Die „Zeit“ relativiert den Judenhass unter muslimischen Zuwanderern

Querdenker sind die größten Antisemiten – Eine journalistische Geisterfahrt

von Alexander Wallasch (Kommentare: 10)

Reporter Christian Vooren windet sich wie ein böses störrisches Kind, dass beim Klauen erwischt wurde© Quelle: YouTube / ZDF, Screenshot

Ich hatte es nicht für möglich gehalten, aber jetzt ist es wahr geworden: Die „Zeit“ hat jemanden gefunden, der in einem Kommentar schreibt, dass der eigentliche Judenhass von den Corona-Maßnahmen-Kritikern ausgeht.

Der Reporter Christian Vooren ist in der Sache Wiederholungstäter bei der „Zeit“. Schon zum Jahresausklang 2021 warnte er seine Leser eindringlich vor der gefährlichen Omikron-Variante, sie lasse ein düsteres Frühjahr erwarten. Aber der 1988 geborene Vooren hatte ein Gegenrezept anzubieten:

„Es gibt zuverlässige Impfstoffe, einen großen Teil der Gesellschaft, der sich dem nicht verwehrt, und wenn sich alle ein bisschen zusammenreißen, wird ein Lockdown wie vor einem Jahr wohl nicht zwingend nötig sein. (...) vermutlich wird es Einschränkungen geben – und im Januar entscheidet sich, ob und in welcher Form eine Impfpflicht kommt.“

Corona-Maßnahmen-Kritiker waren für Vooren Leute, die „krude Geschichten und Lügen“ verbreiten, die sie im Internet aufgeschnappt hätten. Er orakelte damals, „an ihrer Seite werden immer häufiger Rechtsextreme stehen. Die Querdenker werden weniger, das kann man jetzt schon beobachten. Der Teil, der übrig bleibt, wird allerdings wohl in Teilen radikaler und gefährlicher.“

Der Artikel mit der Schlagzeile „Umgang mit Querdenkern: Es ist okay, nicht mehr diskutieren zu wollen“, wurde so zum besonders düsteren Fleck auf der Weste des „Zeit“-Redakteurs. Und man kann nur mutmaßen, was für Christian Vooren später schlimmer war: Die Erkenntnis, einen wirklich menschenverachtenden Blödsinn geschrieben zu haben, oder das Feedback in den sozialen Medien, das ihm deutlich zu verstehen gab, dass seine schon faschistoid erscheinenden Ausgrenzungsfantasien keinen Platz mehr haben im 21. Jahrhundert.

Anzunehmen ist leider auch, dass Christian Vooren rein gar nichts aus seinen Entgleisungen gelernt hat. Aber diese widerliche Pathologisierung Andersdenkender muss doch auf eine bestimmte Weise auf ihm lasten und auch als persönliche Schuld empfunden werden. Anders wäre es kaum vorstellbar.

Erstaunlich an seinem alten Text war allenfalls, dass der Zeit-Online-Autor selbstbewusst annahm, dass Kritiker von Corona-Maßnahmen ihrerseits überhaupt noch Lust hätten, mit ihm zu diskutieren, als er empfahl:

„Wenn der Onkel am Kaffeetisch oder die Freundin aus dem Sportstudio mit wissenschaftsleugnenden, demokratiefeindlichen Ideologien kommen und behaupten, mit der Impfung würden den Menschen Mikrochips implantiert, oder sich mit Sophie Scholl vergleichen, darf man das Gespräch ruhig beenden. (...) Setzen Sie sich Grenzen, ab denen es nichts zu diskutieren gibt.“

Vooren muss in der Zwischenzeit auf die Vergesslichkeit seiner Leser gehofft haben, aber das Netz vergisst nichts. Mittlerweile sind zwei Jahre vergangen, seitdem Christian Vooren über Corona-Maßnahmen-Kritiker hetzte:

„Wer sich rassistisch, antisemitisch, rechtsextrem oder wissenschaftsfeindlich äußert, der verweigert von sich aus den Diskurs.“

Vor ein paar Tagen hat sich Vooren hingesetzt und noch einmal versuchet, seine Diffamierungen zu rechtfertigen, als er einen aktuellen Text in der „Zeit“ mit folgendem Intro begann:

„Ja, es gibt Antisemitismus unter Linken und Migranten. Doch zu Hause ist er im deutschen Bürgertum. Das hat zuletzt die Corona-Pandemie deutlich gezeigt.“

Der Zustand der Zeitung mag sich daran messen, wie es überhaupt möglich sein konnte, diesen Text irgendwie durch die Schlussredaktion zu bekommen. Zunächst lullt der Autor seine Leser darin mit einer Beschimpfung von Hubert Aiwanger ein, wohl in der Annahme, das die allermeisten Zeit-Leser den Chef der bayrischen Freien Wähler richtig doof finden.

Vooren schreibt, der Antisemitismus sei in Deutschland, jedenfalls dann, wenn man aktuellen Debatten folge, „ein migrantisches Problem, besonders Muslime sind schnell verdächtig“. Und dann setzt er nach: „Allenfalls, um sich nicht gleich der Muslimfeindlichkeit verdächtig zu machen, findet man ihn noch bei den Linken.“

Vooren schreibt, es sei nicht antisemitisch, Freiheit für die Menschen im Gazastreifen zu fordern. Er wandelt absatzweise mit verbundenen Augen quer durch diese heiklen Debatten wie der Elefant im Porzellanladen, outet sich satzweise als Ahnungsloser und kommt nirgends richtig an. Aber er hat doch ein Ziel: Er möchte bei der These vom antisemitischen Querdenker ankommen. Das hatte er schon im Intro versprochen.

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Also was macht der Reporter unter den Eindrücken eines muslimischen Antisemitismus, der sich auf deutschen Straßen Bahn bricht und dabei noch von Linksextremisten flankiert wird? Er erinnert an die jüngste Mitte-Studie, die doch allen zeige, „was überflüssig sein sollte zu erwähnen: Besonders in rechten und rechtsextremen Kreisen ist Antisemitismus ein weitverbreitetes Phänomen.“

Nein, überflüssig zu erwähnen ist mittlerweile zunächst, dass diese Mitte-Studien schmuddelige Gefälligkeitsstudien sind, über die der Sozialdemokrat Sigmar Gabriel selbst zur Tastatur griff und für den Tagesspiegel einen lupenreinen Verriss schrieb, den er mit den Worten einleitete:

„Es ist doch erstaunlich, wie sehr Politik und manche Medien anscheinend ein krisenhaftes Bild unserer Gesellschaft brauchen, um ihre Daseinsberechtigung zu legitimieren.“

Von der Mitte der Gesellschaft bei Vooren zu Rechten und Rechtsextremen und von dort aus zum Antisemitismus und wieder zurück zur Mitte-Studie. Ein journalistischer Amoklauf nur aus einem Grunde: Um irgendwie den Weg dahin zu finden, dass die Querdenker und Corona-Maßnahmen-Kritiker Antisemiten sind und man also nicht mit ihnen reden darf, wie er es ja schon vor zwei Jahren diffamierend behauptet hatte.

Christian Vooren windet sich dabei wie ein böses störrisches Kind, das beim Klauen erwischt wurde, sich die Aufnahmen der Überwachungskamera anschauen muss und immer noch meint, sich aus der Nummer herausschälen zu können:

„Die Anzahl antisemitischer Delikte – Beleidigungen, Volksverhetzung, Körperverletzung – nimmt seit 2015 zu. Eine Erklärung dafür kann die große Fluchtbewegung sein, während der auch viele Geflüchtete aus muslimischen Ländern nach Deutschland kamen. Doch einen richtigen Boost bekam die Statistik ab 2020: Es war der Beginn der Corona-Pandemie.“

Eine Erklärung für den neuen Antisemitismus „kann“ die Massenzuwanderung vornehmlich muslimischer junger und vielfach antisemitisch erzogener arabischer Männer sein? Die Untersuchungen, die das einwandfrei belegen, lässt Voosen natürlich weg. Aber selbst, wenn es diese nicht gäbe, wären doch die antisemitischen Ausschreitungen von Muslimen auf den Demonstrationen der letzten Wochen Belege genug.

Das stört Vooren alles nicht. Seine Einlassungen werden mit jedem weiteren Abschnitt immer grotesker, wenn er wie ein Ertrinkender nach Worten ringt:

„Auf Anti-Corona-Demos konnte man Plakate sehen, auf denen vom Great Reset die Rede war, von Globalisten und von der neuen Weltordnung. Auf einem Plakat stand: ,Impfen macht frei'.“

Und dann hat Vooren viel zu viele unsinnige Sätze geschrieben und kaum noch Platz, also platzt endlich aus ihm heraus, wo er doch die ganze Zeit hinwollte, aber den Weg nicht fand, schlicht weil es keinen gibt von Querdenken zu so einem idiotischen Unsinn aus der Mottenkiste der unzähligen Diffamierungskampagnen gegen Corona-Maßnahmenkritiker:

„Reihenweise wurde der Holocaust relativiert, sogar geleugnet. Es wurden Verschwörungsmythen gesponnen, die Jüdinnen und Juden die Schuld an der Pandemie gaben. (...) Nach zwei Jahren Pandemie waren die antisemitischen Parolen längst in der Mitte der Querdenker-Bewegung angekommen, raus aus dem rechten Rand, rein ins Bürgerliche. Die Pandemie ist unter Kontrolle, die Wut und der Hass sind geblieben. Im Netz kursiert er ungebremst.“

Jeder Journalist, der seinen Beruf ernst nimmt, der sich als Vertreter der Vierten Gewalt versteht, schämt sich an dieser Stelle abgrundtief für den Kollegen und sein durchsichtiges Manöver.

Zwei Jahre nach einer ganzen Serie diffamierender Aussetzer und Fakenews meint Christian Vooren von der „Zeit“, seine Zeit sei gekommen, sich zu rehabilitierten, indem er einfach erneut auf üble Weise Corona-Maßnahmen-Kritiker diffamiert. Dieser Versuch scheitert aber vor allem deshalb so kläglich, weil Christian Vooren dabei notwendigerweise den eingewanderten Judenhass relativieren muss, als sei dieser nur noch halb so schlimm.

Aber die Ächtung von Judenhass muss absolut sein. Und sie eignet sich schon gar nicht als Faustpfand für das Greenwashing eines journalistischen Geisterfahrers. Warum die Zeit Christian Vooren hier gewähren lässt, bleibt indes unklar.

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