Häme ohne Ende als Quittung für die Wiener Sportpalastrede des Bochumer Nuschelbarden

Grönemeyers Corona-Krokodilstränen

von Alexander Wallasch (Kommentare: 3)

Der traurige Grönemeyer-Fan erfährt weiter, dass alle bei Grönemeyer „mehrfach geimpft“ wurden, sich immer fleißig getestet hätten und dafür am Ende nicht belohnt wurden. Das sei „sehr bitter“, findet der Sänger aus Bochum.© Quelle: Screenshot / YouTube, Herbert Grönemeyer

Herbert Grönemeyer geht es nicht gut. Der Deutschrocksänger hat Corona. Er ist infiziert und erkrankt trotz aller empfohlenen Impfungen. Herbert G. war brav und es hat ihm trotzdem nichts genutzt.

In den sozialen Medien ist jetzt kübelweise Häme über Grönemeyer ausgegossen worden. Aber darf man das, sich über einen Erkrankten lustig machen? Im Prinzip nicht, aber …
Bevor wir das „aber“ diskutieren, kurz zu Grönemeyer-Superstar und einer Zusammenfassung der Ereignisse rund um die Corona-Erkrankung des durchgeimpften Emo-Barden.

„Unser Herbert“ gehört zweifellos zum BRD-Kulturgut der 1980er und 1990er Jahre. Diese goldenen unbeschwerten Zeiten in der alten Bundesrepublik: Wohl kaum ein Teenager, der nicht mindestens einmal zu „Flugzeuge im Bauch“ an selbigem vorbei direkt im Geheimnisvollen landete. So etwas verbindet gern mal lebenslang.

Für die Generation davor waren es noch Songs wie „Marmor, Stein und Eisen bricht“, die den Interpreten dieses One-Hit-Wonder lebenslang zum gemachten Mann machten, dem obendrein noch jeder schräge Umweg im Leben verziehen wurde.

Und Grönemeyer hat mehr als nur einen Hit geschrieben mit „Bochum“, „Currywurst“, „Männer“, „Flugzeuge“, „Mensch“ und was noch alles. Er hat damit also was gut und theoretisch gleich für mehrere Leben Satisfaktion für mentale Durchhänger oder Publikumsbeschimpfungen eingesungen.

Jetzt hat Grönemeyer seine Tournee 2022 abgesagt: Der Sänger, seine Helfer und Bandmitglieder infizierten sich mit dem Coronavirus. Alle Konzerte wurden vollständig gecancelt.

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Und weil Grönemeyer Zeit seiner Karriere besonders intensiv einen auf links, auf Ruhrpott, Kumpel und herzliche Nähe zum Fan gemacht hat, platzierte er einen erklärenden Brief über die sozialen Netzwerke: „Dieses Virus zeigt sich von seiner zähen Seite, es zehrt und zerrt."  Peinlich sei es ihm, „so untätig rumzuliegen und angeschlagen auf Besserung zu warten“.

Der traurige Grönemeyer-Fan erfährt weiter, dass alle bei Grönemeyer „mehrfachst geimpft“ wurden, sich immer fleißig getestet hätten und dafür am Ende nicht belohnt wurden. Das sei „sehr bitter“, findet der Sänger aus Bochum. Und weil schon so viele Konzerte und Tourneen anderer Kapellen wegen der Pandemie nachgeholt werden müssten, erklärt sich Grönemeyer aus Mangel an Equipment nicht in der Lage, eine Alternativtermin anzubieten.

Aber warum nun die Häme bei so viel Künstlertrauer? Der Berlin Kurier bemerkt dazu:

„Einige User aus der Querdenker-Szene kommentierten die Tour-Absage allerdings mit Häme: Da sich Herbert Grönemeyer deutlich für Corona-Impfungen und gegen Querdenker eingesetzt hatte, äußerten sich AfD-nahe Blogger sarkastisch in dem Sinne, dass die Impfung ja wohl keinen milden Verlauf hervorbringe.“

Wahrscheinlich sind es exakt solche Diffamierungen und verbale Verunglimpfungen gegenüber ernsthaften Anliegen der Menschen, die viele so auf die Palme bringen. Wie heißt es noch in Mensch? „Und der Mensch heißt Mensch, weil er vergisst, weil er verdrängt. Und weil er schwärmt und stählt, weil er wärmt, wenn er erzählt. Und weil er lacht, weil er lebt.“ Dass Grönemeyer das nicht jedem zubilligt, dazu gleich mehr.

Besonders auf die Palme bringt die Menschen ein Künstler, der 2019 wenige Monate vor Beginn der Pandemie und der Lockdowns in Wien eine Art Sportpalastrede hielt, die jeden einigermaßen historisch versierten Deutschen auf die Palme bringen muss im Sinne eines „Nie wieder!“

Vorab hier noch einmal der Auftritt als Video und anschließend Grönemeyers Ausfälle Wort für Wort zum Nachlesen. Und anschließend entscheiden Sie bitte selbst, ob ein wenig Häme über Grönemeyers Konzert-Absagen sich nicht insbesondere aus diesem entsetzlichen Auftritt dieses singenden Besserdeutschen speist:

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„Ich kann mich nicht erinnern in meinen Leben in Zeiten, ich kannte das nur vom Hörensagen, in Zeiten zu leben, die so zerbrechlich, so brüchig und so dünnes Eis sind. Und ich glaube, es muss uns klar sein, auch wenn Politiker schwächeln, das ist glaube ich in Österreich nicht anders, als in Deutschland, dann liegt es an uns (hier lauter werdend hin zu Geschrei) DANN LIEGT ES AN UNS, ZU DIKTIEREN, WIE NE GESELLSCHAFT AUSZUSEHEN HAT. Und wer versucht, so eine Situation der Unsicherheit zu nutzen, wer rechtes Geschwafel für Ausgrenzung, Rassismus und Hetze, DER IST FEHL AM PLATZE! DIESE GESELLSCHAFT IST OFFEN, (unverständliches Wort) GEBEN DEN MENSCHEN SCHUTZ (unverständliches Wort) und wir müssen diesen Menschen so schnell wie möglich und ganz ruhig (unverständliches Wort) KEIN MILLIMETER NACH RECHTS! KEINEN EINZIGEN MILLIMETER NACH RECHTS! UND DAS IST SO. UND DAS BLEIBT SO!!!“

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Kommentare

Kommentar von Human Person

Fast verschämt schreiben einige Kommentatoren von einer „gewissen Genugtuung“, wenn – wie im Fall Grönemeyers – es einen leidenschaftlichen Fürsprecher der mRNA-Spritzmittel schwer erwischt hat.
Warum so zurückhaltend? Bei der Diffamierung ungeimpfter »Querdenker« kannte der Mann doch auch keine Zurückhaltung.
Nach persönlichen Erlebnissen mit diesen Unbelehrbaren, bin ich der Meinung – und dazu stehe ich auch -, dass erst die Anzahl der stetig steigenden schweren Erkrankungen und Todeszahlen allmählich zu einem Umdenken führen wird.
Wenn der Weg zur Vernunft nur über den Body Count zu beschreiten ist, dann wäre selbst das Ableben eines mehrfach geimpften Deutschrocksängers für mich akzeptabel.

Kommentar von Ruth Hellweg

So eine gewisse Genugtuung darf sich da schon breitmachen, finde ich.
Nachdem wir Ungeimpften so lange und heftig beleidigt und ausgegrenzt wurden, betrachte ich die Leute meiner Alterskohorte, die nicht schnell genug an die dritte Covid-Segnung kommen konnten, aber schon nach der zweiten über Verschlimmerung ihrer sämtlichen Altersbeschwerden klagten und nach der dritten noch heftig an Omikron erkrankten mit einer gewissen Gleichgültigkeit.
Mein Ungeimpften-Omikron war weniger schlimm als die letzte Grippe.
Grölemeyer war damals unser Held, und sogar 2001 oder 2002, glaube ich, besuchte ich noch mit unserer Tochter ein Konzert im Olympia-Stadion in Berlin. Total begeistert. Da war der noch ganz normal.
Nach Wien isses vorbei! Tja, Menschen ändern sich, nicht immer zum Vorteil.

Kommentar von Sven-Uwe Urban

Nicht nur bei Grönemeyer, sondern auch in meinem persönlichen Umfeld gilt:
Ich würde mich nicht herablassen zu sagen das jemand das Leid verdient hat, aber es sind doch viele, die zumindest das bekommen, was sie wollten!