Sind Janine Kunze und Miky Beisenherz Rassisten?

Shitstorm über WDR: Vier Weiße reden über Zigeunersoße

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Sind Janine Kunze und Mikey Beisenherz Rassisten?
Janine Kunze zu Gast im Meinungstalk "Die letzte Instanz" © Screenshot: WDR

Moderator Micky Beisenherz schoss in seiner Entschuldigung den Vogel ab als er sagte: „Eine Sendung, in der vier Kartoffeln sitzen und mittels Karten über Rassismus abstimmen, hat ein Problem.“ Ja, möglicherweise ein Problem damit, dass eine dieser Kartoffeln sich selbst rassistisch als Kartoffel definiert und darüber vergisst, dass wir uns immer noch in Kartoffeldeutschland befinden, nicht in Reis-Japan oder Maniok-Afrika.

Zunächst einmal muss ich zugeben, dass ich die WDR Talkshow „Die letzte Instanz“ nicht einmal kannte, bevor das Format, wie gleich zu erzählen sein wird, irgendwie implodiert ist. Schauspielerin Janine Kunze und Moderator Micky Beisenherz kenne ich allerdings. Erstere übernimmt gerne Charakterrollen, die eine burschikose Kumpeligkeit auszeichnen, versprüht ein rheinländisches Temperament, gibt sich gerne bodenständig sexy und macht den Eindruck, als würde sie dir distanzlos ihren Ellenbogen in die Seite rammen, wenn du ihr dumm kommst – sympathisch!

Beisenherz mag sich selbst gerne, pflegt diesen selbstbewussten Frank-Schätzing-Charme, ist recht pfiffig, hat aber mitunter Schwierigkeiten, sich klar zu positionieren. So ist das halt, wenn man immer auf der Suche nach der kompatibelsten Position ist, immerhin reicht das für Auftritte bei Maischberger und für eine kleine Show auf Magenta-TV, dem Telekom eigenen Kundenfernsehen.

Kunze und Beisenherz also bei „Die letzte Instanz“ – übrigens auch Deutschland-Remigrant Thomas Gottschalk war anwesend und trat ebenfalls ins Fettnäpfchen, dazu später. Worum geht es in dieser Show? Es soll darum gehen, „kontroverse Themen auf unterhaltsame Weise“ zu diskutieren. Jeder Gast dürfe seine Meinung äußern. Das klingt grundsätzlich vielversprechend. Und amüsant auch deshalb, weil es mit dieser Ansage den Eindruck macht, als wäre das in den bisherigen Talkshows nicht gegeben. Was auch stimmt.

Dieses Mal allerdings ging etwas schief, denn in der Mediathek des WDR wurde die Aufzeichnung der Sendung mit einem Warnhinweis versehen: „Die nachfolgende Sendung steht aktuell unter starker Kritik – und das zu Recht“. Der Sender hat also Fehler gemacht und gesteht sie ein. Aber warum?

„Rückblickend ist uns klar:“, heißt es weiter, „Bei so einem Thema hätten unbedingt auch Menschen mitdiskutieren sollen, die andere Perspektiven mitbringen und/oder direkt davon betroffen sind. Wir lernen daraus und werden das besser machen.“ Weil man sich aber nun der Kritik stellen will, hätte der WDR, so heißt es, die Sendung in der Mediathek belassen. Aber was wäre die Alternative, etwa still und heimlich oder mit Trommelwirbel löschen? 60 Minuten Talk, die erhalten geblieben sind.

Die Themen waren: „Das Ende der Zigeunersauce: Ist das ein notwendiger Schritt?“, „10 Jahre Instagram: Sind soziale Medien ein Fortschritt?“, „Good Cop, Bad Cop: Können wir der Polizei noch vertrauen?“ und „Extrem gepiercte und tätowierte Erzieher und Lehrer: Können wir das unseren Kindern zumuten?“

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Die Gäste sollen mit einer roten oder einer grünen Karte die These ablehnen oder zustimmen. Die Zigeunersoße-Frage wurde von allen vier Gästen (inklusive Moderator Gottschalk und Big-Brother Jürgen Milski) mit der roten Karte beantwortet. Es gäbe also keine Notwendigkeit, die Soße antirassistisch umzubenennen.

Als eine der ersten beschwerte sich die SPD-Vorsitzende Saskia Esken per Twitter über die vier roten Karten: „Mir fehlen die Worte. Das ist wirklich nur noch zum Schämen.“, ein Shitstorm wurde vom Zaun gebrochen, der WDR entschuldigte sich und dann (mussten?) auch noch Beisenherz und Kunze Abbitte leisten zur Freude der Medien und des Senders: Denn ein wenig geschautes TV-Format bekam so etwas mehr Aufmerksamkeit, wenn auch der negativeren Art.

Zwei Kritikpunkte müssen hier auseinandergehalten werden: Einmal geht es um die Zusammensetzung der Runde, wo ohne Sinti und Roma über Zigeunersoße diskutiert wurde. Und weiter um die Meinungen der Gäste, die ebenfalls empörten. Die Zusammensetzung zu kritisieren ist aber schon deshalb quatsch, weil die vier großen politischen öffentlich-rechtlichen Talkshows von Will bis Illner vor allem eines sind: einseitige Veranstaltungen ohne Oppositionsführer, ohne kritische Stimmen und unter dem dringenden Verdacht, Regierungsfernsehen zu sein, wo fast ausschließlich Protagonisten der Regierung und die von ihr ausgewählten Experten im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu Wort kommen. Diese Art Fernsehen müsste sich also mindestens viermal die Woche entschuldigen, das bleibt aber aus.

Es macht allerdings einen Unterschied, ob ich politisch diskutiere und kritisch Stimmen ausblende oder gesellschaftliche Debatten führe und hier vier weißhäutigen Personen unterstelle, dass sie bei einem von vier Themen nicht in der Lage wäre, empathisch auch das Problem der Minderheit mitzudenken, wenn diese nicht vertreten ist. Geht man die vier Fragen der Sendung „Die letzte Instanz“ durch, hätten also nicht nur Sinti und Roma, sondern auch Polizisten (Polizeifrage), Instagram-Influencer (10 Jahre Instagram) und ein tätowierter und gepiercter Lehrer auftreten müssen. Aber das Konzept der Sendung besteht eben darin, deutschsprachige Sympathieträger unabhängig ihrer Herkunft und Komptabilität zum Thema einzuladen und deren Meinung abzufragen. Also viermal Zigeunersoße aufs Schnitzel, Zigeunerbaron im Theater und „Zigeunerjunge“ im Radio.

Zigeuner? „Entschuldigung“, so Janine Kunze auf ihre unverwechselbare Art und Weise in der Runde, „Entschuldigung, hier sitzt eine blonde Frau mit relativ großer Brust.“ Klar, die Blonde mit der Oberweite muss sich auch vieles anhören, möchte man spontan einwenden: Aber blonde dicke Oberweiten kamen auch nicht ins KZ, so es nicht die äußeren Merkmale jüdischer oder andere verfolgter Frauen waren. Nein, so eine Frage muss in einer Talkshow auch nicht in zeitlich nächster Nähe zum Holocaust-Gedenktag gestellt werden.

Könnte man einwerfen, darf man auch nie vergessen, muss man aber hier nicht an erste Stelle einer Empörung setzen, wo zunächst mal die Lebenswirklichkeit der Menschen von heute debattiert werden soll.

Gottschalk erinnert an den Mohr im Struwwelpeter und daran, dass er ein Erweckungserlebnis hatte, als er sich in Beverly Hills beim Fasching als Jimi Hendrix (farbiger Musiker) verkleidete. Da hätte er gespürt, wie sich Schwarze fühlen würden – ja, möglicherweise in seinem Faschingsumfeld.

Klar, Empathie für die Lebenswirklichkeit vieler Menschen geht anders als bei Villa Gottschalk. Aber was soll hier die Perspektive sein? Hier greift das Korrektiv der öffentlichen Meinungsbildung doch dank sozialer Medien binnen Minuten ein. All das gehört zum Kontext dazu, wo sollte da Platz für nachgereichte Entschuldigungen frei geräumt werden müssen, wenn nicht aus Sorge um Jobs in Sendungen der öffentlich-rechtlichen Sender?

Janine Kunze soll nun deshalb eine Rassistin sein? Sicher, es geht passender, aber warum eigentlich sollten in einer weißen Mehrheitsgesellschaft vier prominente Weiße nicht über beispielsweise Diskriminierung von Farbigen diskutieren dürfen? Und noch dazu unter Beobachtung der sozialen Medien? Auch Weiße sollten sich nicht die Empathie für Probleme von Minderheiten absprechen lassen. Zumal in diesem herausragenden freiheitlich-demokratischen westlichen Wertesystem, das sie sozialisiert und das sie mal mehr mal weniger mitgeprägt haben.

Und bitte nicht vergessen: Die Zigeunersoße war in dieser Sendung eines von vier Themen ohne weitere thematische Anklänge an Minderheiten. Und es entspräche möglicherweise nicht einmal der Idee des Formats, denn hier geht es ja nicht zwingend darum, was Betroffene sagen, sondern was bestimmte Sympathieträger zu bestimmten Themen für eine individuelle Meinung haben.

Schade: Der WDR stellt sich nicht hinter seine Gäste. Er entschuldigt sich sogar schon, bevor die Betroffene etwas dazu gesagt haben. Die WDR-Entschuldigung gibt also die Richtung vor, also entschuldigen sich auch die zum Teil von der öffentlich-rechtlichen Gunst monetär abhängigen Künstler. Von Alltagsrassimus ist die Rede. Von einem Anwurf Richtung Mehrheitsgesellschaft, der immer öfter – das muss man leider sagen – auch dafür missbraucht wird, sich einer Integration in diese Mehrheitsgesellschaft zu entziehen.

Janine Kunze wird nun nach Selbstbekunden „künftig ihre Wortwahl überdenken.“ Das aber wäre bei dieser herrlichen Schnotterschnauze sehr bedauerlich. Denn Kunze ist alles andere als das dumme Blondchen mit der großen Oberweite, was sie selbst mit starkem Augenzwinkern in einer eigentlich harmlosen kleinen Talkshow nach vorne geschoben hatte.

Beisenherz allerdings schoss in seiner Entschuldigung das Wasser zum Kochen und man darf sogar kurz darüber nachdenken, ob der pfiffige Moderator in seine Abbitte nicht einen versteckten Seitenhieb gegen die Kritiker und Shitstürmer gepackt hat, als er sagte: „Eine Sendung, in der vier Kartoffeln sitzen und mittels Karten über Rassismus abstimmen, hat ein Problem.“ Ja, möglicherweise ein Problem damit, dass eine dieser Kartoffeln sich selbst despektierlich und – der Definition folgend – rassistisch als Kartoffel definiert und darüber vergisst, dass wir uns immer noch in Kartoffeldeutschand befinden, nicht in Reisjapan oder in Maniok-Afrika.

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Kommentare

Kommentar von Eddy Nova

ICH fasse es nicht - wir reden doch hier über die knapp 60 Minuten Sendung mit den o.e. 4 Gästen,respektive über die ersten rund 20 Minuten eben dieser.ICH schaute diese Sendung auf Youtube-komplette 60 Minuten.Danach war ich ratlos...und suchte noch 15 Minuten im Youtube Menü um endlich den Skandal zu finden der den Twitter Trends endlich einmal wieder TRUMPAMERICA "Click" Niveau verschaffte ...
Nach 20 Minuten hatte ich kapiert-ich hatte den Skandal schon gesehen,nur nicht bemerkt...Nochmals die ersten 20 Minuten,vielleicht hatte ich ja etwas überhört...gut etwas skandalös fand ich die mässig hübsche Lady-bezeichnete sie sich doch als blonde Frau mit großen Brüsten obwohl sie gar keine richtig großen hat.Aber irgentwie beschlich mich das Gefühl das die Körbchengröße Lüge mit skandalös gar nicht gemeint war.
Ladies first -von der Dame kam absolut nichts was auch nur im entferntesten als skandalös betrachtet werden könnte ...ausser...das hatte ich schon.
Gottschalk,hier fällt mir gar nichts ein was auch nur im entferntesten skandalträchtig wäre...blackfacing,meine Herren,bei jedem Voodoo Ritual in Afrika färben sich Negros die Gesichter weiß...ohne das jemand Rassismus unterstellt.
Der mir völlig unbekannte Beisenherz brachte einen klugen Kommentar über die Verfälschungen alter Klassiker -sehr gut,da völlig klar ist das es gen Ende nicht beim Austausch Negerkönig /Südseekönig bleiben wird.
Beim Big Brother Jürgen stellte ich erstaunliches fest-der Grund der zu einem Social Network Shitstorm par excellence führte hatte gar nichts mit dieser Sendung zu tun! Der Song "Deutschland ist ein geiles Land"kam in der Sendung nicht einmal in Erwähnung vor und doch steht er im Mittelpunkt des Social Network Shitstorm...
Königsberger Klöpse,Negerküsse,Wiener Schnitzel,Zigeuner Sauce - hier ist der Punkt erreicht,wo ich gar nichts zu sage...Hier gehtr es weder um Neger,Wiener,Königsberger,noch Zigeuner-hier geht es einfach nur darum das die linke Bagage Weisse domestizieren will..
Da sie selbst Weiss sind fällt mir dazu nur ein "Nur der dümmste Vogel scheißt ins eigene Nest"...Wütend macht mich allerdings die Methodik der linken Nichtsnutze:bevor ich die Sendung sah hatte ich den Shitstorm auf "X Kanälen" gelesen-90% der Vorwürfe kamen trotz Suggestion dem wäre so überhaupt nicht in der Sendung vor.
Noch wütender macht mich allerdings die Endschuldigungsorgie - soetwas macht man einfach nicht!Man entschuldigt sich nicht für 100% "nichts"...
Natürlich war es für mich "allein gegen alle" ein leichtes die Twitter und Co Netzwerke zu "rocken"-fast 5.000 Clicks in 4,5 Stunden für grade einmal 30,35 kurze tweets deren Topic eigentlich recht simple war...ich wollte einfach nur einen konkreten kritablen Satz eines der incl. Moderator 5 Protagonisten hören...!Ich bekam eine Menge Feedback-90% hatten gar nichts mit der Sendung zu tun und insgesamt bis dato !!! 35 Twitter emails über eine eingegangene Beschwerde ...
DAS macht mich dann aber doch nachdenklich-wie geisteskrank ist die Gesellschaft die die Merkel Bande erschaffen hat.Ein ideologischer Fanatismus der an japanische Kamikaze Flieger erinnert-einziger Unterschied,die heutigen hätten als Ziel vermutlich die Heimat ausgewählt.
Hier muß ich meinen Lieblingsblogbetreiber-heißt es so ???- mal kritisieren: auf Bullshit einzugehen legitimiert den Bullshit irgentwo.Natürlich bleibt die zentrale Frage:was ist mit dieser irrsinnigen linken Bagage schiefgelaufen,was läuft in ihren Hirnen verkehrt ?! Mich berührt es emotional sehr wenn ich TRUMPAMERICAS,ALMOMEXICOS,SMITHRODESIA,BOLSONAROBRASIL PATRIOTEN &SEXY PROBLEMAS Fahnen schwenkend sehe...Und was habe ich frage ich mich dann ...Daraus resultierend ergibt sich nur eine Antwort...WIR oder SIE...darauf läuft es hinaus...