„Die Brandmauer der Union ist bereits Geschichte“

Nochmal zum Nachlesen – Alice Weidel im Exklusiv-Interview: Natürlich kann ich Kanzler!

von Alexander Wallasch (Kommentare: 10)

„Deutschland drohen schwere soziale Verwerfungen und Verteilungskämpfe“© Quelle: Alice Weidel

Alice Weidel ist Bundesprecherin einer AfD, die sich mittlerweile bei 23 Prozent Zustimmung eingependelt hat. Die Sympathiewerte der Parteichefin dürften aber längst deutlich darüber liegen.

Ersterscheinung bei Alexander-wallasch.de am 29.09.2023

Alice Weidel verkörpert heute das Gesicht der Opposition im Deutschen Bundestag. Ihr gegenüber wirkt CDU-Chef Friedrich Merz abgekämpft, unglaubwürdig und konturlos. Dazu passt, dass der neue CDU-Generalsekretär Linnemann der Ampel gerade ein Stillhalteabkommen angeboten hat, wenn es nur gemeinsam gegen die AfD geht.

Für immer mehr Wähler allerdings erscheint eine Kanzlerin Weidel vorstellbarer als ein Kanzler Merz. Woran das liegen könnte, will das folgende Interview mit Alice Weidel ergründen:

Wie ernst ist die Lage, wie dringend braucht es jetzt ein Bündnis für Deutschland?

Die Lage ist dramatisch, die Ampelkoalition ruiniert Deutschland in Rekordgeschwindigkeit. Die Regierung legt die Axt an die Substanz unseres Landes: Die viel beschworene „Transformation“ bedeutet faktisch den Umbau Deutschlands zu einer ökosozialistischen Plan- und Mangelwirtschaft. Es droht die vollständige Deindustrialisierung, zahllosen Bürgern die Verarmung und dem Mittelstand eine beispiellose Insolvenzwelle.

Umverteilung, Markteingriffe und Schuldenmacherei der Ampel lösen Probleme nicht, sondern verschieben sie in die Zukunft und verschärfen sie. Unter dem Vorwand, Deutschland in ein ‚modernes Einwanderungsland‘ zu transformieren, fördert die Koalition die massive Ausweitung der Masseneinwanderung in unsere Sozialsysteme. Wenn das Ampel-Narrenschiff die Unvereinbarkeit von Sozialstaat und Masseneinwanderung mit offenen Grenzen weiter ignoriert, drohen Deutschland schwere soziale Verwerfungen und Verteilungskämpfe.

Welche Partner wären für Sie in so einem Bündnis vorstellbar? Wagenknecht-Partei, Freie Wähler, Teile der FDP, WerteUnion, CSU, eine Gruppe um Boris Palmer, kritische Gewerkschaften, CDU-Kreise um Thorsten Frei oder andere?

Die AfD reicht jedem die Hand, der sich auf friedlichem Wege und mit demokratisch-rechtsstaatlichen Mitteln für die Zukunftsfähigkeit unseres Landes einsetzt. Die Brandmauer der Union ist bereits Geschichte – ich bin davon überzeugt, dass es in absehbarer Zeit in den ostdeutschen Bundesländern zu einer wie auch immer gearteten Zusammenarbeit mit der Union kommen wird.

Möglicherweise hat der Wahlkampf 2025 schon begonnen oder es sind die anstehenden Landtagswahlkämpfe – Stimmt der Eindruck, dass Ihre Mitbewerber den von der AfD priorisierten Themen wie „Begrenzung der Zuwanderung“ jetzt hinterherlaufen?

Für den politisch gewollten Kontrollverzicht in dieser für unser Land existenziellen Migrationsfrage tragen sämtliche im Bundestag vertretene Parteien die Verantwortung – bis auf die AfD. Unkontrollierte Masseneinwanderung importiert Gewalt, Kriminalität und destabilisiert die Aufnahmegesellschaft. Unser Rechtsstaat, unsere Art zu leben, unser Wohlstand und unsere Werte sind mittlerweile ernsthaft in Gefahr.

Es ist eine zentrale Aufgabe des Staates, die Sicherheit und Unversehrtheit seiner Bürger und ihres Eigentums zu garantieren. Wenn er dies nicht mehr gewährleisten kann, droht alles ins Rutschen zu geraten und Deutschland der zivilisatorische Abstieg. Die in Wahlkampfzeiten üblich gewordene, folgenlose Ankündigungspolitik der übrigen Parteien ist schlichtweg der Angst vor dem Wähler geschuldet.

Wie gefährlich kann so ein Einschwenken auf AfD-Themen für das Alleinstellungsmerkmal der AfD werden und wie glaubwürdig ist das eigentlich?

Das Einschwenken der Union ist pure Heuchelei: Wie auch die Energiewende ist die unkontrollierte Massenmigration das Werk von CDU/CSU. Ursächlich für das gegenwärtige Migrationsdesaster sind die fatalen politischen Weichenstellungen der letzten CDU-geführten Bundesregierungen 2015, die die Ampel nahtlos fortführt und weiter verschärft. Die FDP hat sich zum bürgerlichen Feigenblatt und Steigbügelhalter für den grün-roten Wahnsinn degradiert.

Union und FDP haben in Fragen der Einwanderungs- und Sicherheitspolitik jegliche Glaubwürdigkeit verspielt. Die Bürger wissen, dass es die längst überfällige Migrationswende nur mit der AfD geben wird – und nicht mit einer Merz-CDU, die auf Landesebene mit den Grünen regiert und diese desaströse Politik weiter mitträgt. „Rechts blinken und links abbiegen“ verfängt beim Bürger nicht mehr.

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Welche Parteien/Gruppierungen außer der AfD haben überhaupt ein Interesse daran, Zuwanderung zu begrenzen? Wer sind da ihre natürlichen Partner?

Der naheliegendste Partner für eine wirkliche Migrationswende wäre eine glaubwürdig geläuterte Union. Schon allein aus demoskopischen Motiven hätten CDU/CSU ein existenzielles Interesse, dem dramatischen Wandel der Wählerstruktur entgegenzuwirken. Leider ist das im Konrad-Adenauer-Haus noch nicht angekommen. Das gleiche gilt im Grunde für die Gewerkschaften, denn eine soziale Marktwirtschaft ist mit offenen Grenzen nicht zu machen. Leider gibt dort eine ideologiegetriebene Funktionärskaste den Ton an.

Stichwort „Demografischer Wandel“ und „Familienpolitik": Was schlägt die AfD vor, damit Deutsche wieder mehr Kinder bekommen? Oder ist dieser Zug längst abgefahren, soll es die qualifizierte Zuwanderung lösen? Können wir es nicht mit den Menschen schaffen, die im Land sind?

Die Geburtenrate liegt in Deutschland seit Mitte der 70er Jahre weit unterhalb des Niveaus zur Bestandserhaltung. Zuwanderung ist als Mittel zur Beendigung der demographischen Katastrophe und des Fachkräftemangels ungeeignet. Es gelingt Deutschland erkennbar nicht, qualifizierte, integrationswillige Einwanderer zu gewinnen. Die ungesteuerte Massenmigration erfolgt zum weit überwiegenden Teil in die Sozialsysteme und verschärft den Fachkräftemangel weiter: Diese Migranten müssen versorgt werden mit Ärzten, Lehrern, Kita-Plätzen, Polizisten usw.

Es ist aus Sicht der AfD daher eine aktivierende, geburtenfördernde Bevölkerungspolitik notwendig: Ziel dieser Politik muss es sein, die Geburtenrate der einheimischen Bevölkerung mittelfristig auf das Bestandserhaltungsniveau zu erhöhen. Wir als AfD wollen mit dem steuerlichen Familiensplitting, das die Kinderzahl bei der Einkommenssteuer berücksichtigt und kinderreiche Familien erheblich entlastet, einen Paradigmenwechsel einleiten.

Wir fordern zudem ein zinsfreies Darlehen für Eltern nach der Geburt ihrer Kinder und die Einführung eines Betreuungsgeldes für Eltern beziehungsweise Großeltern, um echte Wahlfreiheit herzustellen und die Erziehungsarbeit zu honorieren.

Haben wir keine Anpacker-Qualitäten mehr? Sind die deutschen Tugenden Geschichte? Was sind deutsche Tugenden für Sie?

Klassische deutsche Tugenden sind für mich Disziplin, Pünktlichkeit, Ordnungssinn, Fleiß, Gradlinigkeit, Gerechtigkeitssinn, Ehrlichkeit und Pflichtbewusstsein. Aber auch Patriotismus gehört dazu. Mit den linken 68ern und ihrem Marsch durch die Institutionen wurden bürgerliche Werte abgewertet und verächtlich gemacht.

Die fatalen Folgen sind die im internationalen Vergleich immer weiter abfallenden deutschen Bildungseinrichtungen bis hin in die entsprechend sozialisierten Chefetagen der deutschen Wirtschaft. Einer Spaßgesellschaft droht der zivilisatorische Abstieg. Die ideologischen Ursachen müssen abgeräumt werden – statt auf Multikulti, Inklusion und Gender-Ideologie müssen wir wieder auf echte Bildung setzen.

Wie wollen Sie Zivilgesellschaft zurückgewinnen? Welche und wie viele „Vorfeldorganisationen“ braucht es, um den nötigen Rückhalt zu haben, Politik durchzusetzen?

Die „Zivilgesellschaft“ ist leider zu einem Schlagwort teilweise dubioser linkspolitischer Strukturen verkommen. Was wir brauchen, ist das Vertrauen und den Rückhalt der Bürger in unserem Land. Zudem existiert bereits ein Vorfeld aus Medien und Unterstützern, das uns trägt und stetig wächst. Um tatsächliche Waffengleichheit mit der politischen Konkurrenz zu erlangen, ist es von Bedeutung, dass die AfD-nahe Desiderius-Erasmus-Stiftung endlich die Fördergelder erhält, die ihr zustehen.

Momentan versuchen die Altparteien uns dies mit einem gemeinsamen Entwurf für ein neues Stiftungsgesetz zu verwehren. Ein fatales Signal für die demokratische Kultur in unserem Land. Damit wird – aus rein parteipolitischem Kalkül - das Vertrauen in unsere demokratischen Institutionen zerstört.

AfD-Politik an der Basis ist bundesweit massiven Anfeindungen und Übergriffen ausgesetzt. Wie sehr wirkt sich das auf die Rekrutierung von Personal aus? Wie sehr dünnt diese Bedrohungslage den Nachwuchs aus? Und besteht hier nicht die Gefahr, dass am Ende nur die „Haudegen“ überbleiben, frei nach dem Motto: Ist der Ruf erst ruiniert, kann ich auch zur AfD?

Die Ausgrenzung und Druck auf die AfD und ihre Mitglieder sind enorm. Tätliche Übergriffe, brennende Autos und die Vernichtung der sozialen-beruflichen Existenz sind keine Seltenheit. Trotzdem verzeichnen wir bundesweit einen starken Mitgliederzuwachs. Im Vergleich zu 2022 haben wir einem Anstieg um rund 5.500 Parteimitglieder, was einer Steigerung von etwa 20 Prozent entspricht.

Die beispiellose Diffamierung der AfD verfängt nicht mehr, der Bogen wurde überspannt und das eklatante Politikversagen der übrigen Parteien kommt mittlerweile direkt bei den Menschen an. Auch hat unsere Parteibasis einen Idealismus kultiviert, der mich immer wieder aufs Neue beeindruckt.

Wie steht die AfD zu Kubitscheks neurechtem Thinktank in Schnellroda? Das Ehepaar Kubitschek spricht von „Wir“ und „uns“, wenn es um die AfD geht, der EU-Spitzenkandidat Maximilian Krah meint in stundenlangen Gesprächen mit dem Ehepaar, ohne Schnellroda wäre er nicht, wo er jetzt steht. Ähnliche Töne auch von Björn Höcke, der dort ebenfalls für Youtube auftritt. Sie selbst haben schon einen Vortrag gehalten in Schnellroda. Was ist da los, was macht den Reiz dieses Thinktanks aus, der vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft wurde?

Vom „Institut für Staatspolitik“ gehen immer wieder interessante Denkanstöße und Impulse aus. Der Austausch mit dieser und anderen Denkfabriken bleibt wichtig – völlig unabhängig davon, wie der parteipolitisch instrumentalisierte Verfassungsschutz hier agiert.

Apropos „gesichert rechtsextrem“ – Können Sie den Eindruck bestätigen, dass diese Einstufung immer mehr Bürgern vollkommen wurscht ist – teilweise bis dahingehend, dass so eine Zuweisung als Auszeichnung verstanden wird ...

Die Bundesrepublik ist das einzige Land der freien, westlichen Welt, in der ein Inlandsgeheimdienst die Opposition bespitzelt und kriminalisiert. Es reicht ein Blick ins Nachbarland Österreich und auf den dortigen unaufgeregten Umgang mit unserer Schwesterpartei FPÖ, um zu erkennen, was für ein skandalöser und einer Demokratie unwürdiger Vorgang dies ist.

Der Verfassungsschutz mit seinem der CDU angehörenden Präsidenten agiert selbst verfassungswidrig. Diese parteipolitische Instrumentalisierung widerspricht dem Geist des Grundgesetzes. Immer mehr Bürger durchschauen das – daher hat sich auch der inflationäre Gebrauch von Etiketten wie „gesichert rechtsextrem“ zusehends abgenutzt.

Wie schwierig wird es für eine konservative Regierung nach 2025 werden, die Politik der Ampel umzukehren? Wo muss sofort die Abrissbirne aktiv werden?

Jeder Tag, den die Ampel weiter dilettiert, ist zum Schaden von Deutschland – es bedarf dringend vorgezogener Neuwahlen. Eine Fortsetzung der Ampel oder der Ampel-Politik unter einer schwarz-grünen oder schwarz-roten Regierung würde einen Substanzverlust bedeuten, der nicht wieder einzufangen ist.

Die AfD ist bereit für Regierungsverantwortung, erst kürzlich haben wir ein Sofortprogramm verabschiedet, mit einem Maßnahmenkatalog für den dringend erforderlichen, grundlegenden Politikwechsel. Wir würden die verheerende Migrationspolitik sofort beenden, die illegale Zuwanderung durch effektiven Grenzschutz verhindern und alle illegalen oder straffällig gewordenen Migranten konsequent abschieben. Und vor allem würden wir die Bürger und die Wirtschaft sofort massiv entlasten und der klimaideologisch motivierten Deindustrialisierung Deutschlands ein Ende setzen. Dazu gehört auch, das Heizungsgesetz der Ampel sofort rückgängig zu machen.

Können Sie Kanzler? Wollen Sie Kanzlerin?

Natürlich, aber die Frage, ob wir als Alternative für Deutschland einen Kanzlerkandidaten aufstellen und wer das dann sein wird, werden ein Parteitag beziehungsweise unsere Mitglieder entscheiden.

Vielen Dank für das Gespräch!

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