Noch-Kulturstaatsminister Wolfram Weimer bekommt nichts richtig hin. Jetzt musste er die offizielle Verleihung des von der Bundesregierung vergebenen Deutschen Buchhandlungspreises bei der Leipziger Buchmesse am 19. März absagen.
Der Grund: Weimer ist der Protest gegen eine Streichung von drei linksradikalen Buchhandlungen der ursprünglichen Nominierungsliste offenbar über den Kopf gewachsen. Ärger über Ärger und zudem einen Hochstapelei-Skandal in eigener Sache im Nacken.
Die von der Liste gestrichenen Buchhandlungen klagen und die Jury, die diese Läden nominiert hatte, wehrt sich ebenfalls gegen die Entscheidung des Kulturstaatsministers. Der lässt verkünden, er wolle seine Entscheidung irgendwann zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal öffentlich debattieren lassen.
Was aber in der Berichterstattung deutlich zu kurz kommt, ist die Frage, was das für eine Jury ist, wer sie eingesetzt hat und warum diese Jury überhaupt linksradikale Buchhandlungen auf die Liste gesetzt hatte.
Dazu muss man wissen:
Die Jury für den Deutschen Buchhandlungspreis wird vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) berufen bzw. eingesetzt. Also von Weimer selbst!
Konkret geht es so: Weimer wählt die Jury aus. Die Jury schlägt bis zu 118 Buchhandlungen vor. Weimer hat das letzte Wort bei der finalen Freigabe der Liste und kann – wie 2026 geschehen – Vorschläge streichen (hier unter Berufung auf „verfassungsschutzrelevante Erkenntnisse“ via Haber-Verfahren).Hier lohnt es, sich einmal anzuschauen, wen das Kulturstaatsministerium auserkoren hat, die Jury zu besetzen und die Preise der Bundesregierung zu vergeben.
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Den Vorsitz hat Maria-Christina Piwowarski. Sie ist Moderatorin, Podcasterin und frühere Buchhändlerin. Piwowarski positioniert sich links-progressiv bis deutlich links im Spektrum, mit starkem Fokus auf Feminismus, Antikapitalismus und queer-feministische sowie antidiskriminatorische Themen.
In der Jury sitzen:
Jörg Engelbrecht ist Vertriebs- und Marketingleiter beim Verlag Klaus Wagenbach in Berlin. Der Verlag wurde 1964 von Klaus Wagenbach gegründet und gilt als klassisch links-intellektueller, antikapitalistischer unabhängiger Verlag mit stark progressiver bis linksliberaler Ausrichtung.
Anne Friebel positioniert sich politisch deutlich links-progressiv bis explizit feministisch und queer-inklusiv – ähnlich wie Maria-Christina Piwowarski.
Thomas Kohle ist Sales Manager Sortiment bei den Aufbau Verlagen in Berlin. Ein traditionsreicher, unabhängiger Verlag mit linksliberaler bis links-progressiver Ausrichtung.
Margit Lesemann arbeitet und agiert als freie Literaturjournalistin in einem deutlich links der Mitte verorteten Umfeld.
Lena Renold – die Verlagsvertreterin ist ebenfalls in einem links-liberalen bis links-progressiven Umfeld unterwegs.
Michael Schmitt war von 1995 bis 2025 Literaturredakteur beim linken ÖR-Sendeformat „3sat Kulturzeit“. Ebenfalls samt linker Vita und Umfeld.
Diese klassischen Vertreter einer regierungsnahen linken Kultur sind die Favoriten des Kulturstaatsministers Wolfram Weimer. Und diese Auswahl ist für ihn jetzt zu einem weiteren persönlichen Stolperstein geworden. Die Anbiederung an Vertreter einer überwiegend linken Kulturszene ist misslungen.
Der sich selbst vor Amtsantritt als in der Selbstdarstellung konservativ positionierende Weimer will sich dem linken Kulturbetrieb andienen und scheitert. Es ist das Scheitern eines Hochstaplers, eines notorischen Blenders und Angebers.