Ich habe erwachsene Söhne. Wann wird es Zeit, diese Jungs vor einem drohenden Kriegseinsatz in Sicherheit zu bringen?
Ich bin kein Prophet, aber ich habe den deutlichen Eindruck, dass wir von einem politisch-medialen Establishment regiert oder beherrscht werden, das gezielt auf eine kriegerische Auseinandersetzung mit Russland hinarbeitet. Das macht mir große Sorgen. Wir müssen den Menschen in Deutschland endlich ins Bewusstsein rufen, dass es hier Politiker gibt, die in skrupelloser und wahnhafter Verblendung einen solchen Konflikt herbeiführen wollen.
Es gab Zeiten in Deutschland, wo es zu spät war, das Land zu verlassen. Auch die ukrainischen jungen Männer haben kaum noch eine Chance, ihr Land zu verlassen.
Die ukrainischen jungen Männer leben bereits seit Jahren in ständiger Angst, sich überhaupt auf die Straße zu wagen, weil sie von den Menschenfängern des Selenskyj-Regimes eingezogen und an der Front verheizt werden könnten.
Mein Großvater hat meinem Vater einmal gesagt, sein größter Fehler sei gewesen, in den 1930er Jahren zu glauben, das Hitler-Regime werde schnell zusammenbrechen, weil es ökonomisch und außenpolitisch am Ende sei. Er hat sich dramatisch geirrt. Dann kam der Zweite Weltkrieg, und es war zu spät, das Land zu verlassen. Ich habe mir immer vorgenommen, diesen Fehler nicht zu wiederholen. Deshalb beobachte ich die aktuelle Entwicklung mit großer Sorge. Die Eskalationsspirale dreht sich weiter.
Entweder es setzt sich diese verhängnisvolle Logik fort, oder es tritt irgendwann ein starker politischer Wille auf, der in die sich drehenden Speichen greift und sagt: Schluss damit – wir setzen auf Frieden und Diplomatie. Noch stehen wir nicht unmittelbar vor einer militärischen Auseinandersetzung, aber die Gefahr wächst kontinuierlich.
Das wäre die nächste Frage. Wie realistisch erscheint Ihnen ein Krieg mit Russland 2029? Wo kommt dieses Datum überhaupt her?
Dieses Datum hängt offensichtlich mit den NATO- und Bundeswehr-Plänen zusammen, wonach Deutschland und die europäischen Partner bis 2029 wieder „kriegsfähig“ sein sollen – sowohl bei der Aufrüstung als auch bei der personellen Ausstattung. Ich halte 2029 nicht für ein festes Datum eines Kriegsbeginns. Wenn ich mich jedoch in die Lage Putins und der maßgeblichen Kräfte im Kreml versetze, werden diese sicher nicht tatenlos zusehen, wie der Westen sich angriffsfähig aufrüstet. Ohne eine ernsthafte Bereitschaft des Westens zu diplomatischen Lösungen befürchte ich, dass es auch deutlich früher zu einer direkten Auseinandersetzung kommen kann.
Glaubt man Medienberichten, dann soll die Drohnen-Aufrüstung der Ukraine das Blatt wenden. Haben Sie Hoffnung, dass eine Bedrängnis Russlands den Krieg beenden könnte?
Nein, überhaupt nicht. Wir sehen bereits jetzt Angriffe mit Drohnen oder Mittelstreckenraketen auf russisches Kerngebiet. Da stellt sich zwangsläufig die Frage: Woher kommen diese Waffen? Stammen sie aus deutscher Produktion? Handelt es sich womöglich um Taurus-Systeme, die unter anderem Namen geliefert wurden?
Ich kann mir nicht vorstellen, dass Putin dauerhaft stillhält. Aus meiner Sicht ist er nicht einmal der aggressivste Akteur im Kreml. Es gibt deutlich radikalere Stimmen, die fordern, die russischen Verteidigungsmöglichkeiten endlich voll einzusetzen. Das würde uns unweigerlich in einen großen militärischen Konflikt führen – den niemand wollen sollte, außer den Kriegsprofiteuren und den kriegshetzerischen Verrückten.
Verweigert Putin diplomatische Verhandlungen?
Ich glaube nicht, dass Putin Verhandlungen grundsätzlich verweigert. Er befindet sich derzeit jedoch in einer deutlich stärkeren Position als noch vor drei Jahren. Er betreibt den Ukraine-Krieg als Schlachthaus und setzt auf die ökonomische und finanzielle Zermürbung des Westens. Gleichzeitig stellen die wiederholten Angriffe auf russisches Kernland eine schwere Provokation dar, die jederzeit eine harte militärische Reaktion auslösen kann.
Ein Bild hat sich mir eingebrannt: Ein langer Tisch. Auf der einen Seite Putin, am anderen Ende der damalige Kanzler Scholz. Dazwischen eine Corona-Ansteckungsangst. Was glauben Sie, haben diese Berührungsängste und die Corona-Panik Diplomatie verhindert?
Ich glaube nicht, dass es primär an diesen Berührungsängsten lag. Der eigentliche Grund war der mangelnde Wille des Westens, ein ehrlicher Makler zu sein – weder zwischen der Ukraine und Russland noch zwischen der Biden-Administration und Moskau. Deutschland hat sich schon vor langer Zeit von einer ernsthaften diplomatischen Rolle verabschiedet und setzt einseitig auf die militärische Karte. Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Strategie zum Erfolg führt.
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Trump und Putin haben sich in Alaska getroffen. Man hatte Hoffnung auf Friedensverhandlungen. Die Europäer haben das verhindert, weil sie den Krieg wollten. Wahr oder unwahr?
Etwas Wahres ist durchaus daran. Putin hatte damals hoch gepokert und erwartete, dass die enormen russischen Opfer zumindest teilweise durch territoriale Zugeständnisse anerkannt werden. Darauf wollten sich weder die EU, die Ukraine noch große Teile des Westens einlassen. So wurde eine reale Chance auf Waffenstillstand und Frieden vertan.
Die letzten Weltkriege hießen Weltkriege, weil die halbe Welt daran teilgenommen hat. Aber es sind nicht alle gleichzeitig in den Krieg eingestiegen. Etwa die Amerikaner erst 1941. Da gab es den Angriff auf Pearl Harbor. Es gab im Ersten Weltkrieg die Versenkung eines US-Schiffes. Mich irritieren aktuell diese verirrten Drohnenflüge über Nato-Gebiet. Oder ist das paranoid gedacht?
Nein, das ist keineswegs paranoid. False-Flag-Operationen oder inszenierte Zwischenfälle waren in der Geschichte immer wieder probate Mittel, um einen Kriegsgrund zu schaffen. Ich sehe die heutige Situation ähnlich. Es gibt eine einflussreiche Kriegsfraktion – Bellizisten –, die jeden Anlass nutzen würde, um den Westen in einen direkten Krieg hineinzuziehen. Leider gehören solche Kräfte auch zu den politisch Verantwortlichen im Westen.
Die Haltung gegenüber dem neuen ungarischen Ministerpräsidenten war zuletzt schwankend. Aber die letzte Begegnung zwischen Péter Magyar und Frau von der Leyen scheint jetzt doch ein klares Bild zu malen. Hat der ungarische Ministerpräsident sein Land an Brüssel verkauft?
Davon bin ich fest überzeugt. Ich habe mich gewundert, dass manche Konservative und Liberale in Deutschland nach der Wahl von Péter Magyar meinten, hier sei ein konzilianterer Orbán gewählt worden, der die Interessen Ungarns ähnlich stark wie er, nur weniger polternd vertreten würde.
In Wahrheit ist Péter Magyar eine Kunstfigur, ähnlich wie Emmanuel Macron – von oben aufgebaut mit einer Partei, die plötzlich über enorme finanzielle Mittel und Zugänge verfügte. Er hat im Wahlkampf genau das versprochen, was viele Ungarn hören wollten. Tatsächlich aber handelt er als Marionette Brüssels, vergleichbar mit Donald Tusk in Polen. Er wird exakt das umsetzen, was Berlin, Paris und Brüssel von ihm erwarten. Es ist schade, dass jetzt die deutschen Konservativen auf Grund seiner Wahlpropaganda Hoffnung schöpfen, dass es nach Orbán doch nicht so schlimm in Ungarn wird. Es wird leider schlimm werden.
Wessen Marionette ist Wolfgang Kubicki?
Ich schätze Herrn Kubicki und seine offene, freiheitliche Art durchaus. Dennoch versucht er, einen politischen Leichnam zum Leben zu erwecken – die FDP. Das wird ihm nicht gelingen, denn er ist kein Heiland.
Kubicki hält trotz aller Beteuerungen an der Brandmauer gegen die AfD fest. Er hat wiederholt ausgeschlossen, mit der AfD zusammenzuarbeiten oder auch nur zu sprechen. In einer Zeit, in der sich die große Mehrheit der Deutschen nach einer echten Politikwende sehnt, führt ein solches „Weiter so“ in Koalitionen mit CDU, SPD oder Grünen zu nichts. Eine FDP, die lediglich als Mehrheitsbeschaffer für Friedrich Merz oder Saskia Esken und Lars Klingbeil dient, braucht in Deutschland niemand.
Wird Kubicki hier als Bremsklotz gegen die AfD aufgebaut?
Natürlich ist er ein bewusster Bremsklotz gegen die AfD. Das ist eine völlig durchsichtige Strategie. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie aufgeht. Aus dem Scheitern der Werteunion und der Beobachtung des politischen Betriebs habe ich gelernt: Die Wähler entscheiden sich heute klar. Entweder sie wählen aus Gewohnheit weiter CDU, bleiben aus Frustration zu Hause oder sie wählen die AfD. Für eine Partei dazwischen gibt es aus meiner Sicht keine relevante Lücke mehr. Ich glaube auch nicht, dass Kubicki die Fünf-Prozent-Hürde nehmen wird.
Vielen Dank für das Gespräch!
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