Mehr Werbung geht kaum: Pustet kündigt Vertrag mit Castrum Verlag – weil der Autor bei der AfD ist

Friedrich pustet die Backen auf: Druckerei verweigert Romandruck von Maximilian Krah

von Alexander Wallasch

Die Absage als Booster für einen Krah-Roman© Quelle: Maximilian Krah

Hat Maximilian Krah einfach nur Glück? Erst die Buchmesse-Absage aus „Sicherheitsgründen“, jetzt verweigert die exkonservative Regensburger Druckerei Pustet den Druck seines Romans „Die Reise nach Europa“ – wegen AfD-Mitgliedschaft. Heuchelei pur oder purer PR-Boost? Der Verlag jubelt, die Cancel-Crew schießt sich ins eigene Knie.

Hat Maximilian Krah einfach nur Glück? Ist er einer dieser Glücksburschen, die anstellen können, was sie wollen und es gelingt trotzdem, weil die äußeren Umstände fleißig mithelfen? Auf die Idee könnte man kommen, wenn man sich die aktuellen Ereignisse um Krahs Romandebüt „Die Reise nach Europa“ anschaut. Zunächst attestieren ihm linke Zeitungen, dass Krah der erste Politiker mit Roman zur aktiven Abgeordnetenzeit ist.

Dann geschieht, was sich Krahs Verlag nur wünschen kann: Die Honigfalle schnappt zu, die Leipziger Buchmesse verweigert Maximilian Krah die Lesung auf der Buchmesse. Aber nicht etwa, weil sein Roman so etwas wie der zweite Teil von „Er ist wieder da“ sein soll, Krahs Hauptfigur hat andere Sorgen als Politik, es geht auch um Weiber und Schuhe. Und der Castrum Verlag, der sein Beachtungsglück kaum fassen mag, schreibt über Krahs Reise nach Europa:

„Die Reise nach Europa von Maximilian Krah wird zur Vermessung einer Erinnerungskultur, die nicht in bloßer Schuldzuweisung verharrt – sie fragt nach Gemeinsamkeit und Zugehörigkeit jenseits von Schuld, nach den Wunden des 20. Jahrhunderts und danach, wie man sie in eine gemeinsame europäische Zukunft überträgt.“

Das ist die Vorgeschichte in aller Kürze. Jetzt kommt noch eine bemerkenswerte Absage hinzu. Offenbar dachte sich die angefragte Regensburger Druckerei „Pustet“ – ein Traditionshaus, dazu gleich mehr – dass man sich aus der dritten Reihe der Entstehung eines Romans – Autor, Verlag, dann Druckerei – emporheben kann, wenn man der kleinen Welt, die einen umgibt, mitteilt, dass man den sittlichen Roman eines AfD-Politikers nicht abdrucken wird, weil er dies oder jenes geschrieben habe. Nein! Die Drucker verweigern die Arbeit, weil Krah bei der AfD ist. In einem Schreiben an den Castrum Verlag heißt es:

Sehr geehrter .....

kürzlich hat der Castrum Verlag bei unserer Druckerei mehrere Neuerscheinungen aus dem diesjährigen Frühjahrsprogramm angefragt, darunter den Titel „Die Reise nach Europa“. Ein gewichtiger Gesichtspunkt ist, dass es sich bei „Die Reise nach Europa“ um das Werk von Herrn Maximilian Krah handelt, der der Partei AfD angehört. Mit deren rechtsgerichteter politischer Ausrichtung möchte unser Haus nicht in Verbindung gebracht werden. Wir bedauern, Ihnen deshalb mitteilen zu müssen, dass wir die Geschäftsbeziehungen zu Castrum hiermit beenden werden und bitten um Verständnis.

Mit freundlichen Grüßen
Friedrich Pustet
Geschäftsführung
Friedrich Pustet GmbH & Co. KG

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Was für eine durchsichtige und heuchlerische Selbstdarstellung eines erzkonservativen Traditionsverlages, der sich auf dem Rücken von Maximilian Krah ins Gespräch bringen will. Hofft man tatsächlich auf einen Akquise-Effekt, wenn man sich als AfD-feindlich darstellt?

Allerdings wird über den vorhandenen Fremdschamfaktor hinaus nichts passieren. Denn von einem Buchdrucker erwartet man keine politischen Statements, der soll bitte einfach der Reihe nach seine Aufträge erledigen: Pünktlich und handwerklich zufriedenstellend.

Der Klempner repariert den Abfluss, der Elektriker den Lichtschalter und der Drucker druckt die Bücher. Wirklich niemand erwartet von einer Druckerei eine Solidaritätsadresse mit den Machern der Leipziger Buchmesse oder wem auch immer.

Noch dazu, wenn es eine Traditionsdruckerei mit Verlag ist, die in den 1960er Jahren einmal in Schieflage gekommen ist, weil auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil beschlossen wurde, Latein als verbindliche Kirchensprache abzuschaffen. Damit waren die Messbücher aus dem Hause „Pustet“ nicht mehr gefragt. Der Herrgott sprach in allen Sprachen der Welt zu seinen Gläubigen und die Regensburger Druckspatzen hatten das Nachsehen.

Und da wird es dann unfreiwillig komisch. Denn ausgerechnet der von den Druckern verstoßene Krah wäre der beste Anwalt für die bayerischen Pustefixe. Nicht weil Krah Jurist ist, sondern weil der AfD-Bundestagsabgeordnete Traditionskatholik ist: Krah bezeichnete das Zweite Vatikanische Konzil (Vatikanum II) als „Ende des Katholizismus als erstgemeinte Religion“.

Ob Krah damit Recht hat, mag dahingestellt sein. Auf jeden Fall war das Zweite Vatikanische Konzil das Ende des dicken Reibachs bei „Pustet“.

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