AfD-Landeschef im Interview über den Messerangriff auf Michael Meister und die Verharmlosung linker Gewalt.

Leif-Erik Holm zum Anschlag auf AfD-Politiker in Rostock: „Das sprengt jede Vorstellungskraft“

von Alexander Wallasch

Blutspuren politischer Verwerfungen© Quelle: X/AfD(MV), Landtag/Michael Meister, Montage: Wallasch

Zwei Vermummte lauern ihm auf, beschimpfen ihn als „AfD-Nazi“ und stechen mit einem spitzen Gegenstand zu. Nur der Laptop im Rucksack rettet Michael Meister vor Schlimmerem. AfD-Landesvorsitzender Leif-Erik Holm spricht über den brutalen Angriff, politische Doppelmoral und die Konsequenzen.

In der Nacht zum 18. Juni 2026 wurde der AfD-Landtagsabgeordnete und Rostocker Kreisvorsitzende Michael Meister vor seinem Haus in Rostock von zwei unbekannten, vermummten Männern angegriffen. Die Täter beleidigten ihn als „AfD-Nazi“ und verletzten ihn mit einem spitzen Gegenstand am Arm.

Stiche in den Rücken wurden offenbar durch den Laptop im Rucksack abgewehrt. Die Polizei ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung, möglicherweise sogar versuchten Mordes.

Im Interview spricht Leif-Erik Holm, Landesvorsitzender der AfD Mecklenburg-Vorpommern und Ministerpräsidentenkandidat, als enger Parteikollege und Vertrauter über den Vorfall, die Sicherheitslage für AfD-Mitglieder und die aus seiner Sicht einseitige Haltung der etablierten Politik gegenüber politisch motivierter Gewalt.

In der vergangenen Nacht soll es in Rostock einen Angriff auf den mecklenburg-vorpommerischen AfD-Landtagsabgeordneten Michael Meister gegeben haben.

Ja, das war ein schwerer Anschlag auf unseren Landtagsabgeordneten und Kreisvorsitzenden in Rostock, Michael Meister. Der gestern Abend nach einer Veranstaltung nach Hause kam und dem dort von zwei vermummten Gestalten aufgelauert wurde. Diese bezeichneten ihn als „AfD-Nazi“ und stachen dann wohl mit einem spitzen Gegenstand auf ihn ein.

Zum Glück hatte er seinen Laptop im Rucksack, weswegen seinem Rücken nichts passiert ist. Michael Meister hat dennoch eine schwere Schnitt- bzw. Stichverletzung am Arm. Ansonsten geht es ihm zum Glück gut. Aber es sprengt jetzt wirklich alle Vorstellungskraft, wie hier mit Andersdenkenden umgegangen wird. Und da muss die Politik jetzt wirklich hart einschreiten. Wir fordern auch vom Innenministerium und von der Landesregierung, dass sie jetzt klar ein Signal sendet, dass es so nicht geht und dass hier mit allen polizeilichen Mitteln ermittelt wird, um der Täter habhaft zu werden.

Die neuen Bundesländer sind ja nun hochfinanziert im Kampf gegen Rechts. Alle Landes- und die Bundesregierung schießen da Gelder rein. Der rechte Mob soll da toben. Irgendetwas passt hier nicht zusammen.

Wir werfen der Politik vor, dass sie auf dem linken Auge blind ist. Und das zeigt sich ja auch immer wieder, wenn wir uns die Zahlen anschauen: Polizeilichen Statistiken zufolge ist die AfD mit Abstand am stärksten von politisch motivierten Straftaten und Angriffen betroffen. Im Jahr 2025 registrierten die Behörden bundesweit knapp 2000 Straftaten gegen Mitglieder und Vertreter der AfD. Und das sind nur jene, die auch zur Anzeige gebracht wurden. Immer deutlicher wird, dass linke Gewalttaten weitaus höher sind, als man es sich bisher eingestehen wollte.

Die Politik muss jetzt klare Kante zeigen. Und das fehlt mir, dass die etablierte Politik dieses Problem deutlich benennt und klar macht, dass das so nicht weitergehen kann. Wir wollen doch einen fairen Wettstreit um die besten politischen Ideen. Das Demokratie. Und da kann man nicht mit diesen gewalttätigen Mitteln agieren. Ich werfe der Politik heute vor, dass sie Menschen bewusst anstachelt.

Es war ja im Bundestag von den Etablierten die ganzen letzten Jahre zu erleben: Die Grüne Ex-Ministerin Künast etwa und diverse Politikerinnen der Linken haben immer wieder eine gesicherte Staatsfinanzierung der Antifa eingeklagt. Eine SPD-Vorsitzende hat sich zur Antifa bekannt. Gestern gab es den Fall, dass ein „taz“-Redakteur offen dafür geworben hat, dass man den Redaktionen von Nius und Apollo mal einen Besuch abstatten soll, dass man die Redaktionen belagern soll, dass Adressen veröffentlicht werden. Hier ist es noch eine Büro-Adresse, aber der Schritt zur Privatadresse scheint ja, wie man hier an Michael Meister sieht, gar nicht so weit zu sein. Die Sache wird gefährlich.

Ja, ich möchte an Manuela Schwesig erinnern, die seinerzeit noch in Berlin sagte, Linksextremismus sei ein aufgebauschtes Problem. Nein, ist es eben nicht. Denn die Politik duldet das praktisch und befördert, dass man Andersdenkende stigmatisiert, diffamiert und gewalttätig bekämpft, so wie es mit der AfD passiert. Das ist mein Vorwurf, dass sie mit dazu beitragen, mit ihrer Politik und mit ihrer Verharmlosung des Linksextremismus, dass Andersdenkende jetzt auch persönlich angegriffen werden.

Und das muss man auf das Schärfste verurteilen. Ich erwarte von der Politik, dass sie jetzt wirklich ins Handeln kommt. Denn wir haben einen Wahlkampf vor uns und wir wollen, dass unsere Mitglieder sicher durch den Wahlkampf kommen und nicht überall fürchten müssen – bei den vielen Infoständen, die wir machen, bei den vielen Veranstaltungen –, dass sie persönlich angegriffen und möglicherweise sogar verletzt werden.

Jemand aus der AfD-Parteispitze hat mir mal im Interview erklärt, das Problem wäre dieser Spagat zwischen dem öffentlichen Hinweis, welche Gewalt die AfD erfährt, und der Vermeidung, den Mitgliedern, Sympathisanten und Interessierten Angst damit zu machen.

Man hatte ja das Gefühl, dass das fast schon gewollt ist, dass man da abschrecken möchte. Aber so geht es natürlich in einer freiheitlichen Demokratie nicht. Und deswegen erwarte ich von der Politik, dass sie jetzt auch laut etwas sagt. Bisher habe ich noch nichts gehört von der Landesregierung, dass sie diesen Anschlag verurteilt.

Und wenn die Polizei jetzt hier schon annimmt, dass es auch versuchter Mord sein könnte, ja, dann ist ja wohl dringend ein Aufschrei auch in der Politik geboten. Wo bleibt dieser Aufschrei? Das ist die große Frage, die sich stellt. Wir brauchen auf jeder Ebene Konsequenzen, um wieder zu normalen Bedingungen in unserem Land zurückkehren zu können.

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Wie ist denn die Stimmung bei Ihnen im Wahlkreis in den letzten zehn Jahren gewesen? Das ist ja sicherlich nicht der erste Vorfall gewesen. Nun muss man unterscheiden: Es gibt ja hier sogar noch einen Unterschied zwischen den neuen Bundesländern und den alten Bundesländern. Ich behaupte mal, in den alten Bundesländern ist es noch ein bisschen gefährlicher als bei Ihnen im Osten. In den neuen Bundesländern hat die AfD flächendeckend mehr Zuspruch und ist längst anerkannte Volkspartei. Oder ist da kein Unterschied, was die Gewalt angeht?

Es ist natürlich schon ein Vorteil im Osten, wo die Zustimmung so breit ist, dass 40 Prozent mittlerweile die AfD unterstützen. Da ist es natürlich ein anderes Herangehen, man bekommt viel Unterstützung und das baut einen auch immer wieder auf.

Aber es gibt eben Menschen, die auch durch die Politik aufgestachelt werden und dann verbal aggressiv gegen AfD-Mitglieder werden, die unterwegs sind. Und manche werden nun sogar gewalttätig. Und wenn es nun schon in Richtung versuchter Mord geht, also wenn mit spitzen Gegenständen auf jemanden eingestochen wird, dann geht ist das doch Wahnsinn. Und dem müssen wir jetzt ganz, ganz dringend Einhalt gebieten.

Das Wichtigste zuletzt: Hatten Sie denn schon Gelegenheit, mit Michael Meister zu sprechen? Wie ist da die Situation? Haben Sie etwas erfahren, wie es ihm geht?

Ja, ich habe mit ihm telefoniert. Es geht ihm soweit gut. Zum Glück hat ihn der Laptop da im Rücken geschützt. Und er hat nur diese Stich- oder Schnittverletzung am Arm. Das hat wohl sehr geblutet, aber letztendlich ist ihm nichts wirklich Dramatisches passiert.Nur wenn natürlich der Plan der Täter etwas anderes war, dann kann man von Glück sagen, dass es so glimpflich abgegangen ist. Und so weit darf es erst gar nicht kommen.

Ist Michael Meister persönlich ein stabiler Typ? Hat er zu Hause Rückhalt?

Michael Meister ist da ganz stabil, zum Glück. Das muss man ja auch immer sehen, was das sychologisch bedeutet. Wie verarbeitet man ein solches Ereignis, wenn man noch annehmen kann, dass es eventuell sogar noch schlimmer geplant war. Dann ist das natürlich dramatisch und das darf man nicht unterschätzen.
Und auch das ist natürlich noch ein weiterer Grund zu sagen: Wie kann es denn überhaupt sein, dass jemand auf solche Gedanken kommt? Es ist wirklich brutal, dass wir so etwas erleben müssen in Deutschland, und das müssen wir ganz dringend stoppen. Wir werden das auf jeden Fall tun, wenn wir die Regierung stellen. Wir wollen ja die Alleinregierung in MV erreichen am 20. September.

Dann werden wir natürlich mit unserem Innenminister dafür sorgen, dass dieser Sumpf ausgetrocknet wird, dass es den Extremisten an den Kragen geht, dass es den Gewalttätern an den Kragen geht, und zwar jeder Couleur. Da machen wir gar keinen Unterschied zwischen links, rechts oder religiös. Wir wollen diese Taten einfach nicht. Wir wollen in einem friedlichen Land leben. Wir arbeiten für ein friedliches Mecklenburg-Vorpommern.

Vielleicht noch ein Satz zu den Sicherheitsbehörden. Kann man da etwas Positives sagen? Unterstützen die? Wird da geholfen?

Die Polizei begleitet uns auch regelmäßig bei unseren Ständen, die wir machen. Sie kommen zu unseren Veranstaltungen. Die Polizei ist freundlich und sagt, dass sie auch da sind, um die Sicherheit zu gewährleisten. Also da gibt es nichts zu meckern. Die Polizei tut ihren Dienst.

Und ich glaube auch daran, dass die Polizei in diesem Fall hartnäckig ermitteln wird und da alles versuchen wird. Ich habe von Michael Meister gehört, dass heute Vormittag noch eine Hundestaffel da war, um Spuren zu sichern. Ich glaube, die versuchen schon alles, um diese Tat aufzuklären. Also volles Vertrauen in die Polizei. Und wir werden die Polizei dann auch in unserer Regierungszeit noch mal besser ausstatten, damit sie noch präsenter sein kann und noch schneller und erfolgreicher ermitteln kann.

Danke für das Gespräch und gute Besserung nach Rostock.

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