Im Kunstmuseum Wolfsburg läuft derzeit die große Themenausstellung „Tell Me Where Home Is“. Kuratiert von Dr. Uta Ruhkamp versammelt sie rund 160 Arbeiten von 61 Künstlerinnen und Künstlern. Im Zentrum steht die Frage, was „Heimat“ heute noch bedeuten könne – als Ort, Gefühl, Erinnerung, Geruch, religiöse Praxis oder gemeinsames Essen.
Die Schau versteht sich ausdrücklich nicht als reine Flüchtlingsausstellung, sondern als Statement für „Heimaten überall, für alle“ in „Postmigrationsgesellschaften“.
Im Werbefilm zur Ausstellung formulieren Museumsdirektor Dr. Andreas Beitin und Kuratorin Dr. Uta Ruhkamp das Programm mit bemerkenswerter Offenheit.
Beitin erklärt:
„Heimat ist im Grunde genommen eine sehr komplexe und auf jeden Fall auch eine sehr emotionale Sache. Denn jeder beurteilt das, was Heimat sein kann, vollkommen anders. Es können Orte sein, es können Gerüche sein, es kann Musik sein, es können Menschen sein. Viele Leute haben aber auch, glaube ich, den Kontakt zu dem, was Heimat sein könnte, oft verloren.“
Später ergänzt er:
„Wir wollen mit unserer Ausstellung tatsächlich versuchen, Empathie zu wecken, Interesse und Offenheit dem gegenüber, was es für andere Menschen bedeutet, die Heimat vielleicht verloren zu haben und heimatlos zu sein. Es geht natürlich sehr viel eben auch um Migrationsgeschichte, Postmigration usw. Und am Ende natürlich steht auch immer letztendlich die unausgesprochene Aufforderung im Raum, dass jeder sich auch mal darüber Gedanken macht, wer was oder wo Heimat sein kann. (…) Es gibt nicht nur die eine Heimat, nicht nur das eine Dorf (…). Und unsere ganze Ausstellung ist im Grunde genommen ein Statement zugunsten dieser Vielfalt.“
Ruhkamp geht noch weiter. Es sei das erste Mal, dass auf den Labels weder Geburtsjahr noch Nationalität der Künstlerinnen und Künstler aufgeführt würden – „weil einerseits fast alle KünstlerInnen der Ausstellung eine transnationale Biografie haben und sehr viele KünstlerInnen auch tatsächlich postnational denken. Und dann gibt es ganz unterschiedliche Arten der KünstlerInnen, die im Grunde alle auf eine kollektive Idee von Gesellschaft hinauswollen, die sich eben nicht an Grenzen festmacht, sondern eher am Zwischenmenschlichen festmacht.“
Heimathäfen müssten nicht örtlich gedacht werden, sondern könnten durch „Gemeinschaftsbildung durch gemeinsame kulturelle Praktiken – seien es religiöse, seien es gemeinsames Essen, seien es bestimmte Düfte“ entstehen. Und:
„Und eigentlich haben sich so viele kulturelle Einflüsse in unseren Postmigrationsgesellschaften eigentlich schon längst in unserem Alltag manifestiert, dass wir eigentlich innerhalb dieser Landesgrenzen schon postnational leben, kann man sagen. (…) Wenn wir alle lernen würden, postnationaler zu denken. Das heißt nicht, dass wir alle Länder auflösen müssen, aber sie müssen nicht der Anlass von Konflikten sein. Wenn wir Grenzen weicher denken, Grenzen, die die Natur und nicht humane Wesen im Übrigen überhaupt nicht kennen.“
Was hier als Empathie, Offenheit und Vielfalt daherkommen will, ist die gezielte Umdeutung und Entleerung des Heimatbegriffs. Die Nation, das Volk, die geographisch und historisch gewachsene Gemeinschaft, die Ahnenreihe und das Sicherheitsversprechen, das Menschen über Generationen aufgebaut und weitergegeben haben – all das wird als anachronistisch und potenziell konfliktträchtig dargestellt.
Stattdessen wird Heimat auf individuelle Empfindungen, Gerüche, Speisen und religiöse Praktiken reduziert. Gerade der Verweis auf Religion als mögliche Heimat ist in Anbetracht des aggressiven Islamismus, der Parallelgesellschaften und der Importkonflikte, die Deutschland seit 2015 erlebt hat, von besonderer Brisanz.
Die Ausstellung präsentiert die massenhafte Zuwanderung und die daraus folgende Veränderung der Gesellschaft als quasi-natürlichen Prozess – vergleichbar mit Regen und Sonnenschein. Die Kuratorin verweist auf Grenzen, die „die Natur (…) überhaupt nicht kennen“.
Politische Entscheidungen, Asylrecht, das ad absurdum geführt wurde, die Willkommenspolitik Angela Merkels, die Freude von Politikerinnen wie Katrin Göring-Eckardt oder von Wirtschaftsvertretern wie Dieter Zetsche über ein „neues Deutschland“ mit neuen Menschen – all das wird ausgeblendet.
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Stattdessen wird eine Ideologie der „Vielfalt“ und des Postnationalen als selbstverständlich und alternativlos verkauft. Vielfalt, die am Ende zu einer gleichförmigen, entwurzelten Masse führen kann, in der globale Konzerne leichter operieren, weil nationale Konsum- und Produktionskulturen aufgelöst sind.
Kunst, besonders subventionierte Kunst, ist hier kein harmloses Elitenvergnügen. Sie funktioniert als Gatekeeper. Lehrer, die eine solche Ausstellung besuchen und davon „überzuckert“ sind, tragen die Botschaft in die Schulen. Was als interpretatorischer Freiraum daherkommt, transportiert eine politische Agenda: die Auflösung des Nationalen, die nachträgliche Legitimation der Merkelschen Verwerfungen und die Vorstellung, dass Grenzen weich und Nationen längst überflüssig seien.
Ein zentrales Werk der Ausstellung macht das besonders deutlich: Alfredo Jaars Installation „One Million German Passports“ (2023). Eine Million täuschend echt aussehender, aber nicht authentischer deutscher Reisepässe, dicht gestapelt zu einem massiven Block hinter Hochsicherheits- bzw. Verbundglas.
Die Zahl eine Million verweist bewusst auf die Größenordnung der Zuwanderung 2015/16, die Merkel als „großherzige Geste“ empfing. Jaar hatte das Prinzip bereits 1995 mit „One Million Finnish Passports“ erprobt, damals als Kritik an restriktiver Einwanderungspolitik.
In der deutschen Version werden die Dokumente der Zugehörigkeit zur abstrakten Masse. Hinter Glas wirken sie wie ein geschützter Schatz oder ein unerreichbares Relikt – als sei der deutsche Pass etwas Museales, das man bewahren, aber nicht mehr ernsthaft beanspruchen solle. Man hätte die Pässe auch in eine Wühltisch-Ecke schmeißen können, um das Verramschen der Staatsbürgerschaft zu zeigen. Stattdessen wird die Unzugänglichkeit inszeniert, während die politische Botschaft klar ist: Scheiß auf Pässe, scheiß auf Nationen.
Das Kunstmuseum Wolfsburg ist kein rein staatliches Haus. Es wird getragen von der gemeinnützigen Kunststiftung Volkswagen. Ein Großteil der Mittel stammt aus der Holler-Stiftung. Die Stadt Wolfsburg war an der Anschubfinanzierung beteiligt; es gibt punktuelle öffentliche Mittel etwa über die NBank oder Bundesprogramme für einzelne Projekte.
Der Kern bleibt jedoch privat und eng mit dem Konzern verknüpft. Ein global agierender Automobilkonzern, der nationale Grenzen nur bedingt denkt und akzeptiert, hat ein Interesse an mobiler, flexibler Arbeitskraft und an einer Gesellschaft, in der Herkunft und Zugehörigkeit relativiert werden. Das passt zur Ideologie der Ausstellung.
Dass all das in einem politischen Klima stattfindet, in dem eine CDU-geführte Bundesregierung angekündigt hat, wieder produktiven Stolz auf dieses Land zu ermöglichen, macht die Diskrepanz besonders scharf. Die Ausstellung wirkt wie eine nachgereichte Legitimation früherer Politik – finanziert und ermöglicht von Kräften, die entweder ideologisch mitziehen oder die kulturelle Hegemonie des linken Kunstbetriebs nicht antasten wollen.
Der Wille, über Generationen etwas aufzubauen und weiterzugeben, das Sicherheits- und Schutzkonzept einer gewachsenen Gemeinschaft, der Unterschied zwischen Völkern und ihren Kulturen: all das wird hier nicht thematisiert, sondern als überwunden oder problematisch dargestellt.
„Tell Me Where Home Is“ ist kein neutraler Nachdenkraum. Es ist ein Statement für die Auflösung dessen, was Deutschland als Nation und Heimat ausmacht, verpackt in Empathie-Rhetorik und Vielfalt. Wer die Kommentare von Beitin und Ruhkamp ernst nimmt, erkennt das Programm.
Ja,. Kunst darf kritisch sein. Subventionierte und von Großkonzernen getragene Kunst, die die eigene Gesellschaft abschafft und das als Fortschritt verkauft, sollte man jedoch mit maximaler gesunder Skepsis begegnen. Und nein, diese Skepsis ist nicht, was die Macher dieser Ausstellung provozieren wollen.
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