Bundeskanzlerin via ÖR-Volksempfänger

Merkel an die Nation: „Ich glaube, dass im Großen und Ganzen nichts schiefgegangen ist.“

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Bundeskanzlerin via ÖR-Volksempfänger
Bundeskanzlerin Merkel spricht an die Nation © Foto: Pixabay / M. H.

Die Nation ist ganz aufgeregt, die Bundeskanzlerin investiert volle fünfzehn Minuten nach der Tagesschau, um dem Volk eine Ansprache zu halten via Zwangsgebühren-ÖR-Volksempfänger. War es zuletzt vor Jahren in Sachen Massenzuwanderungsversagen eine Anne Will-Sendung, soll jetzt ein fünfzehn-Minuten-Einschieber zwischen Tageschau und Fußballspiel Dortmund-Paderborn vor leeren Rängen ausreichend sein.

„Farbe bekennen“ heißt das kurze Stück, aber die schwarz-rot-goldene Farbe wird nicht gemeint sein, die hatte Merkel ja schon vor Jahren bei der CDU-Wahlparty dem verdatterten Parteifreund Gröhe aus der Hand genommen und am Spielfeldrand entsorgt.

Tina Hassel und Rainald Becker haben sich über die Jahrzehnte beim ÖR verdient genug gemacht, dass die Kanzlerin nichts zu fürchten hat – sicherheitshalber wird aber trotzdem nicht live gefragt und die Bild-Zeitung darf dann ein paar Stunden früher schon mal reinspicken und die Marschrichtung für die Alt-Medien vorgeben.

Wir spicken auch bei Bild, was bleibt uns über. Aber die geben sich gar nicht so lahmfromm: Gleich zu Beginn amüsiert sich das Blatt über den unsinnigen Titel „Farbe bekennen“, macht die Kanzlerin nämlich gar nicht, viel Selbstkritik sei nicht zu spüren, lautet bei Bild das Fazit gleich mal vorweg.

In der Ansprache an die Nation – denn etwas anderes ist dieses potemkinsche Interview-Theater mit zwei öffentlich-rechtlichen Statisten nämlich nicht – bekräftigt die Bundeskanzlerin das Ziel, allen Bundesbürger bis zum Ende des Sommers ein Impfangebot zu machen. Der Lockdown soll also noch so lange dauern? Denn wenn die bürgerlichen Freiheiten, wie Merkel zuletzt gesagt hat, erst wieder freigeschaltet werden, wenn die Impfungen stehen, dann wäre das ja der Termin.

Aber schon die Einschränkung: Es ginge nur um die erste der zwei angeblich nötigen Impfungen.

„Ich finde, wir haben ein Gerüst, an dem wir uns orientieren können. Wir wissen, dass – selbst wenn keine neuen Impfstoffe zugelassen werden – dass dann bis Ende September 2021 jeder ein Impfangebot bekommt.“

Jeder in Deutschland bekommt ein Angebot oder im gesamten Gebiet der EU? Die Frage muss man einer Kanzlerin stellen, die in Sachen Impfstoffversorgung an die EU delegiert hat, damit bloß nicht aus Versehen die Deutschen vor den Griechen oder den Polen durchgeimpft sind. Schließlich haben wir einen Weltkrieg vom Zaun gebrochen, das würde sich nicht gehören als erste auf der sicheren Seite zu sein?

Angela Merkel äußert sich laut Bild auch über den gestrigen Impfgipfel mit den Herstellern:

„Für mich war es ein Impfgespräch – aber ein sehr wichtiges. Ich habe einiges gelernt.“

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Ist das eine beruhigende Auskunft, dass die Kanzlerin etwas gelernt hat? Macht, wer auch im hohen Alter bereit ist, zu lernen, macht der dann weniger Fehler? Oder ist die viel entscheidendere Frage, ob man auch bereit ist, sich Fehler einzugestehen? Jedenfalls kommentiert die Bundeskanzlerin das Desaster der Impfstoff-Bestellungen der EU folgendermaßen:

„Ich glaube, dass im Großen und Ganzen nichts schiefgegangen ist. (…) Man kann sagen, es sind schon 10 Millionen Menschen, die wir werden impfen können, mit beiden Impfungen im ersten Quartal.“

Merkel erklärt auch, warum andere Länder, warum die USA, Israel und Großbritannien schneller impfen würden, die EU ist eben einfach gründlicher: In Europa sei der Impfstoff mit der Gründlichkeit der normalen Zulassung geprüft worden.

Persönliche Fehler? Aber nein, davon weiß die Kanzlerin nichts. „Das war kein Fehler, wir sind auf das Vertrauen angewiesen.“ Und die Amerikaner wären – sie sagt es nur so dezent durch die Blume, Trump ist ja schon abserviert – die Amis wären im Grunde genommen Egoisten, sie würden das dort produzierte Serum nahezu komplett selbst verbrauchen. Deshalb seien die armen Europäer auf ihre eigene Produktion angewiesen, erzählt die Bild-Zeitung in der exklusiven Vorabschau.

Übrigens hat Merkel die Impfstoffhersteller auch gefragt, ob Geld helfen könnte, schneller zu produzieren, nein, mit Geld sei da nichts zu machen, wäre die Antwort gewesen. „Die Antwort war Nein“. Nochmal bekräftigte die Bundeskanzlerin diese in Wahrheit vollkommen verkorkste Sammelbestellung: „Dass wir europäisch bestellt haben, das ist allemal richtig“.

Da staunt dann die Welt, das die deutsche Bundeskanzlerin ihr Komplettversagen nicht eingesteht:

„BILD-Vize-Chef Paul Ronzheimer ist wenig überrascht, dass die Kanzlerin bei dieser Linie bleibt und die deutsche Impfstrategie und europäische Vorgehensweise nicht schlechtredet. Auch CDU-Politiker Wolfgang Bosbach sagte bei BILD Live: „Ich habe genau damit gerechnet.“

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