„Ich will nach dem Freedom Day von Karl Lauterbach befreit werden“

Hans Ulrich Jörges über Karl Lauterbachs „Flirt mit der Lüge“

von Alexander Wallasch

Der langjährige Chefredakteur und Kolumnist des Stern hält den neuen Gesundheitsminister schon jetzt für gescheitert: Ich will Karl Lauterbach nicht mehr erleben.© Quelle: © Screenshot: YouTube / BILD

Auch Hans-Ulrich Jörges hatte jetzt sein persönliches Karl-Lauterbach-Coming-Out, als er im Bild-Video verkündete: „Ich bin fertig mit Karl Lauterbach“.

Der Journalist erklärte ausführlich, warum der neue Gesundheitsminister bei ihm keinen Blumentopf mehr gewinnen kann:

„Ich bin fertig mit Karl Lauterbach. Das ist auch nicht mehr rettbar. Karl Lauterbach hat versagt. Jetzt als Minister im Amt. Ich will nur an einen Punkt erinnern: Quasi unter seinen Händen ist die Impfkampagne verschieden, gestorben, da ist nichts mehr von über. Er hat nichts dafür getan. Völlig schief gegangen.“

Und er hat ein Problem mit der Wahrheit.

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Das will ich näher erläutern: Im Januar, das erinnern wir alle gut, ist ja der Genesenenstatus ganz überraschend halbiert worden auf drei Monate. Die Leute waren entsetzt. Bei vielen Leuten war es ein schwerer Eingriff in ihr Leben. Dafür haften musste bisher nur das RKI und ihr Präsident Lothar Weiler. Die waren Schuld. Und zwar ganz alleine.

Wenn man sich ein bisschen umtut und konkreter recherchiert, stellt man aber fest: Am 14. Januar hat das RKI diese Anweisung auf seiner Homepage veröffentlicht. Am 15. Januar trat sie in Kraft. Aber am 13. Januar - einen Tag vorher schon - erschien Sabine Dittmar - das ist die parlamentarische Staatssekretärin von Karl Lauterbach - im Bundestag und kündigte diesen Abbau des Genesenstatus an. Sie war die erste überhaupt, das RKI kam erst hinterher - so als würde das RKI sozusagen die technischen Einzelheiten verkünden - aber sie war die erste.

Ich will das genau zitieren, was sie da gesagt hat: „Der Genesenenstatus wird künftig nach drei Monaten bzw. 90 Tagen entfallen.“

Wörtliches Zitat aus ihrer kleinen Rede, sie wäre so stolz darauf, dass sie diese Rede sogar auf ihrer Homepage bis heute anbietet. Der Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki, der die Sitzung geleitet hat, hat mir berichtet, den meisten Abgeordneten sei gar nicht aufgefallen, was sie da gehört haben. Das passiert ja manchmal, dass rauscht so vorbei.

Jedenfalls Karl Lauterbach hat die Gelegenheit ergriffen und bis heute in allen möglichen Interviews erzählt, dass er nichts davon gewusst habe.

Ich will ihn auch wieder wörtlich zitieren aus einem FAZ-Interview, da hat er nämlich gesagt: „Das der Genesenenstatus über Nacht auf drei Monate verkürzt worden war, davon war ich nicht unterrichtet.“

Ich nenne diesen Satz einen Flirt mit der Lüge.

(…) das sage ich nur aus juristischen Gründen so freundlich, ich würde es sonst härter ausdrücken - denn wer kann denn annehmen, dass eine Staatssekretärin ins Parlament geht, um diese Botschaft zu überbringen und der Minister weiß nichts davon? Da muss man sich ja die Haare mit dem Fischmesser kämen, um das zu glauben - niemals!

Außerdem ist Karl Lauterbach bekannt als einer, der im Ministerium alles an sich zieht, der nichts an sich vorbeilaufen lässt. Und eine parlamentarische Staatssekretärin hat ausdrücklich die Aufgabe, den Minister nach außen zu vertreten.

Der wusste nichts? Ich glaube kein Wort. Und nach diesem seifigen Dementi erleben wir auch noch wirre weitere Regierungspraxis, eine „Amtsführung“, er hat nämlich sofort jetzt dem RKI die Vollmacht entzogen über diese Frage zu entscheiden, er will selbst entscheiden nach dem Motto: Haltet den Dieb.

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Da macht allerdings die Union im Bundestag nicht mehr mit, denn die hat begriffen, dass man diesem Mann nicht vertrauen darf. Das hat sie auch sofort öffentlich erklärt. Und sie bestehen drauf, dass der Bundesrat künftig an diesen Entscheidungen beteiligt ist.

(…)

Der Bundesrat ist ihm schon in den Arm gefallen. Nun wird es ja noch wirrer: Die Genesenenspanne ist ja inzwischen klammheimlich wieder auf sechs Monate erweitert worden. Aber nur für die Geimpften! Die Ungeimpften bleiben weiter auf drei Monaten sitzen.

Wir haben also eine gespaltene Geschichte. Und dass ist ja wirklich der Höhepunkt. Wobei die dreimonatig Ungeimpften das gar nicht in ihre Zertifikate eintragen lassen können in den Apotheken, weil das gar nicht vorgesehen ist. Das hat ein europäisches Muster, das sieht drei Monate gar nicht vor.

(…)

Da herrscht jetzt das totale Chaos und verantwortlich ist Karl Lauterbach. Deshalb sage ich: Ich will Karl Lauterbach nicht mehr erleben, wenn im Herbst ein neues Virus über uns kommt. Ich will auch nach dem Freedom Day am 20. März von Karl Lauterbach befreit werden. Der Gesundheitsminister Karl Lauterbach ist gescheitert. Er ist einfach nicht ministrabel.“

„Ich bin fertig mit Karl Lauterbach!“ | Hans-Ulrich Jörges | Viertel nach Acht

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