an seine Mitarbeiter. Döpfners Brief wurde ohne Bezahlschranke veröffentlicht. Der von Welt ihren Abonnenten quasi als Gastartikel verkaufte Beschwerdebrief allerdings blieb weiter hinter der Bezahlschranke.

Aber was für ein Unsinn ist das nun wieder? Wie soll man Döpfners Kniefallklage an das eigene Haus einordnen, wen man den Ursprungsort für diese Klage nicht nachlesen kann, soll oder darf?

Initial für Döpfners Brief war zunächst ein pauschaler Ausschluss des Hauses Springer von der schwulen Jobmesse Sticks & Stones. Nein, es macht nichts, wenn sie noch nie davon gehört haben. Der Axel-Springer-Verlag wohl schon. Denn Döpfner erwähnt, dass sein  Unternehmen diese Messe schon seit zwölf Jahren unterstützt.

Und fast ein bisschen peinlich: Mathias Döpfner erwähnt in seinem offenen Brief auch, dass es doch ein globales schwules „LGBTIAQ*-Netzwerk“ von Axel Springer gäbe, bei dem mehr als 800 Personen engagiert seien. 800 von 18.000 sind 4,4 Prozent. Keine Ahnung, ist das ein Anteil, mit dem man sich brüsten kann?

Kann es denn überhaupt darum gehen, dass ein adäquater schwuler Anteil an Mitarbeitern von einem Unternehmen quasi wie eine Ersatz-Regenbogenfahne geschwenkt wird? Sollte es stattdessen nicht darum gehen, Menschen einfach nicht mehr abwertend nach ihrer Sexualität zu beurteilen? Denn was käme hier als Nächstes? Unternehmen, deren Werbeagenturen schwarze Models, dicke Models und gleichgeschlechtliche Paare als Models engagieren, um bloß das LGBTIAQ*- oder sonst ein Netzwerk nicht zu verärgern? Ach, so ein Verhalten gibt es bereits in den Marketing-Abteilungen der Unternehmen?

Mathias Döpfner geht aber noch weiter. Er betont, dass das Haus Springer schon seit Jahren „unterschiedliche sexuelle Identitäten und Lebensformen nicht nur akzeptiert, sondern sogar ausdrücklich fördert. Von Safezones und All-Gender-Toiletten bis hin zu einer zutiefst freiheitlichen Unternehmenskultur".

Springer fördert „unterschiedliche sexuelle Identitäten“? Aber ist das nicht exakt, was Döpfners Gastautoren angeprangert haben? Warum reicht es hier nicht, gegenseitige Akzeptanz zu üben? Jemand wäre wohl ein Depp, der behaupten würde, es gäbe keine Ressentiments und Ausgrenzung in der Gesellschaft gegenüber Schwulen, Transmenschen usw.

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Aber ein Depp wäre auch, wer ernsthaft in Zweifel zieht, dass es hier auch eine Bewegung gibt, die viele Bereiche des Lebens durchdringt mit ihrer transschwulen Ideologie (hier ersatzweise verwendet für das sprachlich kryptische „LGBTIAQ*) bis hinunter in die Kitas. Eltern wissen das längst aus der täglichen Erfahrung mit Aktivisten in vielen Institutionen, und beispielsweise Kindergärtnerinnen werden regelmäßig mit immer neuen Handreichungen aus der transschwulen Community konfrontiert.

Mathias Döpfner versucht auch den großen gesellschaftlichen Bogen:

„Was im Zusammenhang mit dem Gastkommentar passiert, ist symptomatisch. Es ist ein Beispiel für die Polarisierung von Publizistik und Gesellschaft. Verlernt wird seit einigen Jahren in besorgniserregendem Tempo die demokratische Grundtugend, unterschiedlicher Meinung zu sein.“

Wie schon gesagt: Es handelt sich hier kaum um einen Gastkommentar, sondern um ein politisches Pamphlet, um einen offenen Beschwerdebrief an den ÖRR. Aber lassen wir das mal dahingestellt. Döpfner beklagt den Verlust der Fähigkeit, unterschiedlicher Meinung zu sein. Aber warum sind dann die Alternativen Medien ab 2015 überhaupt in der Breite entstanden? Woran lag es denn, dass diese neuen Portale in den Sozialen Medien so überpräsent wurden?

Es lag am ÖRR, aber auch an den Altmedien von Spiegel über Süddeutsche Zeitung, Zeit, Welt, Focus und Bild, die ihre per Grundgesetz explizit geschützte Aufgabe vernachlässigt haben, die versäumt haben, die Arbeit der Regierung in anhaltender Schärfe zu kritisieren und gesellschaftliche Zerwürfnisse zu benennen. Und es gibt einflussreiche Zeugen aus den eigenen Reihen von Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo bis zum ehemaligen Tagesschau-Chef Kai Gniffke, die schon früh benannt haben, wo die Altmedien an ihrer Aufgabe so kläglich gescheitert sind.

Ja, auch Mathias Döpfner hat sich schon kritisch zu Wort gemeldet und sich auf dünnes Eis gewagt. Aber was ist anschließend passiert? Ohne hier als Autor der Alternativen Medien in einen Jammerton zu verfallen, muss man sagen, dass es die großen Häuser der Altmedien einen sprichwörtlichen feuchten Kehricht interessiert hat, wenn junge Publikationen angegriffen, verunglimpft oder als Nazis diffamiert wurden.

Stattdessen trat man noch nach gegen die neuen Mitbewerber, die so bedrohlich schnelle Zuwachsraten hatten, und reklamierte für sich, wie es Julian Reichelt und Ulf Poschardt aus dem Hause Springer taten, so etwas wie die Sperrspitze der Demokratie zu sein.

Fragen Sie doch mal einen der Vertreter der Alternativen Medien, wie es sich anfühlt, wenn man als „umstritten“, „rechtsnational“, „AfD-nah“, „neurechts“ (weil das so schön böse nach Kubitscheks neuer Rechter klingt) oder was immer diffamiert wird, wohlwissend, welche Wirkung damit erzielt werden soll.

Diese Altmedien, insbesondere auch jene unter der Regie von Döpfner, sind Teil dieses Systems. Und sie leiden alle an schwindenden Leserzahlen und schielen mehr oder weniger danach, in den Schoß der Öffentlich-Rechtlichen aufgenommen zu werden, staatlich subventioniert zu werden via Verlagsförderung. Die Süddeutsche Zeitung hat sich schon länger via gemeinsamen Rechercheverbund mit dem ÖR an die Zwangsgebühren herangewanzt.

Mathias Döpfner schließt seinen halben Kniefall vor der transschwulen Gemeinde mit folgenden Worten ab:

„Ich wünsche allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dennoch – oder gerade deshalb – einen schönen Pride Month. Vielleicht fällt er etwas nachdenklicher aus als geplant. Aber das ist ja auch nicht schlecht.“

Muss man wissen, was ein „Pride Month“ ist? Nein. Mal sehen, was das Internet dazu bereithält. Die Stuttgarter Zeitung weiß mehr:

„Die Bezeichnungen „Pride Month“ oder „Gay Pride“ sind dabei bewusst gewählt: „Pride“ ist das englische Wort für Stolz und soll signalisieren, dass sich queere Menschen nicht dafür schämen sollten, so zu sein, wie sie sind. Der Pride Month steht für Stolz, Toleranz und Selbstbewusstsein – und kämpft damit gegen Kriminalisierung, Stigmatisierung und Ausgrenzung.“

Es ginge, heißt es weiter, um „Demonstrationen und Proteste“. Und ganz klar: Wo nicht heterosexuelle Menschen ausgrenzt oder gar verfolgt werden, ist es Aufgabe eines jeden Bürgers und insbesondere der Medien, zu protestieren und von der Politik zu fordern, zu intervenieren.

Aber ebenso sehr darf es ein Anliegen der Schwulen, Lesben und Transmenschen sein, die heterosexuellen traditionellen Mutter-Vater-Kind-Familien zu schützen. Denn wenn es heute in der Gesellschaft eine verfolgte Gruppe ohne Lobby gibt, dann doch wohl jene der stillen Mehrheit, die von der Politik fallengelassen wurde, die bitter schlucken muss, dass es ein Bundesministerium gibt, dass „Familie“ zwar noch im Namen trägt, aber mehr Steuergeld ausgibt für die Förderung der besagten 4,4 Prozent der Bürger als für Familien. Familie ist Nazi, ist Volk, ist Erbe, ist böse, kann weg.

Viele werden sich noch gut daran erinnern, wie das war, als sich der polit-mediale Komplex und die vom Familienministerium subventionierten Nichtregierungsorganisationen (NGOs) in Sachen „Herdprämie“ über die traditionellen Familien und über die Mütter lustig machte. Der Stern behauptete gar, eine finanzielle Unterstützung der Mütter torpediere die Integration.

Tatsächlich: Die muslimische Zuwanderung wird noch zum Problemmeilenstein für die transschwule Community. Aber wo man die Herkunft von Tätern nicht mehr nennen darf, kann ich Übergriffe auf Schwule nur der Gesellschaft insgesamt anlasten.

Der letzte Absatz soll noch einmal Mathias Döpfners Ablassbrief gelten und der Frage, wie denn nun die schwule Community auf seinen Kniefall reagiert hat. Das hat leider nicht so gut funktioniert. Die macht es nämlich kurz und knapp. Das schwule Portal Queer titelt, was es von der Geste Döpfners hält:

„Mathias Döpfner verteidigt Veröffentlichung von Hetz-Artikel“

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Kommentare

Kommentar von Alfred Nachlaß

Laut Wikipedia bezeichnet Döpfner sich selbst als nichtjüdischen Zionisten.