Frohes neues Jahr wünsche ich dir.
Das wünsche ich dir auch und vor allem Gesundheit. In unserem Alter ist das ja das Wichtigste.
Matthias – ich bin leider nicht optimistisch. Ich habe das Gefühl, 2026 wird genauso scheiße wie 2025, vielleicht noch schlimmer.
Ja. Aber wenn die Nacht am dunkelsten ist, ist es kurz vor Sonnenaufgang, sagt ein Sprichwort. Selma Lagerlöf hat so etwas Ähnliches gesagt. Es kann ja nicht mehr schlimmer werden. Jetzt werden sich die Widerstandskräfte allmählich bilden und die Leute werden allmählich aufwachen.
Ich glaube, es wird ein sehr turbulentes Jahr werden. Die CDU wird Merz irgendwann in diesem Jahr absäbeln. Ich halte die Widerstandskräfte des Volkes – des großen Lümmels, wie Heinrich Heine es genannt hat – für intakt und für eine verlässliche Größe.
Aber kannst du dich erinnern an den Moment, als Merkel dann endlich von alleine gegangen ist? Zehn Jahre lang wurde gefragt, wann ist sie endlich weg? Vor diesen zehn Jahren waren manche sogar ganz zufrieden mit ihr. Sie hat halt nicht genervt. Alles war okay, jeder hat sein Ding gemacht. Dann fing das mit der Massenzuwanderung an, die Ampel hat übernommen und dann kam Merz und wurde doch sogar noch gefeiert.
Ich habe ja auch gedacht, Merz wird es rumreißen. Aber er ist halt tatsächlich eine Politpflanze, die in diesem Milieu großgezogen worden ist, mit einem Opportunismus, der zu einer politischen Karriere gehört. Dann diese Zwischenpause da bei BlackRock – ich glaube nicht, dass er da wirtschaften gelernt hat. Da hat wohl eher sein Adressbuch eine Rolle gespielt.
Wenn wir vom Volk reden, dann muss ich auch sagen, bin ich erstaunt, wie passiv und widerstandslos es ist oder war. Aber jetzt verschwinden die Arbeitsplätze! 30.000 Stellen im Volkswagenkonzern werden gestrichen, weitere Zigtausend anderswo – Stuttgart geht pleite, weil Mercedes keine Steuern mehr zahlt! Es wird so eng werden, dass ich sogar mit einem gewaltsamen Ausbruch rechne.
Aber haben wir das nicht alles schon vor Jahren fast genau so gesagt?
Ja, aber irgendwann ist der Punkt erreicht.
Dieser Satz: „Irgendwann ist der Punkt erreicht.“ Der dröhnt mir in den Ohren.
Ja, aber die realen Bedingungen haben sich ja verschlechtert. Die Realität ist konservativ. Die Realität ist rechts. Und das werden die Leute jetzt zunehmend erkennen. Und die einzigen, die ein Programm haben, das diesen Absturz Deutschlands noch auffangen kann, ist nun mal die AfD, die nicht an diesen Klimazauber glaubt. Und die natürlich die illegale Migration beenden wird. Zumindest hat sie sich das vorgenommen. Ob sie es dann umsetzen wird und ob sie überhaupt in die politische Entscheidung gerufen wird, weiß man nicht. Aber ich glaube, jetzt ist der Knackpunkt erreicht.
Aber fast 75 Prozent wählen nicht AfD. Und diese Dreiviertelmehrheit sind die Etablierten. Es ist inhaltlich fast gleich, ob ich Grün, Merz oder SPD wähle. Oder schwappt diese 40-Prozent-Welle von Osten noch rüber?
Auf alle Fälle! Ex oriente lux, dass das Licht aus dem Osten kommt. Die Aufklärung. Der Osten hat ja eine Widerstandsvita. Der hat ja schon mal erfolgreich eine Revolution zustande gebracht. Das Problem ist natürlich unser Wahlsystem, dass die Blockparteien sich vereint gegen die AfD stellen und die mittlerweile größte deutsche Volkspartei arithmetisch der politischen Verantwortung ferngehalten wird. Aber ich glaube, das kann jetzt nicht mehr lange halten. Die Leute haben den Kanal voll. Insofern glaube ich, dass wird ein sehr spannendes Jahr.
Wenn jemand in Deutschland aus dem Kulturgeschäft eine positive Erfahrung mit linker Kultur hat, dann doch wohl du. Matthias Matussek hat doch die ganz großen Linken kennengelernt, du hast die ganz großen linken Schriftsteller kennengelernt, diese erklärten Weltbürger und Kunstschaffenden. Du hast das doch alles lieben gelernt. Wann ist dieses tolle Links eigentlich kaputtgegangen? Wann ist dieses schöne Links zu dieser hässlichen faschistischen Fratze geworden?
Das kann ich dir genau sagen: Mit diesen ständigen sprudelnden Gesetzen aus Brüssel. Brüssel hat sich ja längst in ein autokratisches Monster verwandelt. Und linke Politik ist tatsächlich zu einer ganz bösartigen autokratischen Nummer entartet.
Und vor allen Dingen ist die linke Politik natürlich ein – das erkennen immer mehr Leute – ein Selbstbedienungsladen geworden. Denk nur aktuell an diesen gigantischen Sozialbetrugsskandal in Minnesota, wo 8 Milliarden für Kinderstätten abgerechnet wurden, die gar nicht existieren!
Ich glaube, Minnesota ist überall. Das gibt es auch bei uns. Und es kommt aus dieser linken Gutmenschenideologie. Dabei wird immer deutlicher, dass es eigentlich eine kriminelle Vereinigung ist.
Ich spekuliere mal, dass es dir so ähnlich geht wie mir. Du hast natürlich durch deine Religion, durch deinen Katholizismus ein starkes konservatives Grundrauschen. Aber wir beide bleiben doch lebenslang Liebhaber dessen, was man früher linke Kultur genannt hat. Fühlst du dich auch beraubt heute? Und warum ist das Konservative immer so furchtbar beengt und so spießig?
Das ist eine spannende Frage: Die Frage nach dem Kulturkampf. Ich glaube, dass die Linke einfach die moralische Legitimität verloren hat. Und siehst du ja jetzt mit den Sanktionen gegen Jacques Baud, weil er es gewagt hat, zu sagen, dass er nicht daran glaubt, dass die Russen den Krieg verlieren werden.
Und dafür wird er einfach seiner bürgerlichen Rechte beraubt! Und da gibt es ja jetzt schon Gerüchte, dass auch Roger Köppel in diesen Sanktionsgluthauch kommt. Aber mein Weltwoche-Chefredakteur sieht das relativ gelassen. Er hat eine wunderbare Neujahrsansprache gehalten auf einer Waldlichtung, sehr symbolisch.
Die „Lichtung“ ist ja bei Heidegger das Wort für einen erweiterten Erkenntnishorizont. Und der Waldgänger bei Jünger ist die natürliche Widerstandsfigur, einer, der in den Wald geht und sich den bösen Mächten entzieht. Eine Art geistiger Guerillero. Ich wage zu behaupten, dass die neue revolutionäre Energie konservativ ist.
Vor zehn oder 15 Jahren haben die Autoren Dorn und Wagner mit „Die deutsche Seele“ eben diese versucht, in typisch deutsche Worte zu fassen. „Der Waldspaziergang“ war so ein erlauchter Begriff.
Der Wald ist ein wunderbarer deutscher Mythos. Er speist auch alle Gedichte etwa von Eichendorff.
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Wir sollen ja positiv sein. Wie kannst du denen das Konservative schmackhaft machen, die auf der Kippe stehen? Wie kann man begreiflich machen, dass das Konservative zwar Familie, Werte usw. bedeutet, aber trotzdem individuelle Freiheit, Selbstverwirklichung usw. nicht ausschließt? Oder schließt es das aus?
Nein, das Menschenbild des Konservativen ist die Freiheit! Und wenn du religiös werden willst: Die Gottesebenbildlichkeit des Menschen, das Christentum. Wenn du den Hokuspokus siehst, den die Kirchen anstellen, dann ist es einfach eine Schändung des Christentums, was sie betreiben im Auftrag einer totalitären linken Ideologie. Aber die kommt jetzt rein objektiv an ihre Grenzen!
Wir erleben, dass die linke Ideologie in den Abgrund führt. Immer mehr Menschen spüren das und kein Mensch glaubt noch an diese Sprüche der Gutmenschen.
Es gibt ja die Untersuchungen, dass circa dreiviertel der Leute in Deutschland nicht mehr an die Institutionen des Staates glauben. Dieser linksgrüne Coup, der stattgefunden hat, der sich den Staat zur Beute gemacht hat, der ist mittlerweile entlarvt und die Menschen erkennen das trotz Tagesschau und all den gekauften Journalisten – wo ich jetzt immer noch ein Ekelgefühl habe, wenn ich an den deutschen Journalismus denke. Die Leute wachen auf. Aber du hast recht: Früher galt die Linke als die intelligentere Lebensform. Vor allen Dingen auch als die Freiheitlichere.
Als du eben sagtest, Konservativ bedeutet Freiheit, habe ich mir fast in die Zunge gebissen. Denn die Sozialgeschichte der Bundesrepublik ist doch zunächst mal die Befreiung aus diesem Mehltau des Konservativen, was da so aus der Nazizeit herübergeweht ist. Der Kommunarde Rainer Langhans ist ein Freund und jahrzehntelanger Gesprächspartner von uns beiden. Das waren ja alles keine Konservativen.
Mittlerweile sind sie es tatsächlich sehr! Wir müssen die Frontlinie ganz neu ziehen. Wir müssen klarmachen, dass wir was zu bieten haben, wir Rechten oder Konservativen. Ich sage konservativ, aber meinetwegen auch rechts.
Die Rechten haben ein echtes Angebot, und es ist revolutionär! Ich kann da immer nur Johnny Rotten von den Sex Pistols zitieren, der in etwa gesagt hat: Wer hätte gedacht, dass mal die Konservativen die Avantgarde sind, die Oppositionellen, diejenigen, die Widerstand leisten und die interessantere Seite der Barrikade. Denn dieses linke Lügentralala, das kann jeder mitträllern und sich selbst die Genugtuung verschaffen, ein guter Mensch zu sein.
Aber das zerschellt an der Wirklichkeit. Ich glaube, die spannende – und das spricht sich auch in der Jugend rum – die spannende Position ist die gegen das Establishment. Und das derzeitige Establishment ist eine verkrustete, abgehalfterte, programmatisch völlig entleerte Linke. Oder kannst du mir eine einzige Figur auf der Linken sagen, die irgendwie anziehend wäre, so wie es früher Adorno, Marcuse und andere Gurus waren
Ich habe heute einen Clip gesehen: Dunja Hayali mit nassen Haaren in einem Waschsalon. Sie wirft mit Handtüchern. Das fand ich beinahe anziehend.
Du bist pervers.
Konkret zu 2026: Wird es einen großen Krieg geben um die Ukraine? Kriegen wir das gebacken, dass dieser Wahnsinn endlich beendet wird?
Nein, ich glaube leider nicht. Der europäische Vorschlag ist ja, dass sie irgendwelche Kontingente in die Ukraine zur Friedenssicherung schicken. Und darauf wird Putin natürlich nie eingehen. Denn das bedeutet ja im Grunde genommen NATO-Truppen in der Ukraine und das ist absolut illusorisch.
Ich glaube, das wird ein Stellungskrieg bleiben, um dann irgendwann doch noch an Erschöpfung einzugehen. Vor allen Dingen, seit die Amis die militärische Unterstützung für die Ukraine eingestellt bzw. sehr zurückgefahren haben. Und ich glaube nicht, dass Deutschland oder irgendwelche europäischen Staaten tatsächlich in den Krieg ziehen. Das wird so vor sich hindämmern. Bedauerlicherweise. Die Ukrainer werden zu Weihnachten und Neujahr nach wie vor zurückfahren in die Ukraine und da ihr Bürgergeld verfeiern und verfeuern und dann wieder zurückkommen, um Geld zu tanken.
Das ganze System ist so marode und so bankrott. Deutschland hat die höchsten Steuereinnahmen in der Geschichte erzielt. Und trotzdem gibt es Leute, die hier unter der Armutsgrenze leben. Das wird sich das Volk nicht länger bieten lassen.
Darf ich kurzen Einspruch erheben? Ich lebe mit vier Kindern und Enkeln über viele Jahre an der Armutsgrenze. Es hat sich in den Jahrzehnten nichts geändert für mich.
Ja, und du bist ein Held für mich. Du hast tatsächlich eine großartige Familie in die Welt gesetzt und bist ein Familienernährer. Und was sie mit dir jetzt anstellen, dass sie versuchen, dir das Licht auszuknipsen mit den Landesmedienanstalten – ich glaube, das wird eine große Solidarisierung mit dir geben. Und mit Recht. Du machst einen hervorragenden Job.
Und das Tolle ist ja, dass es Einzelne wie du sind, die das Ruder herumreißen. Wir haben durch die sozialen Medien tatsächlich das Tool, das Werkzeug in der Hand, auch selber in Erscheinung zu treten. Dieser Riesenskandal in Minnesota wurde von einem YouTuber aufgedeckt, nicht von ABC oder CBS und NBC, sondern ein einzelner YouTuber! Der ist da mit einem Mann rumgelaufen und hat die ganzen geschlossenen Kindereinrichtungen besucht und festgestellt, da sind überhaupt gar keine Kinder, nur verhüllte Somalierinnen, die eine Sprache sprechen, die er nicht versteht. Der Widerstand, das ist Grassroots, das ist revolutionär!
Mir ist schon ein bisschen mulmig geworden, als das mit Weimar Fahrt aufnahm und das bis zu Merz ging, Wallasch im Bundestag namentlich besprochen, in den Landtagen und zuletzt sogar ins Europäische Parlament. Da geht es gar nicht nur um mich. Der Einzelne wird einfach mächtiger.
Der Einzelne wird mächtiger. Das ist die Zerschlagung der Produktionsmonopole. Eine uranarchistische Idee. Jeder ist Filmregisseur. Im Grunde genommen das Manifest von Oberhausen von Alexander Kluge gegen Opas Kino. Das war ja die Utopie, dass jeder sein eigener Produzent wird und jeder sein eigener Regisseur. Und das ist jetzt technologisch möglich geworden dadurch, dass die Welt so vernetzt ist. Dadurch, dass die Produktionsmöglichkeiten in die Hände der Einzelnen wieder übergegangen sind. Da sehe ich ein enormes revolutionäres Potenzial.
Die Angst des Gegners ist ja spürbar.
Ja, die werden immer schriller! Denk nur an diese peinliche ARD-Propagandashow. (lacht) Für mich der Hit des Jahres. Da hast du gesehen, wie 100 Trottel hin und her geschickt werden – zum Fremdschämen – um dann im Fernsehstudio dem Friedrich Merz zu applaudieren. So ähnlich wurde damals Enver Hoxha in Albanien applaudiert.
Applaudiert wird hier natürlich unter Zwang. Und auch unter der Androhung, dass man Dissidenten zusetzt und diese drangsaliert. Aber ich glaube, diese Drohung wirkt nicht mehr. Es werden immer mehr Leute. Und dein Beispiel zeigt doch, dass du als Einzelner tatsächlich die Lügenhaftigkeit des Betriebs aufgedeckt hast. Und je länger das dauert, je länger der Weimer da an seinem Sessel klebt, desto unhaltbarer wird die Situation für ihn.
Das wird ihn nie verlassen. Der ist wie Merz halt einfach nicht mehr glaubwürdig. Und das, was die Leute am meisten interessiert und am meisten beschäftigt, ist, ob jemand glaubwürdig ist oder nicht. Und die Politik hat eben ihre Glaubwürdigkeit verloren. Und deshalb bin ich der Überzeugung, dass in diesem Jahr doch einiges passieren wird, was die unkontrollierte Macht wirklich erschüttern wird.
Wir dürfen nicht bei mir enden. Wir müssen bei dir enden. Ich möchte mal zwei, drei Konstanten in deinem Leben wegstreichen, nämlich Familie und Katholizismus. Was bleibt dann als tragende Konstante? Welche Kraft und Macht hat dein Schreibtalent für dich persönlich? Trägt es dich durch die Zeit?
Absolut, ich glaube, das ist die Lifeline bei mir. Ich bin so dankbar dafür. Gott sei Dank kann ich schreiben, bis ich umfalle. Ich habe ja keine Arztpraxis oder Ähnliches. Ich kann schreiben und solange ich Leute erreiche, mache ich das. Ich sitze gerade an einem neuen Buch. Da muss ich nachher noch mal mit dir drüber reden. Also das Schreiben ist schon das große Abenteuer in meinem Leben und das, was mich wirklich in den Schienen hält.
Was soll denn auf deinem Grabstein stehen in 30 Jahren? In 30 Jahren? „Er war ein toller Hecht“ oder besser: „Er hat sich redlich bemüht“?
(Lacht) „Er hat sich bemüht“ reicht vollkommen.
Danke für das Gespräch!
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