3000 Polizisten werden von einer linksradikalen Ministerin veralbert und ideologisch verheizt

Telegramkrieg der Reichsrentner

von Alexander Wallasch (Kommentare: 10)

Wenn es da heißt, diese fünfundzwanzig heute sichergestellten Kaiserschmarren hätten „Anschläge auf die Stromversorgung“ geplant und dreitausend Beamte hätten das nun vereitelt, wo waren diese Beamten, als unsere Stromversorgung (Gas für Energiegewinnung) in der Ostsee gesprengt wurde?© Quelle: Pixabay / 2211438 / Ganslmeier / Peggy_Marco, Montage Alexander Wallasch

Schnallen Sie sich an, denn der Streuselkuchen-Wagen im Altenheim wird gerade von Spezialeinsatzkräften verhaftet. Selbstverständlich mit Maske und begleitet von gutgelaunten Medienvertretern, die sich aufführen, als ginge es zur Weihnachtsfeier der Süddeutschen und man wüsste bereits, dass Mark Foster noch für ein Viertelstündchen im Weihnachtsmannkostüm vorbeikommen wollte.

Na, das ist aber mal eine merkwürdige Tagesschau-Meldung zu den Reichsbürger-Razzien. Da will man sich mal ordnungsgemäß öffentlich-rechtlich informieren und fällt direkt ins nachrichtliche Soufflé.

Lese ich das richtig, dass in den letzten Monaten und Jahren Soldaten und Polizisten entlassen wurden wegen mutmaßlicher Nähe zur Querdenken-Bewegung, ungeimpft oder sonst wie oppositionell, die sich jetzt radikalisiert hätten?

Ein Set wie aus einem billigen Leander-Haußmann-Film, nur ohne die warmen Filter, die immer alles in so ein verbindliches Tütenlampenlicht stellen.

Besonders putzig sind die embedded Journalisten, die von der Tagessschau als Investigativ-Journalisten vorgestellt werden. Investigativ heißt in dem Falle womöglich nur, dass man den Hinweis bekam, dass es diese Razzia geben wird, um dann als Erster vor Ort zu sein. Oder noch besser aber zugegeben unwahrscheinlicher: Es wurde recherchiert, sprich irgendwo eine bekloppte Telegramgruppe regelmäßig gelesen, Screens davon gemacht und diese dann der Polizei übergeben. Denn ohne die passende Razzia keine gute Story. Aber um Gotteswillen, dass ist hier alles nur fantasiert und ausgedacht.

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Die Süddeutsche Zeitung steckt im Rechercheverbund mit den öffentlich-rechtlichen Sendern NDR und WDR. Die regierungsnahe private Zeitung profitiert also hier über Bande von den ÖR-Zwangsgebühren. Die Idee einer öffentlich-rechtlichen Zeitung darf hier mitgedacht werden, ein Projekt, welches Angela Merkel einmal geplant, aber nicht mehr zu Ende gebracht hatte.

Aber zurück zur Reichsbürger-Razzia. Der spezielle Belag der Pizza Razzia wird heute quer durch alle Zeitungen durchdekliniert. Das tendenziell Lächerliche an dieser albernen Geschichte mit Bezügen zum deutschen Landadel steht im Raum wie ein großer Elefant, den jeder sieht. Aber noch wagt es niemand, zu schmunzeln. Sie kennen den Effekt, wenn man sein Lachen viel zu lange unterdrücken muss?

Und die Tagesschau schreibt es ja auch: „Weit kam die Gruppe dabei aber nicht.“ Dreitausend Polizisten im Einsatz haben fünfundzwanzig Haftbefehle vollstreckt und diverse Hausdurchsuchungen durchgeführt.

Das Problem bei diesen Maßnahmen Anfang Dezember 2022 – und womit wir wieder beim Lachanfall wären: Sowohl Hausdurchsuchungen als auch Festnahmen, Vernehmungen und die begleitende Presse haben sich in zweieinhalb Jahren Diffamierung und Verfolgung von Corona-Maßnahmenkritikern ihrerseits diskreditiert und als Maßnahmen selbst jedwede Ernsthaftigkeit verloren.

Die Beamten mussten sicher kämpfen, den Einsatz an sich irgendwie noch ernst zu nehmen. Selbstredend darf man die in den vergangenen Jahren tatsächlich von vollkommen durchgeknallten Reichsbürgern erschossenen Beamten nicht vergessen. Aber um die geht es für den Moment nicht – das wusste die Einsatzleitung mutmaßlich recht genau.

Wenn die Tagesschau – wir bleiben der Einfachheit halber beim Fake-Flagschiff des ÖR – im Intro zum Reichsbürger-Razzia-Artikel formuliert, „eine bewaffnete Gruppe aus Reichsbürgern und Querdenkern soll laut ARD-Hauptstadtstudio und SWR einen Staatsstreich geplant haben“, dann fragt man sich schon, wer hier eigentlich ermittelt hat: SWR oder der Staatsschutz? Und wer auf Zuruf von wem? Verständlicher wäre es doch, es hieße, „laut Informationen des Einsatzleiters“ oder wer immer zuständig war.

Die Tagesschau schreibt weiter über die Reichsrentner:

„Immerhin sollen sie unter anderem geplant haben, das Reichstagsgebäude zu stürmen, durch Anschläge auf die Stromversorgung bürgerkriegsähnliche Zustände herbeizuführen, sowie die Bundesregierung abzusetzen, um dann die Macht zu übernehmen.“

An der Stelle darf man den Kaffee in die Tastatur prusten und dann mit einer Überlegung bzw. Frage beginnen: Wenn es da heißt, diese fünfundzwanzig heute sichergestellten Kaiserschmarren hätten „Anschläge auf die Stromversorgung“ geplant und dreitausend Beamte hätten das nun vereitelt, wo waren diese Beamten, als unsere Stromversorgung (Gas für Energiegewinnung) in der Ostsee gesprengt wurde? Soll man jetzt annehmen, der Russe oder der Ami ist diesen Telegram-Trottel-Rentnern gerade noch so vor dem Untertauchen zuvorgekommen?

Kommen wir zum Sturm auf den Reichstag. Wer hier das Drehbuch schreibt, der muss auch Unterhaltungschef in diversen Telegramgruppen sein. Dieses Szenario hat einmal getaugt, die Querdenken-Bewegung zu sprengen. Aber es funktioniert kein zweites Mal. Der Regisseur muss hier noch seniler sein als die Reichsrentner selbst.

Jetzt könnte man noch weiter gehen und ein lustiges Detail nach dem anderen zerpflücken, bis dahin, dass die Tagesschau schreibt:

„Führende Ermittler bezeichnen den heutigen Einsatz gegen die Gruppe als beispiellos: ,Das sprengt vom Umfang her alle Dimensionen.'"

Erkennen Sie den Kokolores? Nicht etwa die Putsch-beim-Punsch-Pläne der Jägermeister-Senioren sprengen „vom Umfang her alle Dimensionen“, der „führende Ermittler“ meint hier den polizeilichen Aufwand, der gegen diese Jagdgesellschaft betrieben wurde.

Aber auch das ist alles nur noch Makulatur in dem Moment, wo die linke Bundestagsabgeordnete Martina Renner nicht bereit ist, ihren Text gemäß Drehbuch instinktiv zu erfassen, und einfach ausschert.

Der Nachrichtensender ntv führt ein Interview mit Frau Renner, die Schlagzeile über dem Gespräch bestätigt den Eindruck, den man schon die ganze Zeit von diesem Einsatz hatte, aber aus Respekt vor der Wucht der Meldungen der Alt-Medien noch nicht in seiner vollen Blüte erfassen wollte: „Die Razzia wirkt wie eine PR-Aktion“.

Man will nicht glauben, was man zu lesen bekommt:

„Martina Renner: Ich selbst wusste seit Mitte letzter Woche bereits davon, und weiß außerdem von mehreren Medien, die schon seit zwei Wochen Kenntnis hatten. Es waren die Namen der Beschuldigten bekannt, ihre Adresse und der geplante Zeitpunkt des Zugriffs.“

Und weil das alles immer noch nicht grotesk genug ist, schickt sich die für diesen ganzen Schlamassel verantwortliche Bundesinnenministerin Nancy Faeser an, von dem Kakao, durch den sie dreitausend Beamte gezogen hat, selbst noch zu trinken, ntv schreibt:

„Alle Personen, die per Haftbefehl gesucht wurden, konnten offenbar festgenommen werden, niemand war flüchtig. Dieser Erfolg spricht nach Darstellung von Innenministerin Nancy Faeser dafür, dass vorher nichts rausgedrungen ist'.“

Nein, er spricht zunächst einmal dafür, dass bei der Rentnergang mit der irgendwo im Garten vergrabenen Kaiserkrone ein Unschuldsbewusstsein vorhanden gewesen sein könnte, eines, wie man es im Altenheim des Öfteren erlebt, wenn Erna sich vordrängelt und den letzten Streuselkuchen vom Buffetwagen zieht und Helga auf Zimmer vier trotzdem partout nichts abgeben will.

Der abschließenden Antwort von Martina Renner gegenüber ntv ist nichts mehr hinzuzufügen. Es wird jetzt einfach Zeit, das Handtuch zu holen und Tastatur, Schreibtisch und Monitor sauber zu wischen:

„Die Infos waren derart breit gestreut, dass es wie eine PR-Aktion wirkt. Die kann den zuständigen Behörden und Ministerien als Arbeitsnachweis dienen. Sie zeigt, dass die Politik nicht nur Aktionspläne gegen rechts verabschiedet, sondern gegen die Terrorgefahr auch erfolgreich vorgeht. Das steht aber mit dem Risiko, das dadurch für den Einsatz und die Einsatzkräfte entstanden ist, in absolut keinem Verhältnis. Terrorabwehr müssen staatliche Stellen mit höchster Sensibilität betreiben, auf keinen Fall darf sie zur Show werden.“

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