Ekel Alfred und Sophie Scholl im „Schwarzbuch Neue / Alte Rechte“

Beltz-Kinderbuch-Verlag hetzt gegen kritische Journalisten

von Alexander Wallasch (Kommentare: 1)

Ein Schwarzbuch böser Rechter aus einem Kinderbuch Verlag - Hauptsache diffamieren!© Quelle: © Quelle: Screenshot / Beltz Verlag, Bildmontage: Alexander Wallasch

Was für ein Dilemma: Ein traditionsreicher Fachbuch-Verlag für Bildungsliteratur, der sich im Nationalsozialismus systemkonform mit dem NS-Staat arrangiert hat, fühlt sich 2022 berufen, ein „Schwarzbuch Neue / Alte Rechte“ zu verlegen, das kurioserweise zwar Nietzsche, Wagner, Wallasch, Maaßen und Matussek im Lexikon von A-Z listet.

Das aber unter Buchstabe -B- einen viel besser geeigneten Kandidaten, nämlich den einstmals nationalsozialistisch und antisemitisch publizierenden Beltz-Verlag, einfach vergisst.

Das sich selbst vergisst. Tatsächlich nämlich ergaben neueste Untersuchungen, das zwischen 1933-1945 elf Prozent der Publikationen des Beltz-Verlags solche Hass- und Hetze-Nazi-Propaganda beinhaltete.

Warum also macht der Beltz-Verlag jetzt so ein falsch sortiertes und in eigener Sache unvollständiges Buch? Man sehe eine besondere Pflicht „zu einer „Erziehung nach Auschwitz“ (Adorno)“ heißt es erklärend zur Veröffentlichung des Schwarzbuches.

Aber irgendwie fand man das bei Beltz wohl doch zu schräg, zu dröge und entschied sich, die böse Alt- und Neu-Nazi-Fibel ein wenig funny zu machen: So dachte sich der seit 1933 irgendwie systemkonforme Verlag, dass sein Schwarzbuch einer „Erzählweise vom Typ „fröhliche Wissenschaft“ (Nietzsche) folgen soll.

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Und noch ein Schenkelklopfer gleich obendrauf im Beipackzettel:

„Das Lachen, etwa über Donald Trump oder Björn Höcke, ist nicht nur unvermeidbar – es ist vielmehr erlaubt und wirkt geradezu Wunder bei der Vermittlung knallharter Fakten. Wie belegt werden soll mit dem vorliegenden Buch. Als dessen Alleinstellungsmerkmal.“

Zum Autor, der uns noch aus ganz anderen Gründen ein Lachen auf die Lippen zaubern kann, kommen wir gleich. Zunächst aber zu den „knallharten Fakten“: Im Lexikon alte/ neue Rechte findet sich unter -S- die Widerstandskämpferin „Scholl, Sophie“ fast eingeklemmt zwischen „Sloterdijk, Peter“ und „Schnellroda“, dem Rittergut der Eheleute Kubitschek und Kositza, die natürlich auch beide nicht fehlen dürfen.

Der Autor dieser despektierlich verschwurbelten Nazi-Mixed-Pickels ist der 70-Jährige Sozialpädagoge Christian Niemeyer. Von 1992 bis 2017 hatte der Westdeutsche eine C-4-Professur für Sozialpädagogik an der TU Dresden inne.

Leider hat er dann seinen Ruhestand-Absprung hinunter zur Modelleisenbahn im Reihenhauskeller, hinein ins Vergessen versemmelt. Das ist tragisch, denn sein Schwarzbuch-Alterswerk gerät ihm so durcheinander, dass man glauben könnte, ihm seien Böse-Nazis-Recherchen beim Griff nach dem Streuselkuchen auf dem Kaffeewagen heruntergefallen und übel durcheinandergeraten.

Denn im Resultat treffen hier beispielsweise zwei Zeitgenossen aufeinander, von denen sich mindestens einer ganz sicher nicht mit dem anderen wohlfühlen will: Die Rede ist von Boris Reitschuster und Wladimir Putin. Denn auch dieser beiden Herren stehen im „Schwarzbuch Neue / Alte Rechte“.

Aber wer das schon lustig findet, der darf sich jetzt erst recht den Bauch halten: Im Schwarzbuch findet sich unter -T- auch „Tetzlaff, Alfred“, die Kultfigur der ARD-Serie „Ekel Alfred“. Und da heißt es doch tatsächlich, dieser gewisse Herr Tetzlaff hätte schon zwischen 1973-1976 „AfD-nahe Sprüche“ gemacht. Also vierzig Jahre vor AfD-Parteigründung.

Bleibt mir zuletzt noch die Frage, wie ich es in dieses Buch geschafft habe. Und da offenbart sich dann das ganze Ausmaß der Schlamperei und ein denunziatorischer Gestus des alten Herrn Professors: Der Sozialpädagoge Christian Niemeyer schreibt nämlich, „Wallasch, Alexander“ falle „neuerdings“ durch eine „Hinwendung zum Rechtspopulismus“ auf.

Aber wie kommt Niemeyer darauf? Er hat bei Götz Kubitschek in dessen Publikation „Sezession“ ein Interview gefunden, das ich tatsächlich mit dem Verleger führte. Und zum Artikel in „Sezession“ ist nun ausdrücklich vermerkt, dass dieses Interview zuerst bei alexander-wallasch.de erschienen ist unter der Überschrift „Zum Teufel mit ….Kubitschek.“

So, wie ich zuvor schon Interview mit Kubitschek bei tichys-einblick.de führte, die für Kubitschek und mich – so hoffe ich zumindest – immer ein zähes ergiebiges Ringen um Inhalte war.

Auch beispielsweise die Spiegel-Chefredakteurin Melanie Amann (Autorin von "Angst für Deutschland. Die Wahrheit über die AfD") twitterte damals über mein Interview mit Kubitschek begeistert: „Ein spannendes Interview!“

Original Beitrag von Melanie Amann auf Twitter

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Im Schwarzbuch im Beltz-Verlag wird jetzt entlang der Tatsache überhaupt mit Kubitschek gesprochen zu haben, eine Hinwendung zum Rechtspopulismus behauptet und der Blog alexander-wallasch.de ist dann im selben Abwasch gleich Mal „AfD-nah“.

Bedient sich der Beltz-Verlag hier Methoden des Faschismus bei seinem „Schwarzbuch Neue / Alte Rechte“? Ausgerechnet ein Verlag, der einen düsteren Ausschnitt seiner Verlagsgeschichte „Wir über uns“ so erzählt:

„Gut 11 % der Publikationen beinhalten nationalsozialistische und antisemitische Propaganda, wie sie während dieser Jahre in den Schulen gelehrt und verbreitet wurde. Der Beltz Verlag hat sich systemkonform mit dem NS-Staat arrangiert.“

Nazi-Kinderbücher? Der Verlag lebt längst wieder ganz gut von Literatur für Minderjährige. Ein beliebter Bestseller ist heute das „Grüffelo“. Und da heißt es einladend für alle Kinder:

„Der Fuchs lädt sie zur Götterspeise ein, die Eule bittet zum Tee und die Schlange zum Schlangen-Mäuse-Fest. Aber die Maus hat immer schon eine Verabredung: mit ihrem Freund, dem schrecklichen Grüffelo.“

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Kommentare

Kommentar von Uli Ludwig

In der Aufzählung fehlt eindeutig der Grimme und Pfeifenraucherpreisträger Wolfgang Menge..., Schöpfer von Alfred Tetzlaff...der in der Aufzählung anmutet, wie Loriots Steinlaus im Pschyrembel [so ne Art PixiBuchLexikon für medizinische Berufe ;-)].
Conclusion: der in der Erwerbsbiographie C4 alimentierte Niemeyer hat noch mal ein Beuerchen gemacht.
Bester Alexander, dann doch lieber mit Alfred aufgezählt werden. 😉