Aus Patriotismus zum Einkaufen und Impfen?

Impf-Orden und Wortschrott

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Aus Patriotismus zum Einkaufen und Impfen?
Der Deutsche Bundestag in Berlin © Foto: Pexels / Niki Nagy

Zuerst erschienen im November 2020 bei Tichys Einblick

Jetzt wird plötzlich Vaterlandsliebe beschworen. Die Reste dessen, was noch da ist, nachdem es diese Kanzlerin bekämpft hat, wird in die letzte Schlacht geführt.

Der Paul Ziemiak (CDU-Generalsekretär) der CSU heißt Markus Blume. Wohl noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik waren diese Generalsekretärsposten so unbedeutend wie heute, entsprechend sind sie besetzt. Und passend kurz soll hier die Erzählung dazu werden.

Besagter Markus Blume forderte vor wenigen Stunden: „Impfen sollte zur patriotischen Selbstverständlichkeit werden.“

Patriotismus ist irgendwie besser als Nationalismus, so hatte Angela Merkel die UN-Migrationspakte vor dem deutschen Bundestag begründet. Nun wird als Patriotismus eine emotionale Verbundenheit mit der eigenen Heimat oder dem Vaterland bezeichnet, häufig bezieht er sich auf die Nation. Im Deutschen wird anstelle des Lehnwortes auch der Begriff Vaterlandsliebe synonym verwendet. Jetzt wird’s kompliziert. Wir kennen zwar keine Väter und Mütter mehr, sondern nur noch Elter 1 und Elter 2. Und Vaterland müsste also durch Elterland ersetzt werden. Kompliziert also. Den Zusammenhang hat zwar kaum einer verstanden, macht aber nichts. Dafür erklärte das Handesblatt die Bundeskanzlerin schon Anfang 2015 zur legitimen Nachfolgerin Bismarcks und präsentierte den verdutzten Lesern „Was Angela Merkel vom Reichskanzler gelernt hat.“ Vermutlich Patriotismus als Ressource, wenn gar nichts mehr da ist. Ein historischer Rückgriff also; bald werden sie wohl auch wieder den alten Fritz herauskramen. Das Eiserne Kreuz für jeden, der sich impfen lässt? Das passt. Diese Regierung verramscht große Gefühle als Peanuts.

Die CSU fordert also über ihren Generalsekretär Impfen aus Patriotismus. Hier soll gar nicht über die Verrenkung nachgedacht werden, was das eine mit dem anderen zu tun haben könnte. Verrenkungen sind in der CSU Alltag geworden seit dem Schmusekurs des Ministerpräsidenten Markus Söder Richtung zukünftigem grünen Koalitionspartner. Auch Bienen sind patriotisch, wenigstens in Bayern. Wie wär´s mit einer Impflicht für CSU-Mitglied? Oder für den Öffentlichen Dienst, der ja trotz öffentlicher Not Gehaltszuschläge und trotz geschlossener Türen in den Verwaltungen Corona-Zuschüsse erhält? Nur zu. Es geht auch ohne Patriotismus, nur mal so.

Der Rücken der Partei von Franz Josef Strauß droht allerdings dort zu brechen, wo die Antifa in Berlin und anderswo Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen der Bundesrepublik mit Plakatbannern begleitet, die verkünden: „Impfen ist Liebe.“ Also Impfen aus Patriotismus und aus Liebe. Also aus Liebe zu Deutschland, koalitionär gedacht?

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Zu diesem Deutschland, das die Antifa regelmäßig auf Großbannern und via Lautsprecher mit der Grußbotschaft feiert: „Deutschland, du mieses Stück Scheiße“? Auf Protestmärschen, an denen sich auch Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth (Grüne) 2015 beteiligt hat, ohne etwas dabei zu finden. Nichts daran, dass die Antifa in Anwesenheit von Roth skandierte: „Deutschland, verrecke!“ und „Nie wieder Deutschland.“ Sie will es weder gehört, noch irgendwas gesehen haben. Also wenn nun endlich die schwarz-grüne Koalition kommt, ist es dann unsere Pflicht, uns impfen zu lassen für besagtes Stück? Dann kennen wir keine Parteien mehr, sondern nur noch Geimpfte.

Nochmal zum Anfang: Der CSU-Generalsekretär will Impfen aus Patriotismus, die Antifa aus Liebe, aber nicht zu Deutschland, und Vertreter der von der Union heiß umworbenen Grünen unterstützen Demonstranten mit ihrer Anwesenheit, die „Deutschland verrecke!“ skandieren. Und so kommt dann zusammen, was zusammengehört und mit Deutschland wenig zu tun hat außer einer gemeinsamen Verachtung für Land und Leute.

Nein, der Patriotismus der Union ist keiner. Es ist alles nur Wortschrott aus der Phrasendreschmaschine. Was Markus Blume da macht, ist die Fortführung des Deutschland-verrecke-Gedankens der Antifa mit anderen Mitteln. Herzlichen Glückwunsch nach Bayern. Oder stopp, kurz nochmal rüber nach Berlin: Dort nämlich bemüht gerade Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) einen neuen deutschen Patriotismus 2.0. Altmaier will verkaufsoffene Sonntage 2021 gegen das Ladensterben. Wir sollen nicht beim bösen Ami von Amazon bestellen, sondern beim deutschen Einzelhändler einkaufen, obwohl wir nicht in die Stadt sollen und in die Läden nicht hinein. Nicht wenige Ladenbesitzer könnten das allerdings Ende 2020 etwas zynisch finden: Einerseits wird ihnen der Laden de facto geschlossen, weil wir ja alle zu Hause bleiben sollen, und dann sollen sie ihn im kommenden Jahr auf der Zielgeraden Richtung Bundestagswahl gleich sieben Tage die Woche öffnen dürfen, um die verlorene Kohle wieder einzuspielen? Also Konsum als vaterländische Pflicht. Dummerweise werden viele bis zum Frühjahr pleite sein. Wenigstens das passt; Patriotismus und das große Sterben gehörte ja bekanntlich eng zusammen.

Wer dann allerdings bezahlen soll, was noch in den Regalen liegt, steht in den Sternen. Das muss sich der neopatriotische Wirtschaftsminister („Kein einziger Arbeitsplatz geht wegen Corona verloren“) bitte noch ausdenken. Sein Kabinettskollege Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) jedenfalls hat schon einmal 1,1 Milliarden Euro für Klientel bzw. Nichtregierungsorganisationen freigeschaufelt im „Kampf gegen Rechts“ oder allem, was dazu auserkoren wird. Möglicherweise ja hauen die ihre Überraschungskohle im Laden nebenan auf den Kopf, bei dem Gelder aus diversen Hilfsmaßnahmen sonst nicht ankommen. Aber irgendetwas an diesem Geldkreislauf funktioniert trotzdem nicht. Haben Sie vielleicht eine Idee? Mit Patriotismus ist es wie mit Alkohol: Wenn man zu wenig hat, steigt der erste Schluck davon besonders schnell zu Kopf.

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