Ein Kabarett-Gag wird zum Wahlkampf-Skandälchen

Medien-Eklat um DDR-Hymne: Satire oder gezielte AfD-Hatz?

von Alexander Wallasch

Auferstanden aus Ruinen und der Zukunft zugewandt© Quelle: X/JF, Screenshot

Das ist doch kaum noch zu fassen, wie sich die etablierten Medien hier auf einen Auftritt stürzen, der in einem kurzen Videoclip zum viel geklickten Beitrag wurde und der nun ausgeschlachtet wird im Wahlkampf gegen die AfD.

Es geht um ein Treffen zwischen Tino Chrupalla und dem schon als zukünftigem Ministerpräsidenten gehandelten Ulrich Siegmund sowie dem Komiker Uwe Steimle oder wer mag: dem DDR-Komiker.

Sein Thema ist die DDR geblieben: der ironische Blick auf die DDR, der nostalgische Blick auf die DDR. Natürlich immer im Kontext auch mit den Verwerfungen dieser deutschen Diktatur, aber eben auch jenen Menschen einen Anker gebend, die in dieser Diktatur aufgewachsen sind, die hier auch Leben mitgestaltet haben, ohne sich mit der politischen Klasse gemein gemacht zu haben.

Hier kam es nun gestern zu einer Diskussionsrunde über den Frieden. Tino Chrupalla schrieb heute dazu via X:

„Gestern haben wir eine Diskussionsrunde für den Frieden veranstaltet. Kanzler Merz und Kriegsminister Pistorius wollen unser Land kriegstüchtig machen. Wir wollen mit Friedenstüchtigkeit die Freundschaft zwischen den Völkern stärken. Dieser Wind des Wandels geht vom Osten aus. Uwe Steimle ist sein Vorbote, Ulrich Siegmund kann als Ministerpräsident ein Vorreiter werden. Wir wollen die Wende zum Guten schaffen, bevor Merz und Co unser Land in Trümmer, Scherben und Ruinen legen. Rechtzeitige Reformen sind besser als Wiederaufbau und Auferstehung!“

Dieser Wind des Wandels gehe vom Osten aus, so Chrupalla in seiner Meldung. Kein Wort zu oder von einem Eklat. Gabs keinen? Jedenfalls wollen die etablierten Medien und auch solche Plattformen der Neuen Medien daraus einen Eklat machen.

Denn zum Abschluss der Veranstaltung machte sich Steimle einen Gag: Als es zum Absingen der Nationalhymne ging, hob er an und sang die alte DDR-Hymne „Auferstanden aus Ruinen“. Das kann man geschmacklos finden. Das kann man aber auch ganz bewusst und zielsicher in seiner Arbeit verankert sehen, die sich eben mit einem nostalgischen Blick auf die DDR beschäftigt. Und zu der dann eben auch das ironische Absingen dieser verlogenen, lächerlichen sozialistischen Hymne gehört.

Das aber wissen all die Beteiligten oder die Zuschauer, die nämlich großenteils oder in Teilen eben auch Opfer oder Leidtragende dieses Regimes waren und durchaus alles Recht dazu haben, sich auch ironisch damit zu befassen. Jedenfalls mehr Rechte als ein paar Jungautoren etablierter Westmedien. Oder jener Medien, die sich lange der CDU verschrieben haben, jetzt hier als neue Medien fungieren, aber nach wie vor mit ihren Berührungsängsten gegenüber der AfD offenbar schwer zu ringen haben.

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Was dann eben immer wieder zu Absetzungsbewegungen führt. Man ist Opposition, man ist vierte Gewalt, ja, ja. Aber das möchte man dann doch nicht wirklich sein, wenn man die Gelegenheit hat, sich so wunderbar zu distanzieren, wie man es jetzt hier tut.

So werden dann auch Teile der neuen Medien zu Mini-Brandmauern gegenüber der AfD – oder gleich gegenüber dem Osten insgesamt. Denn wer so einen offensichtlichen Spaß – möglicherweise auch misslungenen Spaß aus der Perspektive der vielen Opfer des DDR-Regimes, aber eben auch eine Satire, die in der Person Steimle verankert ist, die eben auch Teil seines Programms ist – wer das missdeutet, agiert vorsätzlich!

Tino Chrupalla und alle anderen auf dem Podium und die meisten im Publikum haben auf Anhieb verstanden, um was es geht. Einfach, weil sie mit der Person Steimle und dem Auftritt des Komikers vertraut sind.

Wenn man hier einen Blick von außen wirft, kann man es missverstehen, keine Frage. Aber man braucht nicht besonders viel Aufwand dazu, dieses Missverständnis für sich selber aufzulösen. Tut man das nicht und berichtet anders oder trotzdem, dann macht man dies fahrlässig. Die etablierten Blätter wie Tagesspiegel und Welt sprechen von „extrem befremdlich“ und wittern politische Botschaften, wo nur ostdeutsche Selbstironie am Werk war. Selbst differenziertere Stimmen betonen zwar den Kontext, doch der Gesamttenor bleibt: Die AfD muss weg, koste es, was es wolle – auch wenn dafür ein harmloser Gag zum Skandal hochgejazzt wird.

Dabei zeigt genau dieser Vorfall, worum es eigentlich geht. Die AfD steht für einen anderen Weg: weg von der Kriegsrhetorik Berlins, hin zu echter Friedenspolitik und Völkerfreundschaft. Der Osten, der die Diktatur am eigenen Leib erlebt hat, weiß besser als viele West-Journalisten, wie man mit der eigenen Vergangenheit umgeht – nämlich ehrlich, ironisch und ohne falsche Berührungsängste. Wer das nicht akzeptieren will, der baut lieber Brandmauern, statt sich mit Argumenten auseinanderzusetzen.

Der Wind des Wandels weht trotzdem weiter. Und er kommt aus dem Osten. So jedenfalls erklärt es Tino Chrupalla heute früh. Und wer hat nun daran Zweifel?

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