Esken verbreitet ein Foto mit Melnyk das – ähm - noch gar nicht fotografiert wurde

Bezichtigt Tagesschau-Faktenfinder SPD-Chefin der Desinformation und Irreführung?

von Alexander Wallasch (Kommentare: 1)

Der ukrainische Botschafter bestellt die SPD-Führung zum Rapport. Und die SPD-Chefin twittert ein Foto kurz vor den Ohrfeigen. Problem nur: Der Termin hat noch gar nicht stattgefunden, das Foto zauberte Esken aus ihrem Fan-Album.© Quelle: © Quelle: Screenshot / Twitter, @EskenSaskia, Pexels / Алесь Усцінаў, Freepik.com / natanaelginting, Bildmontage: Alexander Wallasch

Etwa gegen 6 Uhr im Morgengrauen des 19. April 2022 muss SPD-Chefin Saskia Esken den dringenden Wunsch verspürt haben, mit dem ukrainischen Botschafter Andrij Melnyk zu sprechen. Oder anders: Saskia Esken hatte schon vor dem Frühstück den Wunsch, mit ihm gesprochen zu haben. Aber zum Hintergrund dieser sprachlichen Akrobatik gleich mehr.

Wie der Wunsch entstanden ist, ist leicht herzuleiten: Die Haltung der ukrainischen Führung respektive ihres Vertreters auf deutschem Boden hat sich rapide verschlechtert, seit Bundeskanzler Olaf Scholz sich weigert, Russland den Krieg zu erklären.

Nein, natürlich nicht. Es geht zunächst um Waffenlieferungen, um schwere Waffen. Und es geht um den Wunsch der Ukraine nach einem schnellen Beitritt in die EU und die NATO. Letzterer Wunsch könnte tatsächlich einer Kriegserklärung gleichkommen. Oder man müsste den Bündnisfall vorerst für laufende Konflikte schon bei Antragstellung ausschließen.

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Aber die Ukraine in Gestalt ihres Botschafters Melnyk hat noch weitere Sozialdemokraten auf ihrer Most-wanted-Liste:

Ganz vorn mit dabei Bundeskanzler a.D. Gerhard Schröder, der als Putins deutschsprachiger Schoßhund betrachtet und als einflussreicher Türöffner Putins bei Geschäften mit Deutschland und der EU verstanden wird.

Neuerdings steht auch der ehemalige SPD-Chef Sigmar Gabriel auf der Hassliste des Botschafters: Melnyk nämlich hatte sich vor wenigen Tagen ein heißes Gefecht mit Gabriel geliefert, weil dieser – und damit wären wir schon bei der nächsten großen Hassfigur – sich über die Absage der Ukraine an Frank-Walter Steinmeier echauffiert hatte, als dem Bundespräsidenten die Einreise in die Ukraine verweigert wurde.

Aber zurück zu Saskia Eskens Morgenkosmetik: Die SPD-Chefin twitterte schon mit der aufgehenden Sonne:

„Gerade in Zeiten, in denen uns die Herzen schwer sind und die Debatten manchmal hitzig, ist es umso wertvoller, das offene und vertrauensvolle Gespräch zu pflegen. Danke dafür @MelnykAndreij“

Original Beitrag von Saskia Esken auf Twitter

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Unter ihr „Danke“ setzte Saskia Esken ein Foto von sich, dem Genossen Lars Klingbeil und dem Botschafter selbst in einem Büro, das von verschiedenen Ukraine-Fan-Utensilien her, dass des Herrn Botschafters sein dürfte. Gerne hätte man hier Mäuschen gespielt, wie der Botschafter seinen Gästen den Hosenboden versohlt hat.

Problem nur: Die SPD-Spitze war noch gar nicht bei Andrij Melnyk zum Rapport. Das Foto der SPD-Chefin ist ein älteres. Die Bildzeitung datierte das Foto auf den 6. April dieses Jahres.

Verschiedene renommierte Zeitungen waren der Twitter-Bebilderung von Saskia Esken erlegen. So schrieb die Süddeutsche Zeitung zunächst: „SPD-Chefin Esken trifft ukrainischen Botschafter Melnyk“ und verbesserte später in „will … treffen“.

Ich selbst teilte das Foto übrigens ebenfalls per twitter und schrieb dazu: „Der ukrainische Botschafter bestellt die SPD-Vorsitzenden ein. Saskia Esken kommt mit gelber Federboa, um sich ihre Ohrfeigen abzuholen.“

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Interessant ist auch, wie die Tagesschau die Foto-Schummelei der SPD-Chefin beurteilt. Da heißt es nämlich mit unfreiwilliger Süffisanz zu einem leider sehr unvorteilhaft geratenen zahnlosen Bild von Saskia Esken:

„Das Beispiel zeigt anschaulich, wie leicht Fotos ohne Kontext oder Datumsangabe - auch unbeabsichtigt - zu irreführenden Annahmen führen können. Bei gezielter Desinformation werden immer wieder mutwillig alte Bilder und Videos benutzt, um die Öffentlichkeit in die Irre zu führen.“

Die Revolution frisst also ihre Kinder. Der Faktenfinder der Tagesschau bringt Saskia Esken mit Desinformation und Irreführung zusammen. Auch das stimmt ganz sicher. Aber es hat definitiv wenig zu tun mit einem Foto und einer gelber Federboa, strammstehend im Arbeitszimmer eines vollkommen überforderten oder einfach nur unverschämten ukrainischen Botschafters.

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Kommentare

Kommentar von Nicoletta Stern

Endlich mal eine vernünftige Einordnung der Dinge, Danke. Herr Wallasch zeigt, wie ideologiefreier Journalismus geht. Schade, bei BR sehe ich da leider keine Chance mehr, auf eine vernünftige Einordnung der Dinge, leider, die Zeiten sind wohl vorbei.Und umso mehr hoffe ich nun auf mehr Artikel von diesem Schlage, und dass dieses Portal hier die Lücke füllt. Der Grund ist relativ einfach, mir ist, wie vielen hier in diesem Land, Kriegspropagnada enfach zu wider, völlig egal, ob nun pro Putin oder pro Selenksy. Und da die Staatsmedien ja bekanntlich ausfallen, müssen jetzt eben andere ran. Viel Erfolg, viel Glück, und viel Kraft, Herr W., packen Sie's an, gehen Sie Ihren eigenen Weg. Wir werden Sie jedenfalls unterstützen.