Vom verliebten Weidel-Bewunderer zum fanatischen AfD-Bekämpfer

Wolfram Weimer und die AfD: Der Hochstapler im Kulturamt

von Alexander Wallasch

Wie Wolfram Weimer seine eigene Vergangenheit löscht – und warum er damit vor allem sich selbst entlarvt© Quelle: YouTube/ Bundesregierung, AfD-Fraktion, Screenshots, Montage: Wallasch

Am Ende sind immer die anderen schuld: Die AfD. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer, der seine Weimer-Media-Group-Medienblase mit Fake-Autoren und Lügen aufgebaut hat, erklärt nun ausgerechnet der AfD den totalen Krieg – um von seinem eigenen Zusammenbruch abzulenken.

Immer noch Kulturstaatsminister Wolfram Weimer hat der AfD in einem „Spiegel“-Interview den Kampf angesagt. Mal davon ab, dass so eine Kampfansage traditionell beim Generalsekretär einer Mitbewerberpartei aufgehoben ist und nicht beim obersten Kulturfuzzi. Aber hier gibt der notorische Hochstapler Weimer den Ausputzer für seinen Tegernsee-Kumpel Kanzler Merz, aber vor allem für sich selbst.

Mit unserer Aufdeckung des Weimer-Skandals ist das Lügengebäude der Familie Weimer – Ehefrau und Söhne hat Weimer mit in den Abgrund gezogen – zusammengebrochen. Die Weimer Media Group ist ein Potemkinsches Dorf mit – drücken wir es höflich aus – unlauterer Absicht: Mit medialen Müllprodukten wurden über Jahre Unternehmer hinter die Fichte geführt, Anzeigen zu schalten oder Zutritt zu Veranstaltungen zu kaufen, die mit wohlwollenden Interviews und Anzeigen in besagten Müllprodukten gekoppelt waren.

Dafür hat Wolfram Weimer auf massivste Art und Weise Kunden und die wenigen Leser betrogen. Weimer hat etwa bei „TheEuropean“ der Weimer Media Group hunderte Autoren erfunden, die nie welche waren. Bald jeder, der mal irgendwo etwas Vielversprechendes im rechten Spektrum geäußert hatte, wurde mit der Äußerung sofort als Autor samt Vita veröffentlicht. Eine professionalisierte Urheberrechtsverletzungsmaschine. Nach unserer Aufdeckung setzte bei Hochstapler Weimer eine wahre Löschorgie ein. Nächte lang verschwand alles, was entlarvt war, bis hin zu falschen Partnern mit großen Namen und betrügerischen Lesezahlen.

Nochmal: Weimer erklärte jetzt im „Spiegel“, sein „politisches Hauptziel“ sei die „Bekämpfung der AfD“. Ausgerechnet jener „Spiegel“, der von Weimer selbst zuvor noch als Inbegriff des „Haltungsjournalismus“ markiert wurde.

Und um bei der AfD zu bleiben: Weimer hat an die hundert Reden und Lautäußerungen von Alice Weidel bei „TheEuropean“ veröffentlicht und Frau Weidel ebenfalls als „Autorin“ eingeführt. Aber Frau Weidel wurde wie viele andere einfach nicht gefragt. Lieber vergessen möchte Wolfram Weimer allerdings, dass er über Alice Weidel einmal eine geradezu verliebte Ode bei „n-tv“ geschrieben hatte. Es war die Zeit am Beginn der großen illegalen Massenzuwanderung und Weimer schrieb schockverliebt über Alice Weidel:

„Sie ist weltläufig und in vielen Auffassungen liberal und modern. (…) Kurzum: Weidel ist die neue Coole in einer hitzig aufgeladenen Partei. Sie nennen sie zuweilen ‚Schneewittchen‘ und ahnen nicht, dass sie damit selbst wie die bewundernden Zwerge wirken.“

Und Weimer fürchtet um Weidel im Schlusssatz, sie könne das Ziel von Giftpfeilen aus den eigenen Reihen werden. Da ist Weimer ganz nah bei Weidel. Nur mit einem Unterschied: Im Vergleich mit Weimer ist Weidel authentisch. Und Weimer ist der Hochstapler. Hochstapler fürchten nichts mehr als alte Bekanntschaften, die sich erinnern. Sie brechen professionell alte Brücken ab. Weimer musste gegenüber Weidel eine Unterlassung unterzeichnen.

Extreme Egozentrik ist tatsächlich eine der zentralen Charaktereigenschaften eines klassischen Hochstaplers. Der Hochstapler lebt in einer Welt, in der er selbst der absolute Mittelpunkt ist. Alles dreht sich um seine Bedürfnisse, seine Großartigkeit, seine Inszenierung. Typische Ausprägungen dieser extremen Egozentrik: Grandiosität: Er hält sich für überlegen, intelligenter, charmanter und wichtiger als andere. Weimer glaubt wirklich, dass die Regeln für ihn nicht gelten.

Auch Mitgefühl ist eine Schwäche, die er bei anderen ausnutzt, aber selbst nie empfindet. Das passt dann zum Buchshop des Weimer-Sohnes, der damit warb, dass bestimmte Anteile an ärmere Kinder in Südamerika gehen. Weimer hatte die Kontakte über einen Tegernseer Pfarrer organisiert. Bis heute weiß man nichts über das tatsächliche Geld, das bei den Kindern angekommen ist. Auch der Pfarrer hat entsprechende Zahlen nie veröffentlicht oder Anfragen beantwortet.

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Der Hochstapler ist auch ein Narzisst, er braucht ständig Bewunderung, Anerkennung und Bestätigung. Jeder Auftritt, jede Lüge ist eine Bühne, auf der er als Star glänzen will. Seine eigene Version der Wahrheit ist die einzig gültige. Aber sie bleibt immer flexibel.

Aus der Bewunderung für Weidel wird der Kampf gegen die AfD. Aber nicht aus einem Erkenntnisprozess heraus, sondern allein aus der Verletztheit Weimers. Und dabei glaubt der Hochstapler auch noch seine eigenen Geschichten: Die AfD steckt hinter der Kampagne. Das war das Framing von Anfang an. Nur was kann Alice Weidel dafür, dass sie zu den am intensivsten ausgebeuteten Fake-Autoren bei Weimers Müllimperium geworden ist und juristisch dagegen vorging? Neudeutsch nennt man so etwas schlicht „Victim blaming“.

Vom Hochstapler werden Widerspruch und Kritik sofort als Angriff auf seine Person gewertet. Und er instrumentalisiert Beziehungen: Andere Menschen sind keine Mitmenschen, sondern Requisiten in seinem großen Theaterstück. Freunde, Partner, Opfer – alle haben nur eine Funktion: ihm zu dienen oder sein Image zu stärken.

Weimer zeigt in seinem AfD-Hass gegenüber dem „Spiegel“ eine Chamäleon-artige Anpassungsfähigkeit gepaart mit fehlender Impulskontrolle bei der Selbstdarstellung. Seine Neigung zum pathologischen Lügen ist Legende. Im Deutschlandfunk lügt er von einem Aufenthalt in Portugal bei der Nelkenrevolution – einzig und allein, damit es zum Format der Sendung passt: „Mein Demokratiemoment“.

Der Hochstapler zeigt auch eine geringe Frustrationstoleranz, wenn die Maske bröckelt. Das spiegelt sich jetzt ebenfalls in Weimers AfD-Hasskampagne. Aber was man dabei nicht vergessen sollte: Weimers extreme Egozentrik ist kein „netter Charakterfehler“, sondern das Fundament seines Handelns.

Der Hochstapler betrachtet sich selbst als das einzig wahre Kunstwerk und die ganze restliche Welt als Material, mit dem er dieses Kunstwerk polieren oder neu erfinden kann. Auch der Olymp der Verdrehung Weimers findet sich im „Spiegel“-Interview. Der Hochstapler erklärt dem Magazin: „Das Gehäuse der Bürgerlichen ist immer die Eigentlichkeit, nicht die Möglichkeit.“

Dabei ist der Hochstapler per Definition immer auch das Mögliche, das Utopische, das Experimentelle. Das Leben als ständige Neuerfindung. Das Bürgerliche wählt hingegen das Wirkliche, das Eigentliche. Ein Hochstapler ist das Gegenteil des Bürgerlichen. Der Hochstapler lebt in der Möglichkeit, nicht in der Eigentlichkeit.

Oder anders gesagt: Ein Hochstapler kann nicht bürgerlich sein, weil er das Fundament des Bürgerlichen – die Übereinstimmung von Erscheinung und Wesen, von Leistung und Anspruch, von Stabilität und Identität – systematisch unterläuft.

Weimer ist der lebende Beweis, dass das „Gehäuse“ brüchig wird, wenn man es nur als Kulisse benutzt. Deshalb wirkt der Vorwurf „Hochstapler“ in bürgerlich-konservativen Kreisen besonders vernichtend: Er trifft nicht nur die Person, sondern stellt ihre gesamte Existenzweise außerhalb des bürgerlichen Gehäuses. Deshalb fällt es Weimer auch so leicht, die Seiten zu wechseln: Er war nie da. Er ist nirgends zu Hause, nicht am Tegernsee, nicht im Kanzleramt. Und am wenigsten bei sich selbst.

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