Schadensbegrenzung eines irgendwie charmanten Opportunisten: „Wir senden manchmal über die Köpfe der Menschen hinweg.“

Frank Plasberg beendet „Hart aber Fair" mit einer Abbitte – Aber der Scherbenhaufen ist viel zu groß

von Alexander Wallasch (Kommentare: 6)

„Hart aber Fair" war jahrelang darauf ausgerichtet, politische Gegner der Kanzlerin zu ächten, öffentlich bloßzustellen und zu vernichten© Quelle: hart aber fair

Mit dem Ende des Verdienens kommt die Abbitte. Nachdem Frank Plasberg über Jahre einer der schärfsten Antreiber der Spaltung dieses Landes war und sich darüber eine goldene Nase verdient haben muss, stellt er sich vor seiner letzten Sendung hin und verliert sich mit angezogener Handbremse in irgendetwas wie Selbstkritik.

Kein Wort darüber, wer ihm mit Louis Klamroth nachfolgt. Kein Wort darüber, dass hier einer übernimmt, der all das, was Plasberg jetzt kritisiert, verkörpert.

Plasberg bittet um Vergebung. Nach hunderten von Sendungen, in denen er die Spaltung der Gesellschaft an vorderster Front betrieben hat. Sendungen, in denen Leute eingeladen wurden, nur um sie mit unlauteren und fiesen Methoden zu diffamieren und zu diskreditieren.

Aber der Reihe nach: Was hat der Moderator jetzt verlauten lassen in einem Podcast bei „The Pioneer“, aus welchem heute früh vielfach in den Medien zitiert wird?

Die Welt hat folgende Schlagzeile gewählt: „Plasberg sieht ,Übereifer' bei Abbildung von Minderheiten im ÖRR“.

Der ÖR-Moderator hatte über Minderheiten und Diversität sinniert und befand:

„Wir senden manchmal über die Köpfe der Menschen hinweg.“

Nein, Herr Plasberg, das beschreibt allerdings nur sehr ungenügend, was ihre Sendung falsch gemacht hat und was Sie mitgetragen, befeuert und im laufenden Geschäft nie korrigiert haben. Es ist noch viel weniger als nur halbherzig.

Wenn die Bildzeitung heute titelt: „Plasberg beklagt Einseitigkeit bei ARD und ZDF“, dann ahnt man, was Plasberg im Sinn hatte: Der bald Ex-Moderator hat hier den Versuch unternommen, so etwas wie Abbitte zu leisten für die Zeit danach. Er weiß, was er angerichtet hat. Und er weiß, was nach ihm kommt. Aber da schweigt er weiter, keine Kritik an seinem Nachfolger.

Nach hunderten von Besprechungen von „Hart aber Fair"-Sendungen hatte ich schon Mitte August 2022 einen Nachruf geschrieben, der wenig schmeichelhaft für den Moderator und seine Sendung ausfällt. Ich bleibe dabei.

Ich erinnere mich noch gut: Irgendwann bat ich Plasberg mal um ein Interview. Ich hatte vor, ihn einmal persönlich dazu zu befragen, wie solche Sendungen überhaupt zustande kommen, wie diese empörend einseitigen Gästelisten gemacht werden und warum er sich das ein ums andere Mal mit der Regierung gemeinmachen konnte gegen die Meinung oppositioneller Gäste, so diese überhaupt noch eingeladen wurden.

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Frank Plasberg sagte damals höflich ab mit Verweis darauf, dass er nicht über seine Gäste plaudern würde und auch nicht darüber, was hinter den Kulissen so passiert. Aber er sprach mir persönlich eine Viertelstunde lang auf den Anrufbeantworter und lobte tatsächlich meine ausführlichen und scharfen Rezensionen.

Damit war klar, dass Plasberg regelmäßig Tichys Einblick (TE) las, ich veröffentlichte dort von 2015 bis 2021. Ich weiß allerdings nicht, ob er sich selbst damit einen Gefallen getan hat. Denn um das Gefühl zu bekämpfen, mich geschmeichelt zu fühlen, habe ich von da an Plasbergs Arbeit noch kritischer betrachtet und im Zweifel sicherheitshalber den Vorschlaghammer genommen.

Bitte nicht falsch verstehen, der Hammer traf immer den Richtigen, so, wie diese Sendung darauf ausgelegt war, politische Gegner der Kanzlerin zu ächten, öffentlich bloßzustellen und zu vernichten.

Dennoch hatte auch Frank Plasberg Anfang 2015 durchaus noch den Willen, bei der Politik anzuecken und politisch unbequem zu sein. Heute ist so etwas unvorstellbar für die Öffentlich-Rechtlichen und für ihre privaten Format-Lieferanten. Plasberg hat bald kapiert, wo es für ihn langgeht, langgehen musste, wenn er weiter verdienen wollte.

Ich glaube heute, der Niedergang jedweder öffentlich-rechtlichen Regierungskritik hängt auch maßgeblich mit den großen Koalitionen zusammen. Denn als Helmut Kohl (CDU) regierte, gab es eine ganze Reihe regierungskritischer Fernsehformate von links. Es gab also eine Opposition.

Aber Angela Merkel – und das war, völlig wertfrei betrachtet, eine große Leistung – Merkel hat diese öffentlich-rechtliche Opposition unschädlich gemacht. Der Trick war denkbar einfach:

Sie hat sich auf die politische Seite dieser linken Meinungsmacher gestellt und ihre Partei dorthin mitgenommen. Und wer hätte in einer großen Koalition dagegen protestieren wollen? Damit fehlte das Regulativ. Und es fehlt bis heute. Es ist schlicht abhandengekommen.

Ich saß also Abend für Abend bis in die Nacht hinein an der Tastatur und knüppelte synchron Zitate der laufenden Sendungen in die Tastatur, hörte weiter zu, während ich schnell einen bissigen Kommentar formulierte zu einem zuvor gehörten Diskussionsbeitrag eines Gastes oder des Moderators.

Aus dem wohnzimmerlichen Maschinenraum sandte ich die fertigen Texte nachts noch in die TE-Redaktion. Zunächst wurden die Rezensionen noch in der Nacht von Roland Tichys Partnerin glattgebügelt.

Als ihr das zu bunt oder zu spät wurde, machte Roland Tichy es morgens selbst, dabei wohl oft hin und her schwankend zwischen Nachvollziehbarkeit meiner aufgeschriebenen Wut über diese öffentlich-rechtlichen Grabenbauer und dem sorgenvollen Gefühl, dieses Mal hat Wallasch es vielleicht doch übertrieben.

Aber ich kann sagen, bei Tichy ging über die Jahre viel mehr Wut durch, als abgefangen wurde. Denn Roland Tichy war selbst oft genug empört und bereit, meine Empörung zu veröffentlichen. Ein Alleinstellungsmerkmal, das den Erfolg des Portals sicher mitbegründete.

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Jetzt gibt Plasberg den Studioschlüssel ab. Und es wird Zeit, dass ihm mal jemand ein Zeugnis austeilt. Der Moderator gibt die Sendung ab und hinterlässt ein Trümmerfeld. Gemeinsam mit dem Moderatorinnen-Trio haben diese Big-4-Talkshows einen Graben quer durch die Gesellschaft gezogen, der seinesgleichen sucht.

Zunächst gegen Kritiker der merkelschen illegalen Massenzuwanderung, später gegen die Corona-Kritiker und immer gegen die AfD. Vor den Wahlen, als die Partei Oppositionsführer war, und auch danach.

Einer der vielen negativen Höhepunkte beim Grabenbau war, als Frank Plasberg den Oppositionsführer nicht nur nicht mehr einlud, er erteilte Alexander Gauland unter großem medialen Wichtigtuer-Getöse Hausverbot. Journalistisch war das auf besondere Weise übergriffig. Eine Schweinerei.

Aber auch hier gab es im August 2017 ein Vorspiel, als Gauland nicht als Studiogast, sondern als Angeklagter eines Plasberg-Tribunals eingeladen wurde.

Plasberg ist ein Opportunist – eine denkbar schlechte Eigenschaft für einen Journalisten. Die Kunst besteht ja darin, ein Feuer auf hoher Flamme lodern zu lassen und dennoch professionell zu arbeiten.

Meine jeweiligen Intros zu den vielen „Hart aber Fair"-Sendungen ähnelten sich zwangsläufig oft. Exemplarisch vielleicht dieses hier – wahllos herausgegriffen vom 10. März 2020:

„Drei grüne oder grünlackierte Frauen, ein grüner Komiker und das Publikum gegen einen Bild-Redakteur. So etwas nennt der WDR dann Debattenkultur.“

Der Bild-Redakteur war hier interessanterweise Ralf Schuler, der jetzt bei Springer endgültig hingeschmissen hat und öfter mal bei Julian Reichelt vorbeischaut. So kommt eins zum anderen.

Im Februar 2019 ging das Intro – wieder wahllos gegoogelt – so:

„Wenn es um Heimat geht, dann steht hier tatsächlich ein Verlust von Heimat an erster Stelle, dann nämlich, wenn diese öffentlich-rechtlichen Sender für immer mehr Zuschauer keine Heimat mehr sind.“

Im März 2018:

„Und die Probleme und Kosten der Massenzuwanderung? Kamen nicht einmal zu Wort. Die gibt es offensichtlich überhaupt nicht. Reiches Deutschland. Armes Deutschland.“

Oder Im April 2018:

„Zum Ende stellt Jan Fleischhauer die Methodiken von Pegida und der Neuen Rechten als Erben der 68er dar. Und Rainer Langhans findet die revolutionäre Energie auch bei Konservativen besser als nur das Bewahrende.“

Ach so: Bleibt zum Schluss noch die Frage, wie es weitergeht mit "Hart aber Fair". Tatsächlich hat Plasberg jetzt irgendetwas wie Abbitte geleistet.

Er hat aber nicht einmal final die Eier zu sagen: Ich habe dem Land und den Menschen mit dieser jahrelangen „Hart aber Fair“-Hetze so einen Schaden zugefügt. Wenn ich auch keine Verantwortung übernehmen will, nehme ich dieses unsägliche antijournalistische Format doch mit in den Ruhestand und beerdige es still und heimlich an einem dunklen Ort, wo es keiner mehr ausgraben kann. Außerdem richte ich eine Stiftung ein von meinen verdienten Millionen, die das Ziel hat, junge Journalisten auszubilden, die den Anspruch einer Vierten Gewalt noch ernst nehmen.

All das passiert leider nicht. Stattdessen kommt mit Louis Klamroth einen Spieler von der Berner Ersatzbank und hofft auf ein Wunder.

Dieser Klamroth ist tatsächlich sogar so etwas wie ein Verwandter von mir. Der Name Klamroth ist beim ÖR nicht unbekannt, die Schwester meines Onkels Jochen Klamroth war Wibke Bruhns, alle Klamroths eint der Bezug zu meinem Großonkel H.-G. Klamroth, der von Hitler im Zusammenhang mit dem Attentat 1944 in Plötzensee wie ein Stück Vieh am Schweinehaken aufgehängt wurde, bis der Tod eintrat.

Ich will es nur dazu gesagt haben … Nichtsdestotrotz erlaube ich mir eine Prognose, die wenig schmeichelhaft für Louis Klamroth ist, ihm aber darüber hinaus herzlich egal sein wird:

Mit dieser nächsten Generation von Moderatoren ist die Ära jener Journalisten zu Ende gegangen, denen man bei ihrer Arbeit immerhin noch ein schlechtes Gewissen unterstellen könnte.

Frank Plasberg wusste wohl ansatzweise noch, was er dem Land mit jeder neuen spalterischen Sendung angetan hat. Und wenn er es in irgendeinem Übermut mal vergessen hatte, dann konnte er es am Folgetag bei mir nachlesen – und gelesen hat er regelmäßig.

Bei seinem Nachfolger ist das ganz anders. Zugespitzt gesagt: Louis Klamroth ist unschuldig. Er ist bereits in Unfreiheit aufgewachsen und wird diese Unfreiheit für eine notwendige Konzession an den kommenden Weltuntergang halten.

Klamroth ist viel mehr Vertreter einer NGO, viel mehr Vertreter dieser ÖR-Dynastie der Klamroths, als dass er Journalist wäre oder überhaupt noch sein wollte. Seine Großtante ist die 94-jährige Schwester meiner Mutter. Zum Stachelbeersahnebaiser ist er selbstverständlich herzlich willkommen.

PS: Frank Plasberg (65) war 22 Jahre dabei. Er verabschiedet sich Ende November 2022 nach 750 Sendungen. Louis Klamroth (32) will „Hart aber Fair“ erstmals im Januar 2023 präsentieren, so teilte es der WDR jetzt mit.

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Kommentare

Kommentar von Undertaker

Plasberg ist dazu viel zu intelligent, nicht selbst zu wissen, wie opportunistisch und tendenziös seine Sendung ist. Es ist keine späte Reue, sondern der durchschaubare Versuch, sich nach allen Seiten abzusichern, falls es doch mal anders kommt. So wenig glaubwürdig, wie ein K.E.von Schnitzler, der in seiner Sendung über den Westen hetzte und am Abend in einer West-Berliner Kneipe seine Molle zischte und seine Alte beim Klauen im West-Kaufhaus erwischt wurde. Irgendwie genauso armselig nur heute in Farbe und HD, vielleicht schämt er sich ja auch vor seinen Kindern, die ihn später mal fragen könnten, warum er auch wieder nur mitgemacht habe und ein ganz großer kleiner Mitläufer war.

Kommentar von Heike Olmes

Lieber Herr Wallasch, es ist doch immer das Gleiche. Bei den Nürnberger Prozessen hatte fast jeder von den angeklagten Nazis einen Juden im Keller versteckt. Jetzt kommen die Lügen rund um Corona offen zum Vorschein und die Schuldigen wollten doch nur unser Bestes. Plasberg heuchelt ganz altruistisch Einsicht. Widerliche Winselei.
Ich danke Ihnen dafür, dass Sie so klug, mutig, ehrenhaft und exzellent gegen diese unerträglichen Zustände und Personen anschreiben. Ich fürchte, Sie gehören einer aussterbenden Spezies an, lasse mich aber sehr gerne davon überzeugen, dass es doch noch Hoffnungen bezüglich des Journalistennachwuchses gibt.
Unterstützung wird sofort auf den Weg geschickt.

Antwort von Alexander Wallasch

Ich danke Ihnen für Ihre so freundlichen Worte und die Unterstützung. Ein schönes Wochenende! Ihr Alexander Wallasch

Kommentar von Bernd Neumann

Lieber Herr Wallasch, gestatten Sie auch ein wenig Kritik an sich? Ich wurde und werde immer ungeduldig und nervös, wenn man die Schuld an den heutigen Zuständen „den Politikern“ oder dem ÖRR in die Schuhe schiebt. Natürlich gibt es dort „Schuld“, Böswilligkeit auch in einem fast unvorstellbar großen Maße. Doch für mich ist das immer eine Exkulpierung, also in der Art „Merkel war doch Kanzlerin und schuld - aber nicht ich!“
Übertragen auf das Thema Plasberg / die Talks im ÖRR hieße das: woran ist denn Plasberg „schuld“? Sicher, die Beschreibung seiner Sendung, seines Vorgehens ist vollkommen zutreffend. Ich gebe zu, ich habe seine Sendung nie gesehen, doch es gab keinen Grund, Ihren Rezensionen zu misstrauen.
Meine Gegenfrage aber lautet: Warum schreiben SIE über ihn? Über Illner, Will, Lanz und Konsorten?
Mein Vorwurf hier: Relevanz ist niemals einfach „so da“. Sie ist immer gemacht. Von etwas, von dem nicht gesprochen wird, weiß niemand etwas. Twitter, zum Beispiel, lebt davon. Im Grunde auch Sie.
Oder anders gefragt: Was hat den Journalisten Frank Plasberg JEMALS die innere Bedeutung gegeben, ÜBERHAUPT von ihm zu schreiben und seinem wöchentlichen Elaborat? Sie haben viele seiner Sendungen gesehen - mal ehrlich, wann JE hatten Sie das Gefühl „hier wird Weltgeschichte geschrieben, und Freunde, wir werden später sagen können, wir waren dabei!“ Mag sein, dass, frei nach Andy Warhol, jeder im Leben mal so einen Moment hat, meiner war, als ich, eher aus Zufall, am 9. November 1989 in Berlin-Wedding an der Bornholmer Straße war und Zeitzeuge wurde vom Mauerfall. Direkt, selbst, und ungefiltert durch eine Fernsehkamera. Den Zweitaktgeruch der Trabis von damals werde und will ich nie wieder aus der Nase bekommen und mein Kumpel aus Ostberlin und ich können bei unserem Lieblingsitaliener in Moabit gar nicht so viel Rotwein trinken, um nicht in tiefe Fassungslosigkeit zu verfallen, wie sehr die Linken am Ende gewonnen haben. Aber ich schweife ab.
Ich kann nicht erkennen, dass es so einem Moment der Erkenntnis je in den Talkrunden gab. Sie sind nicht, weil sie sind - sie sind, weil wir von ihren lesen und hören. Ob nun Hans Hütt bei der FAZ oder sie bei Tichy oder im eigenen Format - der Leser liest und ERST DANN denkt er „ah… Plasberg! Wieder mal! Was war da wohl los?“ Dann liest er die freundliche Sekundanz in den linksliberalen Medien, oder die Verrisse von Ihnen oder inzwischen Elisa Davids bei TE.
Aber ob nun Sekundanz oder Verriss, erst dadurch werden diese Format relevant. Ich habe keine Zahlen, auch keine Zeit zum googeln, aber ich schätze mal grob, das Verhältnis zwischen direkten Konsumenten der Sendungen und Zweitinformierten über Rezension liegt bei - 1:10?

Mag sein, dass Sie, Tichy, Reitschuster, Broder, und so weiter eine Generation sind, die mit dem ÖRR aufgewachsen sind, mit der Maus, dem Rappelkistenbus oder Schweinchen Dick, oder Kermit dem Frosch, dem Literarischen Quartett oder Peter Frankenfeld. Mag sein, dass Sie in Ihrem seelischen Inneren Kuhlenkampf oder Hanns-Joachim Friedrichs denken, oder auch Wetten Dass mit der ganzen Familie, wenn Sie ZDF denken und nicht Slomka oder Belluth oder Lanz. Dass Tatort für Sie Erik Ode oder Götz George ist und nicht der tumbe Nazi aus Mecklenburg, der den unschuldigen Syrer klatscht, dreimal pro Woche.

Ich bin vermutlich sogar älter als Sie und verbinde mit dem ÖRR auch nicht bloß negatives. Aber nie war er für mich das Fenster zur Welt und nebenbei, der „Scheibenwischer“ war damals schon genauso infam wie Böhmermann, bloß witziger gemacht. Und er agitierte gegen Kohl, also die Regierung, und nicht für sie. Aber war er relevant? Nur wenn man über ihn sprach!

Lange Rede, kurzer Sinn: Machen Sie nicht mehr die Arbeit der Linken. Sagen Sie mit Frank Plasberg leise Servus zum ÖRR. Auch wenn Louis Klamroth quasi zur Familie gehört - verkneifen Sie sich, ihn zu rezensieren, Ihren Lesern mitzuteilen, wie schlimm es war. Es gibt genug andere Themen. Aber WENN Sie die Talks rezensieren, das kann ich Ihnen nicht erlassen, werden Sie Teil jener Maschinerie, die sie überhaupt relevant werden lässt. Die linke Presse, so weit kann ich das sehen, macht das umgekehrt nicht. Oder wann ist Julian Reichelts Youtube-Format je so gefeatured worden wie auch nur einer dieser Talks

Kommentar von Hildegard Hardt

2004 sah ich erstmals Plasbergs "hart aber fair" und dachte: Donnerwetter, der ist aber mutig! 2007 begann schleichend der Absturz in angepaßte Tiefen. Es wurden mit der Zeit immer weniger regierungskritische Gäste eingeladen und seine Assistentin Brigitte Büscher verlas immer mehr regierungstreue Zuschriften.

Mir verging dann das Interesse an dieser Sendung, und ich schaute nur noch sehr selten mal rein.
Als wider Erwarten Alexander Gauland eingeladen war, ahnte ich Böses und wurde nicht enttäuscht: Der alte Herr wurde auf eine Art und Weise abgebürstet, die an Peinlichkeit kaum zu übertreffen war, und die bestellten Claquere hoben grinsend ihre Patschhändchen.

Für Jahre war mir dann der Appetit auf Plasberg vergangen, bis Corona das Land zu beherrschen begann. "Was der Plasberg wohl dazu meint", dachte ich mir und wagte einen erneuten Blick in die Sendung.
Aber es war das übliche Regierungsweiche und Unfaire der vergangenen Zeit, das seinen Gipfel darin fand, daß Karl Lauterbach immer wieder eine Plattform geboten wurde, Zuschauer und Gäste mit seinen unsäglichen und langatmigen Tiraden zu "beglücken".

Nun geht er also - welch ein Glück! Liest man jedoch die Vita seines Nachfolgers, kommen einem ernsthafte Bedenken, daß sich die Sendung bessern wird. Allein Klamroths roter Haarschopf läßt Böses erahnen.

Aber was wird Plasberg wohl in Zukunft tun? Geld hat er sicher genug gescheffelt, aber ein alter "Frontmann" kann ohne Applaus nicht leben. Und so könnte ich mir gut vorstellen, daß er in einem rot-rot-grünen Unternehmen den öffentlichkeitswirksamen Berater mimt, bis daß der Tod sie scheidet. Das Erstere durch Insolvenz und ihn durch das natürliche Ende allen Erdenlebens.

Kommentar von Peter Löcke

Übereifer? Wir senden manchmal über die Köpfe der Menschen hinweg?

Man streiche das "manchmal" und tausche "Übereifer" gegen die Formulierung ideologische Einseitigkeit. Trotzdem ein Anflug von Selbstkritik. Immerhin. Wie mutig.

Es ist immer wieder erstaunlich, wie viele Menschen am Ende oder nach ihrer Karriere mutig werden. Obwohl ... ist es dann noch Mut oder nicht eher ein Betteln nach Absolution?

Kommentar von Gunter Dringenberg

WOW - ein genialer Text über einen charakterlosen, schamlosen, schleimig-geldgierigen, linksgrünen Moderator. Ob der mit seinem Gewissen nun klar kommt, weiss man nicht. Die Sendung war ja schon seit vielen, vielen Jahren unansehnlich, ja - geradezu abstossend, weshalb ich u.a. deutsches TV nicht mehr anschaue. Diesem Plasberg kann man nur zurufen: Sozialisten werden im Leben nie mit sich selber glücklich sein. Sie haben den Hass gegen Andersdenkende in ihrer kaputten Seele gespeichert.